Wie beim Popkonzert

Voicecream, das sind 34 begnadete Stimmen, ein pfiffiger Dirigent und ein virtuoser Pianist. Die Chorgemeinschaft begeisterte in der Klosterkirche mit aktuellen Hits, bekannten Klassikern und einer Minioper.

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Eveergreens. Afro-Groove. Volkslieder und schwäbische Minioper: Voicecream kann alles. Foto: Joachim Lenk

Es hat sich herumgesprochen, dass die Damen und Herren von Voicecream aus dem Tübinger Raum spitze sind. Der musikalische Leiter Cornelius Fritz hat vom Twen bis zum jung gebliebenen Mittfünfziger einen stimmgewaltigen Chor um sich geschart, der Jung und Alt gleichermaßen begeistert.

Kein Wunder. Für jeden ist etwas dabei. Der Stil geht eindeutig in die Pop- und Jazzrichtung. Viele bekannte Stücke gehören zum Repertoire, darunter auch neue und ungewöhnliche Arrangements. Voicecream lässt sich nicht gerne festlegen. Die Männer und Frauen präsentieren Musicalstücke, Gospels, Traditionals sowie klassische Chorliteratur, vorwiegend auf Englisch und Deutsch, gelegentlich aber auch in Portugiesisch, Spanisch, Russisch oder Kisuaheli.

Mehr als 100 Zuhörer sind am Freitagabend in Offenhausen mit dabei, als die "Ladys in black" und die "Men in black" die Klosterkirche des Gestütsmuseums in einen Konzertsaal verwandeln. Mit der "Perfekten Welle" von der deutschen Band Juli beginnt das zweistündige Konzert, gefolgt von "Ein Stück vom Himmel" von Grönemeyer und "Kiss from a rose" von Heidi Klums Ex-Mann Seal.

Bei jedem Stück merkt man der Truppe die Spielfreude an. Die ist echt und nicht gespielt. Besonders bei dem Evergreen von Sergio Mendes "Mas que nada", der inzwischen auch schon ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel hat. Er ist heute noch so aktuell wie damals. Der ansteckende transkontinentale Afro-Groove springt sofort auf die Zuhörer über, die sich rhythmisch zur Musik auf ihren Stühlen bewegen, mit den Fingern schnippen und leise mitsingen. Dass Xavier Naidoos "Und wenn ein Lied" auch unplugged ein echter Ohrenschmaus ist, beweisen die 34 Stimmen mit ihrer Interpretation eindrucksvoll an diesem Abend. Ebenso mit dem bekannten Volkslied "Die Gedanken sind frei", das Voicecream in der Klosterkirche im Fünfvierteltakt präsentiert.

Kein Halten mehr gibt es bei Ray Charles" "Halleluja I love her so". In der Klosterkirche wird jetzt lautstark mitgeklatscht, die Zuhörer sind aus dem Häuschen. "Toll", "spitze", "fantastisch" und "sensationell" ist immer wieder aus den Reihen zu hören. Tosender Beifall mit Begeisterungspfiffen folgt. Die ausgelassene Stimmung lässt im Saal eher ein Popkonzert als ein Chorkonzert vermuten.

Absoluter Höhepunkt ist die schwäbische Minioper "Erna und Eugen" mit umgetexteten Pop- und Rocksongs von Abba, Elvis Presley, Smokie und Udo Jürgens, vorgetragen auf Schwäbisch. Das Singspiel erzählt die Geschichte von Witwe Erna, die nach dem Tod ihres Mannes wieder auf Freiersfüßen wandelt und mit ihrer Jugendliebe Eugen Kontakt aufnimmt. Georg Rudolph ist der Erzähler in der vergnüglichen Kurzoper, die gespickt ist mit Zitaten aus der Musikgeschichte, die sich Chorleiter Fritz zum Thema Liebe im Alter ausgedacht hat. Angelehnt an Udo Jürgens Gassenhauer "Mit 66 Jahren" wird "Mit 76 isch no lang ned Schluss", den der Chor am Konzertende gemeinsam mit dem Publikum singt.

Schade, der Auftritt geht an diesem Abend viel zu schnell zu Ende. Bleibt zu hoffen, dass der Chor sein Versprechen wahr macht, wieder mal nach Offenhausen zu kommen. Ach ja. Die spontane Idee von Gomadingens Bürgermeister Klemens Betz, in der Pause kostenlos Erdbeeren zu verteilen, sollte beibehalten werden.

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