Windenergie schlägt weiter Wellen

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  • Von der Möglichkeit, Fragen zu stellen, wurde in der Albhalle reger Gebrauch gemacht.  1/2
    Von der Möglichkeit, Fragen zu stellen, wurde in der Albhalle reger Gebrauch gemacht. Foto: 
  • Die sieben möglichen Vorranggebiete für Windkraft zeigt diese Grafik des Regionalverbands. Dabei hat sich ein redaktioneller Fehler eingeschlichen: Statt Hausbuch-Mörsberg heißt es Hausberg-Mörsbuch. 2/2
    Die sieben möglichen Vorranggebiete für Windkraft zeigt diese Grafik des Regionalverbands. Dabei hat sich ein redaktioneller Fehler eingeschlichen: Statt Hausbuch-Mörsberg heißt es Hausberg-Mörsbuch. Foto: 
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Rappelvoll war am Montagabend die Pfronstetter Albhalle bei der Informationsveranstaltung des Regionalverbands Neckar-Alb zum Teilregionalplan Windkraft im Landkreis Reutlingen. Kaum ein anderes Thema mobilisiert die Menschen in der Region derzeit mehr, zumal die Bürgerinnen und Bürgerinnen aus Pfronstetten. Hier nämlich könnten die meisten Windenergieanlagen entstehen, so sehen es die Pläne des Regionalverbands Neckar-Alb jedenfalls vor.

Man habe diese Informationsveranstaltung für den ganzen Landkreis ganz bewusst in Pfronstetten angesetzt, erklärte Verbandsvorsitzender Eugen Höschele in seiner Begrüßung. Man wolle die Dinge auf Augenhöhe besprechen. Höschele blickte gut zehn Jahre zurück. Schon 2004 habe die damalige CDU/FDP-Regierung dem Regionalverband ins Stammbuch geschrieben, dass das Thema regenerative Energie und Windkraft zwingend in den neuen Regionalplan aufzunehmen sei. Die Nachfolgeregierung aus Grünen und SPD habe zugestanden, dass der Regionalplan aus zwei Teilen bestehen durfte, aus einem, der inzwischen planerisch genehmigt worden sei, und aus der Teil-Fortschreibung Windkraft, die jetzt vorgestellt werde und über die „ohne Ideologie“ gesprochen werden solle an diesem Abend.

Hausherr Reinhold Teufel blickte ebenfalls zunächst zurück, rief das Erdbeben in Japan im Jahr 2011 in Erinnerung, ohne das man sich an diesem Abend nicht in Pfronstetten treffen würde, ohne das die Umstellung auf regenerative Energien gemächlich erfolgen würde. Es sei aber anders gekommen: „In 2161 Tagen muss das letzte Kernkraftwerk abgeschaltet werden“. Ob eine Volksabstimmung aktuell eine Mehrheit für den Atom-Ausstieg bringen würde, das wagte Teufel zu bezweifeln. Fakt sei, dass man etwas tun müsse, dass man dies schnell tun müsse. Ziel der Landesregierung sei es, dass bis 2020 zehn Prozent des Stroms aus Windenergie bereitzustellen. Die zunächst positive Stimmung in Sachen regenerative Energien schlage spätestens dann um, wenn Windparks im weiten Umfeld sichtbar seien. Pfronstetten sei eine der kleinsten Gemeinden im Regionalverband, aber von besonderer Bedeutung, würden doch 62 Prozent der Vorrangflächen auf Pfronstetter Markung liegen, so Teufel. Er mache kein Hehl daraus, dass die Infoveranstaltung sehr spät komme. Nur durch Transparenz könne man aber Akzeptanz erzeugen, so Teufel.

Verbandsdirektor Dr. Dirk Seidemann erläuterte die Aufgaben des Regionalverbands. Dieser sei Träger der Regionalplanung und initiiereRegionalentwicklungskonzepte, darunter „IKENA“, das integrierte Energie- und Klimaschutzkonzept. In Sachen Windkraft sei der Regionalverband gefordert, Vorranggebiete auszuweisen, wobei es anders als bis zum Jahr 2012 keine Ausschlusswirkung mehr für die restlichen Gebiete gebe.

Im November habe man den Windkraftentwurf zur öffentlichen Beteiligung vorgelegt, der in Pfronstetten vorgestellt werde. Vom 1. März bis 31. Mai könne sich jedermann dazu schriftlich äußern, wobei die notwendigen Unterlagen auf der Regionalverband-Homepage (www.rvna.de) zur Vergügung stünden.

Dr. Peter Seiffert, der leitende Planer im Regionalverband, hatte die Aufgabe, „in 15 Minuten das dazulegen, wofür wir drei Jahre gebraucht haben“. Erster Schritt sei die Ermittlung der Windhöffigkeit in der Region gewesen, wobei vor allem der Windatlas als Grundlage diente. Durchschnittlich 5,75 Meter Wind pro Sekunde sowie Platz genug für mindenstens drei Anlagen seien vorgegeben worden. Ermittelt wurden daraufhin die Tabuflächen, die zum Beispiel Siedlungen, Flugplätze, Biotope oder Horststandorte sein können. Übrig blieben Prüfflächen in den Suchräumen. Diese wurden untersucht etwa in Hinsicht auf streng geschützte Arten, aber auch in puncto Überlastungsschutz einzelner Gemeinden. Übrig geblieben seien die Vorranggebiete für Windkraft, acht an der Zahl in der gesamten Region (siehe nebenstehenden Text).

Gerade den Überlastungsschutz mahnten einige der Bürgerinnen und Bürger in der anschließenden bisweilen emotional geführten Diskussionsrunde an, der langjährige Pfronstetter Gemeinderat Rudolf Beck etwa. Wenn man an allen Ecken in Pfronstetten Windenergieanlagen aufstelle, werde die Landschaft sich in ein Riesengewerbegebiet verwandeln, prophezeite er. Ein weiterer Pfronstetter meinte, dass der Regionalverband bewusst Landschaftsschutzgebiete verkleinern wolle, damit Pfronstetten möglichst viele Anlagen erhalte, nämlich 30 von 58 möglichen, wie er vorrechnete. Seiffert entgegnete, dass nicht willkürlich geplant worden sei. Man habe sich strikt an die Prüfkriterien gehalten. Dass die Stimmung im Dorf mehrheitlich gegen die Windkraft ist, machte Thomas Wagner von der Bürgerinitiative „Gegenwind“ deutlich. Er überreichte Bürgermeister Reinhold Teufel eine Liste mit Unterschriften von Bürgern, die gegen Windkraftanlagen sind. Mehr als 60 Prozent der Pfronstetter hätten unterschrieben, erklärte er.

Zur Sprache kam in der Diskussion das ganze Spektrum der Einwände gegen Windkraft, das schon beim Sonnenbühler „Hohfleck“ ins Feld geführt worden war, von der Gesundheitsgefährdung durch Schall und Infraschall bis hin zu den Abständen zu Siedlungen. Dirk Seidemann meinte nach gut drei Stunden am Schluss der Veranstaltung: „Wir können ihr Unbehagen nachvollziehen“. Ihm sei bewusst, dass die Windkraftplanung einen Eingriff darstelle, der zu einer Landschaftsbildveränderung führe, wie man sie in unserer Generation noch nicht gesehen habe. „Wir werden ihre Anliegen weitertragen“, versprach er.

Suchräume wurden vom Regionalverband unter die Lupe genommen. Am Ende blieben noch acht Vorranggebiete übrig, von denen sieben im Landkreis Reutlingen zu finden sind.

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