Bäume bleiben stehen
Laichingen. Das vermeintliche Sicherheitsrisiko mit fünf Bäumen auf dem Schulhof der Erich-Kästner-Schule in Laichingen ist wohl doch nicht so groß wie befürchtet: Sie bleiben nach Aussage der Stadt (vorerst) stehen.
"Auch wir haben ein Recht zu leben". Etwas dramatisch klingt dieser Satz auf einem Zettel, der an einem Baum auf dem Schulhof der Erich-Kästner-Schule in Laichingen hängt. Und doch ist dieser Satz auch Ausdruck dessen, was viele Laichinger angesichts der Ankündigung der Stadt dachten, die fünf Bäume auf dem Schulhof der Schule fällen lassen wollte. Ein Sicherheitsrisiko nannte die auf dem Rathaus zuständige Sachbearbeiterin Susanne Dörenbecher noch in der vergangenen Woche. Und auf der Titelseite des Mitteilungsblattes versuchte die Stadt Ende vergangener Woche zu erklären, warum sie gar nicht anders könne als die Bäume zu fällen. Gestern dann die Kehrtwendung: "Die Bäume bleiben vorerst stehen, bis ich noch ein Gutachten eingeholt habe", erklärt Dörenbecher auf Anfrage. Dieses Gutachten soll aber nicht etwa etwas über die Verkehrssicherheit der Bäume aussagen, sondern Aufklärung darüber geben, ob die vorderen zwei Linden die Belag des Schulhofs durch die Wurzeln so stark beschädigt haben, dass Schüler darüber stolpern und sich verletzen könnten.
Im Mitteilungsblatt stand unter anderem, was die Stadt als Grundstückseigentümer und damit als Verkehrssicheurngspflichtiger tun könne, wenn Bäume eine Gefährung darstellen: Sie könne entsprechende Bäume fällen, sie könne eine Absperrung errichten oder Warnschilder anbringen. Von möglicher Ausdünnen der Äste, die vielleicht eine Gefährdung darstellen könnten, weil sie brüchig sind, war nicht die Rede im Mitteilungsblatt. Doch genau dies soll mit den Bäume auf dem Schulhof geschehen, wie Dörenbecher gestern sagte: "Die Bäume werden auf jeden Fall ausgeschnitten."
Dass es jetzt zur 180-Grad-Wende kam, dürfte den Protesten von Laichinger Bürgern zu verdanken sein, die es nicht einsahen, dass an sich gesunde ausgewachsene Bäume gefällt werden sollen, ohne dass dies wirklich zwingend erforderlich ist. Eine von diesen war der Igel-Stadtrat Franz Heim, der am Freitag bei der Stadtverwaltung erschien und sich über den Sachstand informieren ließ. "Es sieht ja so aus, dass die Bäume gesund sind. Ich habe der Sachberabeiterin geraten, einen Sachverständigen zu holen, der die Bäume untersucht." Er habe bei diesem Gespräch den Eindruck gewonnen, dass die Fällung der finf Bäume kein Thema mehr sei. "Aber über die Hintergründe habe ich nichts erfahren", betont der Stadtrat.
In der Tat ist völlig unklar, warum die Stadt erst die Fällung der Bäume wegen einer vermeintlichen Verkehrsunsicherheit durch den Waldarbeiter anordnete, um kurz darauf zu dem Schluss zu kommen, dass dies doch nicht erforderlich ist. Das lässt nur den Schluss zu, dass die Stadt zu schnell mit der Anordnung zum Fällen vorging. Dörenbecher will sich dazu nicht äußern: "Es ist richtig, dass die Bäume gefällt werden sollten. Aber das hat sich jetzt relativiert. Mehr möchte ich dazu aber jetzt nicht sagen."
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Autor: PETER SCHUMANN | 21.02.2012
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Die Bäume im Pausenhof der Erich-Kästner-Schule werden vorerst nicht gefällt. Foto: Sabine Graser Kühnle.
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