Geldstrafen fürs "Probiererle"

Wegen gemeinschaftlichen Diebstahls in besonders schwerem Fall sind drei Angeklagte vom Ehinger Amtsgericht zu Geldstrafen verurteilt worden. Bei einem kam eine Körperverletzung dazu.

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Es war das "Probiererle" für einen späteren Einbruch, so sagte Amtsrichter Wolfgang Lampa, und verurteilte drei junge Männer wegen besonders schweren Diebstahls zu Geldstrafen. Anfang Januar 2010 waren sie über den Zaun aufs Gelände der Ehinger Stadtgärtnerei gekommen, hatten ein Gitter ausgehoben, ein Kellerfenster eingeschlagen und dann von innen ein Fenster im Erdgeschoss geöffnet. Sie nahmen 50 Euro in bar, eine Digitalkamera im Wert von 150 Euro, eine Mini-Stereoanlage, Wert 300 Euro, sowie zwei USB-Sticks und zwei Foto-Smart-Cards im Wert von insgesamt rund 100 Euro mit.

Einer der Angeklagten, ein damals 15-Jähriger, war von Beginn an geständig gewesen, auch schon bei der Vernehmung durch die Polizei. Sie seien zu dritt gewesen, sagte er, die beiden anderen bestritten aber zunächst ihre Beteiligung. Ein zweiter, damals 17-jähriger räumte dann vorgestern vor Gericht ein, doch dabei gewesen zu sein. Richter Lampa hatte ihm eindringlich zu diesem Schritt geraten. Denn DNA-Spuren hatten den jungen Mann zweifelsfrei überführt. Sie waren an Flaschen gesichert worden, aus denen er und der geständige Mitangeklagte am Tatort getrunken und die sie dort zurückgelassen hatten. Der dritte Angeklagte blieb bei seinem "Nein". Von ihm gab es keine DNA-Spuren, doch der Richter war, wie auch Staatsanwalt Kurt Bittelmeyer, gleichwohl von der Mittäterschaft des zum Tatzeitpunkt 18-Jährigen überzeugt. Denn zum einen hatte der Geständige ihn benannt - zum anderen war er mit den beiden anderen bereits im September 2010 für einen weiteren Einbruch zur Leistung von Arbeitsstunden verurteilt worden (wir berichteten). Die drei waren, gut 14 Tage nach der Gärtnerei-Sache, in die Ehinger Michel-Buck-Schule eingebrochen und hatten dort drei Computer samt Monitoren, Tastaturen und Mäusen, einen Laptop, einen DVD-Player und 140 Euro in bar mitgenommen. Dafür war wohl der Gärtnerei-Einbruch eine Art Generalprobe, was Richter Lampa mit dem "Probiererle" meinte.

Beim ersten, heute 18-jährigen Angeklagten kam noch ein weiteres Vergehen hinzu: Er hatte Anfang Februar 2011 bei einem Firmenfußball-Hallenturnier in Allmendingen einem Kontrahenten einen Kopfstoß versetzt, sodass dieser ein "Frontzahn-Trauma" davontrug. Die Zähne waren verbogen und mussten wieder zurechtgerückt werden, eine Woche war der Geschädigte krankgeschrieben. "Es war beim Spiel schon hitzig zugegangen", berichteten gestern sowohl der Angeklagte als auch der Geschädigte als Zeuge. Hinterher gab es ein Wortgefecht, in dessen Verlauf der damals 16-Jährige den heute 19-Jährigen mit dem Kopf gestoßen hatte. Auch diesen Vorwurf räumte der Angeklagte unumwunden ein.

Er hat sich auch beim Opfer entschuldigt und zahlt ihm in Raten insgesamt 1600 Euro Schmerzensgeld. Die Reue erkannte Richter Lampa strafmildernd an und verurteilte ihn zur Zahlung von 500 Euro. Der zweite, zögernd geständige Angeklagte muss 250 Euro Geldstrafe zahlen, der dritte 400 Euro. "Mit einem Geständnis wären Sie günstiger weggekommen", sagte der Richter. Es hätte noch schlimmer kommen können: Der Staatsanwalt hatte für ihn gar auf 800 Euro plädiert.

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