Handwerk setzt auf Frauen

Frauen in Männerberufen sind weiter keine Selbstverständlichkeit. Das Handwerk ist jedoch wegen des Fachkräftemangels auf Frauen angewiesen, auch in Führungspositionen. Eine Ausstellung zeigt Chancen auf.

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Es gibt Boxer, die nach gewonnenem Kampf keine drei zusammenhängenden Sätze herausbringen. Aber Boxerinnen sollen eloquent sein, möglichst gut aussehen und ihre Kämpfe selbst finanzieren. Das sagte die Ulmer Boxweltmeisterin Rola El-Halabi im Vorfeld ihres Comebacks bei der Präsentation der Wanderausstellung "Meine Zukunft - Chefin im Handwerk" in der Handwerkskammer Ulm.

Aus Sicht der Sportlerin liegt der Vorteil von Frauen in Männerberufen jedoch darin, dass sie sich nicht unterkriegen lassen: "Man muss an sich selbst glauben. Wenn man hinfällt, muss man eben wieder aufstehen." Die Boxerin, die 2011 von ihrem Stiefvater angeschossen wurde, hat dennoch zuletzt eine Frau als Managerin berufen: "Mit der kann ich auch über meinen Box-Rock reden." Und was sie sich von ihrem Trainer wünscht, fragte eine Radiomoderatorin: "Dass er mir die Haare zumachen kann, mit einem Haargummi." Ansonsten wird das Problem beim Boxkampf mit der Schere oder Vaseline gelöst.

Kammerpräsident Anton Gindele hatte klargestellt, dass auch das Handwerk keine Männerdomäne mehr ist: "Frauen in der Kfz-Branche sind keine Ausnahme." Mädchen stellten rund ein Drittel der Azubis im Handwerk, entsprechend werde jede dritte Meisterprüfung von einer Frau abgelegt - nicht mehr nur bei Friseuren und Goldschmieden, sondern zunehmend in Baubranche, Elektrohandwerk, Gesundheitsberufen wie Augenoptiker und Hörgeräte-Akustiker. Angesichts des Fachkräftemangels könne das Handwerk auf Frauen nicht verzichten. Seitens der bundesweiten Gründerinnenagentur bedauerte Katrin Endrass, dass Frauen im Handwerk weiterhin unterrepräsentiert und nur für jede vierte Firmengründung verantwortlich seien. Ein positives Beispiel ist die "Unternehmerfrau im Handwerk 2011" Birgit Rodler. Sie hat vor etwa drei Jahren nach einer Insolvenz ihren früheren Arbeitgeber, eine Stickerei in Marktleugast, übernommen und als Spezialist für Fahnen, Wimpel und Karnevalsmützen zu neuer Blüte geführt. Der Betrieb beschäftigt 20 Mitarbeiter und hat in neue Maschinen investiert. Das Kapital kam von der Familie. OB Ivo Gönner machte deutlich, dass Frauen und Männer aus allen Kulturkreisen in der internationalen Stadt Ulm dieselbe Chance bekommen sollten. Er schließt auch nicht aus, dass eine Frau einmal in Ulm Stadtoberhaupt wird. Dann müsste die Schwörformel auf "ein gemeiner Mensch" abgeändert werden. Christiane Birnbaum als Vize-Hauptgeschäftsführerin der Kammer beschrieb nötige Führungseigenschaften: Fachkompetenz, Mut, Selbstsicherheit, Neugierde und Verlässlichkeit: "Das ist eine gute Basis." Dazu komme ein sozialverträglicher Umgang mit der Belegschaft.

Info Die Roadshow "Chefin im Handwerk" ist noch bis 30. November im Götz-Kottmann-Saal der Handwerkskammer, Olgastraße 72, zu sehen - mit Multimedia. Es gibt dazu auch tägliche Begleitveranstaltungen.

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