Trotz Tauwetter Vögel füttern

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    Ein Liebhaber von Beeren, Samen und Nüssen:Im Winter stellt der Buntspecht seine Ernährung um, weil Insekten und ihre Larven knapp sind. Foto: 
  • Eine Schwanzmeise bedient sich an einem Knödel. 2/4
    Eine Schwanzmeise bedient sich an einem Knödel. Foto: 
  • Aufgereihte Erdnüsse – auch eine Möglichkeit, die gefiederten Tiere zu unterstützen, wie hier eine Blaumeise. 3/4
    Aufgereihte Erdnüsse – auch eine Möglichkeit, die gefiederten Tiere zu unterstützen, wie hier eine Blaumeise. Foto: 
  • Vogelfütterung einmal anders: Ungesalzenes Streichfett schmiert Günter Künkele in die Ritzen der alten Bäume. Die Mischungen für die Futtersilos in seinem Garten stellt er selbst her. 4/4
    Vogelfütterung einmal anders: Ungesalzenes Streichfett schmiert Günter Künkele in die Ritzen der alten Bäume. Die Mischungen für die Futtersilos in seinem Garten stellt er selbst her. Foto: 
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In Naturschutzkreisen ist man sich nicht einig. Sollen Vögel im Winter gefüttert werden oder ist das ein unnötiger Eingriff, der mehr schadet als nützt? Der Autor und Naturfotograf Günter Künkele (Bad Urach-Hengen) sieht die Sache differenziert. Er hält Futtergaben in der kalten Jahreszeit generell für angebracht und betont, dass dies auch für die jetzige Tauperiode gilt.  „Es wäre ein Fehler abrupt aufzuhören, die Nahrungssituation hat sich ja kaum verbessert, und die Vögel haben sich an das Angebot gewöhnt.“ Niemand solle sich täuschen: „Der Winter ist noch nicht vorbei.“

Dringend rät er, auf die Qualität zu achten. Offensichtlich ist in diesem Winter Material in den Handel gelangt, das so schlecht ist, dass die Vögel einen weiten Bogen darum herum fliegen. Meisenknödel hängen wie Betonklumpen an den Bäumen, in den Häuschen vergammelt die Samenmischung. Durch den Regen kommt Nässe hinzu. Nicht ohne Grund wird immer wieder darauf hingewiesen, dass Hygiene sehr wichtig ist, um die Übertragung und Ausbreitung von Krankheiten zu verhindern.  Bevorzugt werden sollen daher Futtersilos, die nur vor und nach der Saison gereinigt werden müssen.

Jährlich werden in Deutschland 15 bis 20 Millionen Euro allein für Vogelfutter ausgegeben. Ein Riesengeschäft, das weiter  ausgebaut werden soll. So wird von Firmen intensiv für die ganzjährige Fütterung geworben. Nur dadurch könne die Artenvielfalt aktiv unterstützt werden. Angeführt werden Klimaveränderung, zunehmende Bebauung und Urbanisierung sowie der Einsatz von Pestiziden.

Dass ausgeräumte Landschaften ein Riesenproblem sind und der Strukturwandel negative Spuren in der Natur hinterlässt, stehe außer Frage. Mehr als 200 Wildkräuter sind in den letzten 50 Jahren von den Feldern verschwunden. Nur sei es der falsche Weg „auf die gravierenden Nutzungsveränderungen“ auf  diese Weise zu reagieren.Wer sich für den Schutz der heimischen Vogelwelt einsetzen will, so Künkele, soll einen Naturgarten pflegen.

Die Früchte des heimischen Weißdorns werden beispielsweise von 32 Vogelarten gefressen, der heimische Wacholder (nicht zu verwechseln mit dem chinesischen) wird sogar von 43 verschiedenen Vögeln genutzt. Auch Pfaffenhütchen, Hagebuttensträucher, Haselnuss, Schlehen bieten Nahrung und Nistgelegenheiten. Ebenso ist die Blumenwiese dem sterilen englischen Rasen vorzuziehen. Unterm Strich ist  das  günstiger und effektiver als die laufende Anschaffung von Protein-Knödeln, von Insekten-Mix, von Hanfsamen, Erdnüssen, Sonnenblumen  oder getrockneten Mehlwürmern.  Die Sage vom höchsten Zufütterungsbedarf im Früling, wenn laut der Werbung „dringend Energie für Brut und Aufzucht benötigt wird“, ist nur eine Verkaufsmasche. Im Sommer herrsche „mittlerer Zufütterungsbedarf“. Jetzt sollten insbesondere die Jungtiere unterstützt werden, damit sie „körperliche Reserven für die Überwinterung oder den Vogelflug“ aufbauen können.Im Herbst wiederum werden dann die Winterfutterstellen eingerichtet, nach der die Standvögel bereits Ausschau halten.

Diese Jahresrundumversorgung lehnt Günter Künkele ab. „Das ist viel zu kurzsichtig gedacht.“ Und überhaupt solle man sich mal fragen, woher der Samen importiert wird. Er selbst geht lieber in die Mühle im nächsten Dorf und holt dort Bruchkörner. Zusammen mit Hanfsamen, Senfsaat, Haferflocken, Erdnüssen und Sonnenblumen gebe das eine gute Mischung. Er hängt Nussstangen auf, achtet dabei, dass diese nicht in Reichweite von Katzen sind und legt alte Apfelschnitze auf ein Blech in den Garten. Ungesalzenes Streichfett schmiert er in die Baumritzen, was der Specht zu honorieren weiß. Wenn Meisen, Finken, Rotkelchen und Drosseln aus nächster Nähe beobachtet werden können, ist dies ein Erlebnis. „Ich selbst genieße das zusammen mit meinen Enkelkindern,“ sagt Künkele.

Wenn der Trauerschnäpper, der Gartenrotschwanz, der Halsbandschnäpper, die Goldammer, der Dompfaff im April zurückkehrt, herrscht wieder eine Konkurrenzsituation. Die Standvögel können sich dann gestärkt diesem Wettbewerb stellen.

Vogelfütterung anno dazumal: In einer Meldung unserer Zeitung vom Samstag, 29. Januar 1870  heißt es: „Es ist eine sehr erfreuliche Wahrnehmung, daß bei der gegenwärtig herrschenden strengen Kälte die lieben Vögelein überall so bereitwillig gefüttert werden. Wir erblicken hierin einen sprechenden Beweis davon, daß trotz der oft so kalten politischen Strömung die sprichwörtlich gewordene Gemüthlichkeit des Schwabenstammes noch immer helle warme Blüthen treibt, und daß die Bemühungen des Thierschutzvereins mit denen der Tagesblätter ein freundliches Echo in den Herzen des Volkes gefunden haben. Es sind namentlich viele Lehrer, die sich in diesem Stück ein Verdienst erwerben, indem sie das Mitleid ihrer Schüler für die hungernden und frierenden gefiederten Sänger rege zu machen wußten.“ gk

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