Grundschulempfehlungen: Vielen ist der Druck zu hoch
Nellingen. Die Lehrer an allen Grundschulen haben über die Empfehlungen zum Besuch der weiterführenden Schulen für die Viertklässler beraten - auch in Nellingen. Dort wie überall haben aber die Eltern das letzte Wort.
Vor kurzem begann das Lehrerkollegium der Nellinger Grundschule mit den Beratungen zu den Grundschulempfehlungen. Am 29. Februar werden diese dann den Viertklässlern und deren Eltern bekannt gegeben. "Natürlich geben wir nach wie vor die Empfehlungen heraus, aber es liegt jetzt komplett in der Verantwortung der Eltern, an welcher Schule die Schüler angemeldet werden", sagt der in Nellingen nicht ganz unumstrittene Grundschulleiter Stephan Fauser. "Unsere Empfehlungen sind aber nicht mehr verbindlich, wir beraten nur noch."
104 Kinder besuchen derzeit die Grundschule in Nellingen, aufgeteilt in sechs Klassen. 23 Viertklässler müssen sich jetzt für eine weiterführende Schule entscheiden, die sie ab Sommer besuchen. An der Nellinger Grundschule mit Außenstelle der Dornstadter Bühl-Werkrealschule werden die Schülerzahlen wegen der geburtenschwachen Jahrgänge in den nächsten Jahren rückläufig sein, bestätigt Fauser. Er kontert allerdings den Vorwürfen einiger Eltern aus der Vergangenheit: "Ich bin in keiner Weise daran interessiert, Schüler auf einer Hauptschule zu halten." Er geht davon aus, dass heuer etwa 25 Prozent der Viertklässler eine Empfehlung für die Werkrealschule erhalten werden. Doch wie sich die Eltern im März bei der Wahl zur weiterführenden Schule letztendlich entscheiden, darauf ist der Grundschulrektor selbst gespannt. "Was die Eltern dann tun, darauf haben wir keinen Einfluss. Zudem sind auch die Verfahren für eine Aufnahmeprüfung weggefallen", bekundet Stephan Fauser.
In den letzten Jahren hätten Eltern sehr unterschiedlich auf die Hauptschulempfehlung reagiert, zum Teil die Kinder nach Geislingen geschickt. Mit der Kooperation mit der Werkrealschule Dornstadt wechselten zehn Schüler sogar nach Laichingen. "Einer fängt an und der Kumpel geht mit", erklärt Fauser diese Entscheidungen, die nicht immer nachvollziehbar seien. Weniger als zehn Kinder besuchen derzeit die fünfte Klasse der Nellinger Außenstelle der Dornstadter Bühl-Werkrealschule, zehn Schüler sind jahrgangsgemischt in der sechsten und siebten Klasse untergebracht und rund 20 Schüler werden in der achten Klasse unterrichtet. Zur Zukunft der Werkrealschule äußert sich Fauser: "Wir haben ein so durchlässiges Schulsystem, dass es nicht ganz so wichtig ist, wo Schüler die ersten Jahre ihrer Schullaufbahn verbringen. Es muss auch an die Kinder gedacht werden, wie viel Druck sie aushalten." Der Charakter eines Kindes müsse für die Wahl der weiterführenden Schule im Vordergrund stehen. "Nicht umsonst ist Nachhilfe ein boomender Industriezweig geworden. Das zeigt doch, dass viele Kinder dem Lerndruck nicht gewachsen sind."
Trotz abnehmender Schüler wird die Nellinger Schule derzeit aufwendig saniert. "Das Gebäude ist 45 Jahre alt. Eine Schule baut man mit einer Perspektive von 40 Jahren, es war höchste Zeit", sagt Fauser und erinnert sich an die 90er Jahre, "als wir landesweit Schülerzahlen hatten, auf die wir jetzt wieder zusteuern." Die Entwicklungskurve ist deshalb für ihn nachvollziehbar. Es gehe aber auch irgendwann wieder aufwärts, lautet Fausers optimistische Einschätzung, wobei er den Wandel der Familienstrukturen durchaus erkennt.
Zum Schulumbau erinnert Fauser an den "Standardkatalog": Neben einem Rektorat sei ein Sekretariat wichtig, ein Besprechungsraum für Elterngespräche oder ein Platz für Kranke. Der Umbau bringe im Nebeneffekt sogar zwei zusätzliche Klassenräume, wobei die Sanierung im energetischen als auch im sanitären Bereich "bitter nötig" gewesen sei. "Eine Schule hat nie genug Platz und wir haben einen Trend zum individualisierten Lernen. Da brauchen wir viele kleine Nischen, wozu uns dieser Umbau hilft", sagt Fauser und freut sich darauf, wenn alles fertig ist: "Kleine Klassen und ein wunderbar neues Gebäude, da lässt sich doch gut arbeiten!"
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Autor: BRIGITTE SCHEIFFELE | 22.02.2012
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Nellingens Grundschulleiter Stephan Fauser ist gespannt auf die Entscheidung der Eltern, in welche weiterführenden Schulen sie ihre Kinder schicken werden. Foto: Brigitte Scheiffele
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