Wo Benzin in der Luft liegt

Wahnsinn. Fast 800 Oldtimer tuckerten gestern zum Roller- und Kleinwagentreffen nach Engstingen. Das älteste Fahrzeug war ein Dreirad der französischen Firma Monet Goyon aus dem Jahr 1918.

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Stilecht mit Knickerbocker, Fliege, Mütze und Rennfahrerbrille fuhr Werner Seißer aus Albstadt mit seiner Monet Goyon vor. Als seine Maschine gebaut wurde, schwamm der 65-jährige Oldtimerfan noch in Abrahams Wurstkessel. Sein beinahe 100 Jahre altes Motorrad gehörte zu den meist fotografierten Motiven am gestrigen Tag.

Ein echter Hingucker war auch das Cabrio der Firma Glas aus dem Jahr 1964. Das S 1204 wurde weltweit nur 43 Mal gebaut. Und eines der seltenen Modelle stand gestern in Engstingen bei der inzwischen 13. Auflage des beliebten Roller- und Kleinwagentreffens.

Außergewöhnlich viele Motorrad- und Cabriofahrer schauten gestern vorbei. Kein Wunder. Das Thermometer zeigte 15 Grad und die Sonne schien den ganzen Tag über. Das war nicht immer so, erinnerte sich Siegfried Haisch aus dem bayerischen Pfaffenhofen an der Roth. Bis auf einmal ist er bei jedem Treffen mit seinem Goggomobil TS 250 und Frosch Kermit auf dem Gepäckständer nach Engstingen gefahren. "Einmal hat es am 3. Oktober geschneit, deshalb bin ich nicht auf die Alb gekommen." Zum ersten Mal mit von der Partie war der neue Bürgermeister Mario Storz, der jetzt weiß, "dass an jedem 3. Oktober in Engstingen Benzin in der Luft liegt".

Der Schultes hatte dieses Mal die Ehre, als Beifahrer im gemeindeeigenen Karmann-Ghia-Cabrio den Fahrzeugkorso der knapp 50 Kilometer langen Rundfahrt anzuführen. Dieses Mal ging es zum Schloss Lichtenstein, danach über Sonnenbühl, Dreherhöfe und Trochtelfingen wieder zurück auf den Festplatz.

Mit dabei war Dietmar Gomeringers Porsche 550 Spyder, auf dem sich die Rennfahrerlegenden Hans Herrmann und Walter Röhrl mit ihren Namenszügen verewigt haben. Auch der große Parkplatz vor dem Automuseum glich den ganzen Tag über einem bunten Geschichtsbuch der Motorisierung aus der Wirtschaftswunderzeit. Motorräder von Adler bis Zündapp und Autos, die man sonst nur noch in alten Filmen sieht.

Der "Tag der Deutschen Einheit" spielte bei den Fahrzeugen ebenfalls eine Rolle. Jede Baureihe der zwischen 1957 und 1991 in Zwickau gefertigten Trabbis war am gestrigen Sonntag gleich mehrfach vertreten: der P 50, der P 60, der P 601 und der P 801 RS, die Rallye-Version. Trabant Kombi und Trabant Universal gab es ebenfalls zu bestaunen.

Dass man inzwischen zum alten Eisen zählt, musste der Schreiber dieser Zeilen mit Schrecken feststellen, als er einen Wellblech-Panda aus dem Jahr 1982 unter den Oldtimern entdeckte. So ein Fiat war damals das erste gebrauchte Auto, das sich der Gymnasiast als fahrbaren Untersatz für 1800 Mark leisten konnte.

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