Zurückblicken für den Blick nach vorn Erinnern, feiern und forschen im Jubiläumsjahr

Die psychiatrische Klinik in Zwiefalten wird 200 Jahre alt. Ein Grund, um zu feiern, gewiss. Vielmehr will man aber mit einem Blick zurück in die Vergangenheit den Blick für die Zukunft schärfen.

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Der Wandel der Zeit: Die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie versorgt Patienten in Zwiefalten aus den Landkreisen Reutlingen, Tübingen und Esslingen.

Es war am 25. Juni 1812 als 46 Insassen aus dem Tollhaus Ludwigsburg in Zwiefalten eintrafen, tags zuvor waren sie in drei Transporten mit Ochsenkarren und Kutschen gestartet. 200 Jahre sind seitdem vergangen, bewegte Zeiten, gute und böse, doch eines hat bis heute Bestand: die psychiatrische Klinik in Zwiefalten. Von der königlichen Heilanstalt wurde es zum psychiatrischen Landeskrankenhaus und ist heute in der Trägerschaft des Zentrum für Psychiatrie (ZfP) Südwürttemberg.

Während viele Klinken schließen mussten, konnte Zwiefalten erhalten bleiben. Ein Grund, um zu feiern ist dieses Jubiläum darum allemal, wie Professor Gerhard Längle, medizinischer Direktor am ZfP, erklärt, noch mehr wolle man dieses Jubiläum aber dazu nutzen, um mit einem Blick zurück den Blick nach vorn zu schärfen. Dies habe die Menschen in der Klinik zu fast jeder Zeit ausgezeichnet, sagt Längle, dass sie nach vorne geblickt haben. Zudem sei den Mitarbeitern stets klar, dass die Klinik historischen Boden habe, was unter anderem auch zu Gelassenheit führe.

Gefeiert werden diese 200 Jahre darum mit allen, die mit der Klinik zu tun haben, mit Mitarbeitern, Patienten, Angehörigen, Vertretern der Gemeinde und der Politik, der Fachwelt und sonst allen Interessierten. Dabei werden aber auch die dunklen Seiten der Historie nicht verdrängt: Am 27. Januar, dem Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, wird es wie seit vielen Jahren eine Gedenkfeier geben, diesmal allerdings für alle Zentren für Psychiatrie gemeinsam und das nicht nur in Zwiefalten, sondern auch in der Gedenkstätte in Grafeneck. Dabei wird als Novum die Perspektive der Täter beleuchtet, berichtet Daniela Croissant, die für die Organisation des Jubiläumsjahres zuständig ist. Mit dabei sein wird auch Sozialministerin Katrin Altpeter (SPD), die auf die Rolle der Politik und des einst zuständigen Innenministeriums eingehen wird. Am 19. April wird ein Mahnmal vor dem Casino aufgestellt, ein grauer Bus, Symbol für die Aktion T4, in der die Nazis psychisch Kranke systematisch vernichteten. Die Aufarbeitung dieser schlimmen Zeiten und die Verantwortung, die die Einrichtung und das Personal daran hatten, sei wichtig, betont Längle, wobei es ihm dennoch ein Anliegen ist, die Geschichte der Psychiatrie in Zwiefalten nicht nur auf diese Epoche zu beschränken.

Einen Überblick über die kompletten 200 Jahre verspricht der Vortrag am 13. Juni, bis dahin soll auch der Sammelband zum Jubiläum vorliegen, erzählt Dr. Thomas Müller, Leiter des Forschungsbereichs Geschichte und Ethik in der Medizin. Bei diesem handelt es sich nicht um eine übliche Festschrift, sondern um neue Forschungsarbeiten, die publiziert werden, beispielsweise über die Entwicklung und Behandlung von Krankheitsbildern, aber Biografien von prägenden Personen sind enthalten.

Der zentrale Festakt ist dann am 25. Juni, feiern werden geladene Gäste und Mitarbeiter, diese starten bereits einen Tag zuvor mit Fahrrädern in Ludwigsburg und legen auf diesen dann dieselbe Strecke zurück wie einst die ersten Patienten.

Der Treffpunkt Zwiefalten findet wie jedes Jahr im September statt, und zwar am 16., diesmal befasst er sich wegen des Jubiläums mit der Geschichte und steht unter der Überschrift "Treffpunkt Zwiefalten im historischen Gewand". Abschluss in diesem Jahr ist die Ethiktagung, die sich am 10. Oktober mit dem Thema "Wieviel Zwang verträgt eine Beziehung?" befasst. Für das kommende Jahr ist es dem ZfP gelungen, die Bundesdirektorenkonferenz nach Zwiefalten zu locken, am 18. und 19. April halten sie ihre Frühjahrstagung ab.

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