Kabelrohr statt Bombe

Der Verdacht auf eine Fliegerbombe am Hauptbahnhof hat sich nicht bestätigt. Das verdächtige Metallteil in einer Baugrube entpuppte sich als Kabelrohr. Die Stadt kritisiert die Informationspolitik der Bahn.

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Gestern um 8.45 Uhr gab der Kampfmittelbeseitigungsdienst (KMBD) Baden-Württemberg Entwarnung. Nachdem das in einer Baugrube vorm Hauptbahnhof in sechs Metern Tiefe liegende verdächtige Metallrohr von den Experten freigeschaufelt und in Augenschein genommen worden war, stellte sich rasch heraus: Es handelt sich um stählernes Kabelrohr.

Wie der stellvertretende KMBD-Leiter Ralf Vendel mitteilte, hat es einen Durchmesser von 1,20 Metern und wurde 1973 von der damaligen Bundespost verlegt. In seinem Inneren befinden sich 15 bis 20 Kunststoffrohre mit Telekommunikationskabeln. Das gehe aus einem Plan der Telekom hervor, die hinzugerufen wurde, als klar war, dass es sich nicht um einen Sprengkörper aus dem Zweiten Weltkrieg handelt.

Somit blieben die Evakuierungspläne (wir berichteten) in der Schublade, entsprechend zügig normalisierte sich auch der Bahnverkehr, der ohnehin nicht stark beeinträchtigt war. Bis 8 Uhr waren alle Züge nach Plan gefahren. Lediglich zwischen 8 und 10 Uhr hatte die Deutsche Bahn mehrere IC- und ICE-Züge zwischen Stuttgart und München vorsorglich über Donauwörth umgeleitet. Für Passagiere aus Ulm fielen diese Verbindungen allerdings ersatzlos aus. Beschwerden oder einen größeren Menschenauflauf habe es am Hauptbahnhof zu keinem Zeitpunkt gegeben, sagt Günter Heiligmann, Sprecher der Bundespolizei in Ulm. "Die Leute waren sehr gut informiert." Nicht tangiert war der städtische Nahverkehr: Sämtliche Busse und die Straßenbahn fuhren planmäßig.

500-Meter-Evakuierungszone, Ersatzbeschilderung, 130 Mitarbeiter eines privaten Sicherheitsdienstes im Einsatz (siehe Info-Kasten): War dieser Großeinsatz gerechtfertigt? Rainer Türke, Chef der städtischen Abteilung Sicherheit, spielt den Ball an die Bahn zurück. Die sei zum Wochenbeginn mit der Mitteilung einer angeblich entdeckten Fliegerbombe an die Öffentlichkeit gegangen. "Das war mit uns so nicht abgesprochen." Die Stadtverwaltung habe darauf "professionell" reagieren müssen. "Unsere Vorbereitungsmaßnahmen waren definitiv erforderlich." Einsicht in Pläne der Telekom habe die Stadt nicht gehabt. "Das ist auch nicht unsere Aufgabe, sondern obliegt der Bahn als Bauherrin." Die komme auch für die Kosten des Einsatzes auf.

Selbstverständlich habe die Deutsche Bahn im Vorfeld der Bauarbeiten bei allen Leitungsnetzbetreibern Anfragen gestellt um den unterirdischen Leitungsbestand in die Pläne aufnehmen zu können, teilt ein Bahnsprecher in Stuttgart auf Anfrage mit. "Wir müssen nun prüfen, warum gerade diese Rohrleitung nicht identifiziert war."

In Zukunft, so Türke, müssten derartige Fehlalarme vermieden "Die Bauarbeiten laufen ja erst an, da werden noch ganz andere Erdmassen bewegt." Im Rahmen der Arbeiten für die Kabeltrasse am Hauptbahnhof werde es zu keinen weiteren Einsätzen dieser Art kommen", versichert KMBD-Vizechef Vendel. "Wenn nächstes Jahr die eigentlichen Bauarbeiten im Bahnhof für das Projekt Stuttgart 21 beginnen, werden wir aber mit Sicherheit wieder im Einsatz sein."

Video und Bilder auf swp.de

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