Biotopschutz ausgehebelt?

Blaustein.  Darf einem Biotop, das sich durch Eingriffe oder fehlende Pflege verändert hat, der Schutzstatus entzogen werden? Die Frage stellt der BUND angesichts eines Vorgangs um ein Bauvorhaben in Blaustein.

Der geplante Bau eines Wohnhauses am Rand von Blaustein-Ehrenstein ruft die BUND-Ortsgruppe Blaustein auf den Plan. Denn dort, in der Winterhalde, existiert ein eingetragenes Biotop. Eigentlich darf auf geschützten Flächen nicht gebaut werden. Doch die BUND-Ortsgruppe hat erfahren, dass ein Gutachten für den zu bebauenden Teil des Grundstücks zum Ergebnis kommt, dass der Schutzstatus nicht mehr gegeben ist. In einem von der Vorsitzenden Gerlinde Gröschel-Jungwirth unterzeichneten Brief an den stellvertretenden Landrat Hartmut Melzer drückt der Naturschutzverein sein Unverständnis darüber aus.

Die besagte Fläche gehört laut BUND zum Biotopverbund "ineinandergreifende Hecken, Gebüsche, Feldgehölzanteile und Kalkmagerreste". "Befremdlich" sei, dass ein Randbereich separat begutachtet und der Schutzstatus aberkannt werde. Als Gründe dafür nenne die Untere Naturschutzbehörde beim Landratsamt Alb-Donau-Kreis einen Komposthaufen und die fehlende Pflege der Fläche. Die Behörde sollte den Kompost entfernen und den ursprünglichen Zustand wieder herstellen lassen, meint der BUND. Alles andere wäre eine Einladung an Grundeigentümer, ein Biotop zu vernachlässigen oder zu beeinträchtigen, um es dann wirtschaftlich verwerten zu können, heißt es in dem Brief ans Landratsamt.

Nicht der Komposthaufen habe für die Naturschutzbehörde den Ausschlag gegeben, die Fläche anders zu bewerten, sagt Bernd Weltin, der Pressesprecher des Landratsamts. Der Charakter der Fläche, die schon in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre kartiert worden sei, habe sich auf natürliche Weise verändert. Sie zeige starken Schlehenbewuchs. Ein renommierter Gutachter habe festgestellt, dass das Grundstück nicht mehr die Kriterien eines Biotops erfüllt. Es werde eben nicht jedes Biotop entsprechend nachhaltig gepflegt. Dass irgendwo Biotope verschwinden und woanders neue entstehen, sei nicht ungewöhnlich, sagt Weltin. Das Land Baden-Württemberg plane eine neue Kartierung. "Das wird ein anderes Bild der Biotoplandschaft ergeben."

Der BUND Blaustein moniert, dass die Bauvoranfrage nicht in einer öffentlichen Gemeinderatssitzung behandelt wurde. Denn für den Verein spricht nicht nur der Schutz der Natur, sondern auch das Baurecht gegen das neue Gebäude an der Winterhalde. Seiner Meinung nach liegt das Grundstück im Außenbereich und darf daher nicht bebaut werden. Die Gemeinde dagegen rechnet die Fläche zum Innenbereich, wie Franz Schmutz von der örtlichen Bauverwaltung sagt. Sie sei schon seit langem als Bauplatz vorgesehen. Die Frage, ob es sich um einen Innen- oder einen Außenbereich handelt, wird jetzt vom Landratsamt geklärt. Eine abschließende Bewertung gebe es noch nicht, sagte gestern Bernd Weltin.


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Autor: JOACHIM STRIEBEL | 09.02.2012

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