Von Rom zum Rocken auf die Alb

Zum Auftakt des Beerenweinfests am Freitag in Hayingen erstickten die Hard- und Sleaze-Rocker von Kissin Dynamite etwaige Trübsal schon im Keim: Trotz Regen feierten rund 300 Fans ihr Heimspiel auf der Alb.

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Kissin Dynamitemit unbändiger Energie und Spiellust. Foto: Simon Wagner

Die Gegensätze hätten größer kaum ausfallen können: Noch vor ein paar Tagen standen Kissin Dynamite bei sommerlichen Temperaturen und vor tausenden Metallfans in Rom auf der Bühne. Am Freitagabend hieß die Station dann Hayingen. Geringer als in Italien waren beim Beerenweinfest nicht nur die Besucherzahlen, sondern auch die Temperaturen. Als wären die gerade mal zweistelligen Werte nicht schon genug gewesen, kam ein Umstand hinzu, der, wenn er denn so gewollt gewesen wäre, einen Extraapplaus für exzellente Inszenierung verdient gehabt hätte: Just als die Fünf aus Münsingen und Burladingen ihr "Out in the Rain" anstimmten, tröpfelte es nun merklich auf die Menschentraube vor der Bühne hernieder. Aus dem Tröpfeln entwickelte sich im Laufe der Zeit ein veritabler Landregen. Doch weder vor oder auf der Bühne wollte man sich dadurch die Stimmung vermiesen lassen - so ist das halt in Deutschland und auf der Alb.

Dort also, wo für die mittlerweile etablierten Hardrocker von Kissin Dynamite alles begann. Dass ihr Auftritt auf heimischer Scholle, mehr als nur ein leidiger Routinetermin während ihres aktuellen Tourplans durch halb Europa war, bewiesen sie mit der unbändigen Energie und Spiellust, die sie auf die Hayinger Bühne brachten. Im Vorfeld versprachen sie eine "extra lange Show". Dafür hatten sie nicht nur Stücke ihres mittlerweile dritten Werks "Money, Sex and Power" im Gepäck, sondern auch solche ihrer Vorgängeralben.

Haben sich ihre betagteren Stücke bereits in die Hörgänge der Fans eingebrannt, so sind auch die jüngsten Titel auf dem besten Wege, Kultstatus zu erlangen. Dabei merkt man den (immer noch) jungen Musikern einen vollzogenen Entwicklungsschritt an. Kissin Dynamite klingen reifer, konzentrierter, sind musikalisch breiter aufgestellt und bedienen damit zwangsläufig eine größere Hörerschicht. Bestes Beispiel: "Six Feet Under". Eingebettet in den Sound der Santana-Gitarre, kommt der eingängige Refrain, wie auch der Rhythmus derart lässig und entspannt daher, dass ein Schunkeln fast zwangsläufig zu sein scheint. Ein Hit-Kandidat auch abseits der Metal-Szene.

Doch bei aller Weiterentwicklung: Wo Kissin Dynamite drauf steht, ist weiter KD drin. Auch in Hayingen überzeugten sie durch erfrischend geballte Angriffslust. Noch immer biegen sich heulend die Gitarren, noch immer fegt Sänger Hannes mit seiner blonden Mähne wie ein Derwisch über die Bühne und sorgt mit seinem charismatischen Gesang für beinahe extatische Gefühlsausbrüche unter den Fans.

Die haben sich in Hayingen mittlerweile selbst geholfen und eigenhändig zwei große Schirme vor der Bühne platziert. Drunter stehen die, die nicht nass werden wollen. Davor, und deshalb im Regen die, die lieber Aug in Aug mit Kissin Dynamite feiern wollen. Ihrer Stimmung tat dies keinen Abbruch - tat es ja damals in Woodstock auch nicht.

Ein wenig skeptischer betrachtete da schon der 26-Jährige Daniel Knorr den Himmel über Hayingen. Er ist Vorstand des rund 40 Mitglieder zählenden Vereins Bauwagen Hayingen. Als Veranstalter ist er mit der Verpflichtung der inzwischen international gefragten Rockband ein "großes Wagnis" eingegangen. Die Gesamtorganisation des Festwochenendes verschlang einen fünfstelligen Eurobetrag.

Nach dem Auftritt von Kissin Dynamite und zuvor "Ralfs Akustik Rock", galt es so auch am Samstag bei der DJ-Party genug Feierwütige anzulocken, denn: "Wenn es nicht aufgeht, sind die Ersparnisse des Vereins weg" - eine Neuauflage des etablierten, ebenso liebevoll wie atmosphärisch gestalteten Fests wären dann zumindest äußerst fraglich.

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