Stadt der Fernwärme

In vier Workshops haben Vertreter von Stadtplanung, Stadtwerken, Industrie, Energieagentur und Gemeinderat ein neues Klimaschutzkonzept erarbeitet. Mit der Umsetzung wird das Jahr 2030 angepeilt.

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Biomasse-Fernwärme und weniger Verkehr sind nur zwei Faktoren für besseren Klimaschutz.  Foto: 

Die Stadtwerke produzieren zu 100 Prozent ihren eigenen Ökostrom. Bus, Straßenbahn und Fahrräder dominieren die Straßen in der Stadt. Sämtliche alten Gebäude, städtische und private, werden energetisch saniert. Und alle Ulmer tauschen ihre alten Heizungen und Kühlschränke gegen neue ein. Das wären, überspitzt gesagt, die Maßnahmen, mit denen die Stadt Ulm ihre CO2-Bilanz ganz schnell verbessern und den Energieverbrauch drastisch senken könnte.

Denn: 2013, im Jahr der Basisdaten, emittierte jeder Ulmer Einwohner durchschnittlich 10,3 Tonnen Kohlendioxid (CO2). 2030, dem vorläufigen Zieljahr, sollen es unter 2,5 Tonnen sein. "Die Umsetzung braucht allerdings ihre Zeit und ist stark abhängig von der jeweiligen politischen und finanziellen Situation der Stadt." Das sagte Prof. Martin Müller, Leiter des Instituts für Nachhaltige Unternehmensführung der Uni Ulm, beim fünften Workshop zur Ausarbeitung eines neuen Ulmer Klimaschutzkonzeptes. Dies war auf Antrag der Fraktionen CDU, FDP und Grünen 2013 auf den Weg gebracht worden.

Außerdem stammte das Vorgängerkonzept aus dem Jahr 1996. Und die Teilnahme am European Energy Award (siehe Infokasten) verlangt relativ aktuelle Konzepte. An den Workshops hatten unter anderem Vertreter der städtischen Abteilung Stadtplanung, Umwelt, Baurecht, der Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm, der Fernwärme, der Lokalen Agenda, Energieexperten, Umweltschützer und Stadträte teilgenommen. Ein Forscherteam um Müller hatte "sämtliche Vorschläge destilliert" und zu Leitlinien formuliert. In der Sitzung am 24. November werden diese dem Fachbereichsausschuss Stadtentwicklung, Bau und Umwelt vorgestellt.

Um die "fortschreibbare Energie- und Treibhausgasbilanz" von Handel, Gewerbe, Dienstleistungen und privater Haushalte zu verbessern, konzentriert sich Ulm auf die Bereiche Strom, Wärme und Verkehr:

Strom Rasch machbar wäre eine Einsparung, indem die Bürger "effiziente Neugeräte" nutzen, nannte Müller ein Beispiel. Längerfristig müssten die Stadtwerke mehr Ökostrom produzieren und verkaufen, damit Ulm "die Stadt des grünen Haushaltsstroms" wird. Diese wiederum müsse aufgrund ihrer Vorbildfunktion allen kommunalen Gebäuden nach und nach eine Energie-Fitnesskur verpassen.

Wärme Würde jeder Haushalt die Durchschnittstemperatur in einem Raum um ein Grad senken, könnte man bis 2030 fünf Prozent an Energie einsparen, rechnete Müller vor. Die Stadt solle über eine Förderung Anreize schaffen zum Heizkesseltausch. "Und die Fernwärmestadt Ulm wird aktiv verdichtet."

Kraftstoffe In Sachen Verkehr schlugen die wechselnden Workshop-Teilnehmer einen nachhaltigen kommunalen Fuhrpark der Stadt und ihrer Entsorgungsbetriebe vor und eine vernetzte Mobilität. Bei diesen Punkten lobte Müller: "Da passiert schon viel in Ulm."

Ulm steht kurz vor European Energy Award in Gold

Punktvergabe Der European Energy Award (eea) ist ein Qualitätsmanagementverfahren, das die Klimaschutzaktivitäten einer Stadt in sechs Maßnahmenbereichen abbildet wie analysieren, prüfen und anpassen. Dafür werden in jährlichen internen Audits Punkte vergeben. Werden mehr als 50 Prozent der möglichen Punkte erreicht, wird der European Energy Award verliehen, bei mehr als 75 Prozent der European Energy Award in Gold. "Derzeit befindet sich die Stadt Ulm mit 74 Prozent der erreichbaren Punkte an der Schwelle zum Award in Gold", sagt Andrea Lippert von der Hauptabteilung Stadtplanung, Umwelt, Baurecht, Abteilung Strategische Planung. Die Stadt nehme seit 2006 an dem Verfahren teil und "steigerte ihre Aktivitäten kontinuierlich".

SWP

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