Vom Zauber des Anfangs

Das Kirchenwort kommt von Sabine Mayer, Gemeindereferentin der Seelsorgeeinheit Zwiefalter Alb. Ihr Thema: Bedeutung der Kommunion.

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Gemeindereferentin Sabine Mayer über die Bedeutung der Kommunion.

"Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne" schreibt Hermann Hesse in seinem Stufen-Gedicht. Und wenn ich an die vielen kleinen und großen Anfänge und ersten Male denke, dann stimmt diese poetische Aussage. Die ersten Schneeglöckchen, die vom lang erwarteten Frühling künden; der erste Schultag, damals, mit der Schultüte in der einen und Mama an der anderen Hand; das erste Ultraschallbild vom eigenen Baby im Bauch; der Anfang des Tages bei Sonnenaufgang oder erst jetzt in der Osternachtfeier wieder so erlebt: das zaghafte Erhellen des Kirchenraumes durch die Osterkerze, die in die Kirche getragen wird und von Auferstehung erzählt.

Viele kleine und große Anfänge die verzaubern, begeistern und für einen Moment gefangen nehmen können. Da ist - mit kindlicher Freude, die auch wir Erwachsene ja Gott sei Dank immer wieder in uns spüren dürfen - ein paar Sekunden lang nichts mehr wichtig als gerade eben dieses Ereignis des ersten Augenblickes.

Um das erste Mal geht es an diesem Wochenende in vielen katholischen Kirchen, für viele katholische Kinder. Am ersten Sonntag nach Ostern wird ganz traditionell Erstkommunion gefeiert. Kinder der 3. Klasse dürfen zum ersten Mal die Communio erleben, die Gemeinschaft der Menschen untereinander und mit Gott. In feierlichen Gewändern, mit Kerzen in der Hand und erhebender Musik werden sie in die Kirchen einziehen. Je nach Temperament des Kindes eher zurückhaltend und zögernd, nicht so recht wissend, was sie da jetzt erwartet oder freudig erregt, mit einem strahlen auf dem Gesicht, weil der Tag so schön ist, weil so viele Gäste extra wegen "mir" gekommen sind und weil jetzt gefeiert wird, worauf sich die Kinder seit einiger Zeit schon vorbereitet haben.

Das erste Mal soll besonders schön sein. Wir kennen das von unseren ersten Malen. Die Mutter hat sich extra viel Mühe gegeben um eine besonders tolle Schultüte für das Kind zu basteln; der erste gemeinsame Urlaub wird an einem besonderen Ort verbracht und das "erste Mal" wird geplant und zelebriert, weil es unvergesslich sein soll.

Egal was beginnt, von uns selbst und von den Menschen drum herum wird es in der Regel so gestaltet, dass es besonders ist: besonders schön, besonders feierlich - verzaubernd. Auch die Erstkommunionfeiern am morgigen Sonntag und an den kommenden Sonntagen sollen besonders schön werden. Das ist ein Anliegen der Eltern, der Kinder und auch der pastoralen Mitarbeiter. Jeder trägt seinen Teil zu "besonders schön" bei. Nur im Zusammenklang kann der "Zauber dieses Anfangs" die Herzen erreichen und weiterwirken.

Da ist die liebevolle Frisur des Kommunionmädchens mit Perlen und Zöpfen so wichtig wie die mit Symbolen verzierte Tauf- oder Kommunionkerze, da ist das schön gestaltete Liedheft nicht weniger Wert als der feierliche Einzug, da hat die Begleitung durch Orgel und Band den gleichen Stellenwert wie schön formulierte Texte und Ansprachen. Nur im Zusammenspiel miteinander, in dem, dass jeder seinen Teil dazu beiträgt, wird diese Erstkommunionfeier ein unvergessliches Fest bei dem die Kinder zum ersten Mal dieses kleine Stück Brot in den Händen halten, von dem die Christen glauben, dass es Jesus selbst ist.

Zugegeben: so manchem pastoralen Mitarbeiter ist das "drum herum" zu viel. Zu viel Äußerlichkeit - zu wenig innere Einstimmung. Wenn die Kinder dann aber am Altar stehen, die Hände geöffnet, um jeden Augenblick Jesus begegnen zu dürfen - wenn ihnen die Kommunion, das Allerheiligste, Jesus selbst in die Hand gelegt wird, dann kann man an den strahlenden Kinderaugen sehen, dass es bei meisten Kindern nicht äußerlich bleibt, sondern sie ihren Herzen weit geöffnet haben um Jesus in ihr Leben einzulassen.

Vielleicht nur für einen kurzen Augenblick, für ein paar staunende Sekunden - vielleicht aber auch für ihr ganzes Leben. Dann kann dieser "Zauber des Anfangs" den Kindern ihr Leben lang Vertrauen, Hoffnung, Friede und Liebe schenken. Es lohnt sich also dieses erste Mal mit den Kindern zu erleben, als Eltern, als Paten, als pastorale Mitarbeiter oder auch als ein Mitfeiernder des Gottesdienstes.

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