Überraschend und schmerzhaft

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Nach der „Holi Party“ – ergänzt mit einem Schaumbad – landen auch die Kinderbetreuerinnen Magda und Annabell (rechts) sowie Schwimmlehrer Tim im Pool der Hotelanlage in Maspalomas auf Cran Canaria.  Foto: 

Die Zeit vergeht rasend schnell, schon ist fast ein weiterer Monat  vorbei und es waren sehr turbulente Wochen, wie sicher in den folgenden Zeilen deutlich wird.

Jeden Montag geht es mit den Kindern an den Strand. Wie ein Packesel, läuft man dann mit Sonnenschirm, Sandspielzeug, Ball, Taschen und etwa 30 Kindern im Schlepptau an den einen Kilometer entfernten Strand. Nachdem jedes Kind einmal gefragt hat „wann wir denn endlich da sind“ haben wir unser Ziel, den Strand, an jenem Morgen tatsächlich erreicht. Ich nehme mein Handtuch aus der Tasche, halte es an meinen Körper gedrückt und auf einmal schmerzt meine Hand wie von 1000 Nadeln gestochen. Ich werfe das Handtuch auf den Boden. Daraufhin fällt etwas weiches an meinen Körper herab. Wie in Schockstarre sehe ich eine handflächengroße, haarige Spinne vor meinen Füßen liegen. Soll ich jetzt schreien, weinen oder wegrennen? Nachdem meine Hand anfing zu zucken und zu brennen machte ich mich auf zu den Socorrista (Rettungsschwimmern). Obwohl ich Stacheln in Form von Haaren in der Hand hatte und diese stets dicker wurde, war sich der Soccorista sicher: „Giftige Spinnen gibt es hier keinesfalls“.

Später erfahre ich, dass es Tarantelarten gibt, die in Stresssituationen giftige Haare ausstoßen, um ihr Opfer zu lähmen. Noch immer im Schock, brachte ich den Strandausflug hinter mich. Abends zuckte die Hand, der Oberarm kribbelte und die Muskeln kontrahierten ohne meine Einwirkung. Als dann ein Muskel am Hals anfing zu krampfen, bekam ich Angst. Im Ausland ist jeder Mitarbeiter unseres Reiseveranstalters privatversichert.

Behandlung im Krankenhaus

Der erste Weg am Morgen führte also zum Krankenhaus. Jeder Arzt hat dort einen Übersetzer an der Seite. Schick zurechtgemachte Damen erläutern, was der Arzt zu erzählen hat. Er erklärt mir, dass ich hätte früher kommen sollen, da Spinnenbisse auf Gran Canaria keine Ausnahme seien. Im Normalfall seien diese aber nicht schlimm, doch es sei keine Seltenheit, dass fremde, exotische Arten mit Frachtschiffen aus Mexico und Afrika eingeführt werden. Erst vor wenigen Monaten sei solch ein Spinnenbiss bei einem Patienten fast tödlich verlaufen. Nach einer Infusion mit Muskelrelaxan, Cortison, einem speziellem Antiallergikum und Schmerzmitteln geht es mir schon bald besser und ich kann am Mittag schon wieder weiterarbeiten. Was mir allerdings erhalten bleibt, ist die Bissstelle in der Größe einer 20-Cent Münze.

In diesen Wochen beginnen in Deutschland bereits die Herbstferien. Das bedeutet, die nächste Hauptsaison steht vor der Tür. Bis Anfang November wird der Miniclub überlaufen. Wenn viele Urlaubsgäste da sind, stehen auch häufiger „Specials“ auf dem Programm des Hotels, wie beispielsweise die „Holi Party“ und das „Oktoberfest“. Eine „Holi Party“ war ursprünglich ein indisches Traditionsfest. Heutzutage werden die bunten Pulver nach einem Countdown in die Luft geworfen, und dann – wie hier im Hotel – in Schaum und zu fetziger Musik getanzt.

Ein weiteres Highlight ist die Kindershow, die alle zwei Wochen stattfindet. Gemeinsam mit Kindern von drei bis siebzehn Jahren stellen wir eine einstündige Show auf die Beine. Zwei Tage bleiben, um die kleinen Sketche und Tanz-Choreographien  einzustudieren. Kinder die etwas Besonderes können, haben hier den richtigen Ort gefunden, um das Eltern und Feunden zu zeigen. Zwei Tage lang läuft alles gut, doch eine Stunde vor der Show fällt einem neuen Kind ein, dass es jetzt doch noch mitmachen möchte, ein anderes hat seinen Text verloren und ein Drittes weint, weil es gar nicht erst auf die Bühne gehen möchte. Es herrscht also Ausnahmezustand.

Einen Tag lang Tourist

Nach so einem Tag ist man froh, wenn wieder mal eine Arbeitspause ist. Einen Tag in der Woche – immer samstags – ist das der Fall. Genau dann werden die Animateure auch zu Touristen und erkunden die Insel. Mit gemietetem Auto ging es los in den Norden Richtung Las Palmas. 25 Kilometer von Las Palmas entfernt liegt „Firgas“. Dort ist das von Künstlern gestaltete „Paseo de Canarias“ zu finden, in dessen Mitte ein terassenförmiger, 30 Meter langer Brunnen herunterläuft. Auf einer Seite des Brunnens stehen 22 Keramikbilder, je eine für die 21 Gemeinden Gran Canarias und eine für die Insel selbst. Bei Fiestas und Wochenenden wird am Ortseingang gekocht, dort kann dann für einen geringen Preis, großartiges, kanarisches Essen gekostet werden.

Das nächste Ziel unseres „Roadtrips“ ist „Teror“. Die Gegend um „Teror“ ist eine der Grünsten der ganzen Insel, „Teror“ selbst ist das religiöse Zentrum Gran Canarias. Die gesamte Altstadt Terors steht unter Denkmalschutz und ist von bunten, traditionell kanarischen Herrenhäusern geprägt. Allesamt führen sie den Besucher zu der „Basilika del Pino“, einer Kirche in der Mitte des Städtchens. Zum Abschluss ging es zurück nach „Las Palmas“, Sushi essen.

Und am nächsten Tag hieß es natürlich wieder einmal „Aufstehen!“ – die Arbeit geht schließlich weiter.

Monate Auszeit nehmen sich viele junge Leute nach dem Abitur – das „Gap Year“. Heute erscheint der dritte Bericht von Annabell Burkhardt über ihre Arbeit auf Gran Canaria.

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