Tablets im Unterricht

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Schüler der Jahrgangsstufe 1 an der Wirtschaftsoberschule Riedlingen arbeiten zusammen mit ihrem Lehrer Matthias Kugler mit den Tablets und sind Teil eines Schulversuches.  Foto: 

Mathematikstunde in der Wirtschaftsoberschule Riedlingen. Lehrer Matthias Kugler fordert die 18 jungen Damen und Herren auf, nicht nur das Mathe-Buch aufzuschlagen, sondern sich auch in ihr Tablet einzuloggen. Dank der erfolgreichen Bewerbung für einen Schulversuch gehört es als Arbeitsgerät in der Jahrgangstufe 1 der WOB dazu, wenn gelernt und gelehrt wird. Der Landkreis Biberach als Schulträger war hierzu gefragt, musste er sich doch nicht nur an den Anschaffungskosten beteiligen, sondern allein schon mit WLan-Anschlüssen die technischen Voraussetzung für ihren Einsatz schaffen. Ausgelegt ist der Schulversuch auf drei Jahre.

15 000 Euro pro Jahr investiert das Kultusministerim in Tablets für Schüler – 2017 sind es 40 – und die 15 Lehrer, die an der Wirtschaftsoberschule unterrichten. Vom Landkreis wird insgesamt ebenso viel erwartet. Der Schulversuch wird wissenschaftlich begleitet, soll doch erkundet werden, auf welche Weise Tablets zur Gestaltung von Lernprozessen eingesetzt werden können. „Es ist das Leitmedium der Zukunft“, sagt Schulleiter Matthias Kniese.

Das Schulbuch ist deshalb nicht überflüssig. Die darin abgebildeten Aufgaben werden eingegeben. Schnell wird festgestellt, dass alles korrekt sein muss, um auf die richtige Lösung zu kommen. Ein Punkt statt eines Kommas, das geht gar nicht. Per Beamer werden die Antworten der Schüler auf die Leinwand geworfen. Dennoch rechnen viele „von Hand“ und sind damit – noch – schneller. Schließlich sind sie auch im Umgang mit dem Tablet Lernende.

Was das Tablet bieten soll? Dank der Anwendungssoftware individuelle Lerninhalte auf unterschiedlichem Niveau, was Lisa-Marie Unmuth, die pädagogische Leiterin des Projektes, sehr schätzt. Der Nutzer kann dann selber entscheiden, auf welchen Schweregrad er sich einlässt. Lehrer füttern den Computer – mit Arbeitsblättern, aber auch mit Videos, naturwissenschaftlichen Versuchen per Video oder einem Comic-Buch in Englisch. Eine Schulrallye haben sie erstellt für die „Neuen“, die in zwei Jahren ihr Abitur an der Wirtschaftsoberschule ablegen wollen und damit der einzigen im ganzen Land mit diesem Schulversuch, der sich „tabletBS“ nennt.

Motivierende Wirkung

Er wirkt motivierend, ist sich Matthias Kugler sicher, Mathematiklehrer und technischer Leiter des Projektes. Dass es auch für die Lehrer eine Herausforderung ist, verschweigt er nicht, müssen die Arbeitsmaterialien doch selber erstellt werden. Viele Fortbildungen sind angesagt. Jeder der unterrichtenden Lehrer muss mit dem Tablet arbeiten, doch, so Kugler, das kann von der Internetrecherche bis zum papierlosen multimedial organisierten Unterricht sein. Er sieht Vorteile in der Visualisierung von Aufgaben, dem Experimentieren. Auch die Fremdsprachen profitieren. Hörverstehens-Aufgaben sind für die Schüler  individuell zu lösen. Kopfhörer auf die Ohren und sich darauf einlassen, vielleicht auch mit geringerem Tempo. Ein „Quantensprung“, sagt dazu Schulleiter Matthias Kniese. Als Leiter der Wirtschaftsoberschule hat er die Bewerbung um den Schulversuch 2015 angeregt, als noch Frank Steinhart an der Spitze des Kollegiums stand. „Es ist eine ganz tolle Chance für die Kollegen und Schüler“, urteilt er  und erkennt in dem Prestige-Projekt auch einen Pluspunkt fürs Schulmarketing, schließlich hat die WOB Riedlingen hier das Alleinstellungsmerkmal. Das Lehrerkollegium hat denn auch den Schulversuch in überwältigender Mehrheit befürwortet und nach dem Ja des Landkreises war der Grund für die letztlich erfolgreiche Bewerbung gelegt. Kugler sieht darin zudem die Erfüllung des Leitbilds der Schule: Wir unterrichten zeitgemäß. Dazu gelte es, digital am Ball zu bleiben, um die Schüler auf die Lebenswelt vorzubereiten. Die Praxis müsse zeigen, wie’s funktioniert. Man erhoffe sich viel davon, müsse aber ehrlich testen. Das Unterrichtsgelingen hänge auch von der Technik ab. Falls sie ausfalle, müsse ein Plan B parat liegen. Ein Problem werde sein, so Kugler, dass die Bildungspläne eingehalten werden. Und: Während die Tablets im Unterricht verwendet werden dürfen, sind sie in den Prüfungen tabu.

Den Schülern jedenfalls gefällt’s. Sie sehen den Schulversuch als großen Vorteil an, der ihnen neue technische Möglichkeiten in der Vorbereitung auf ihren späteren Berufsweg in der Wirtschaft gibt. Der Umgang mit dem Tablet biete neue technische Möglichkeiten, ermögliche, sich für die Wirtschaft weiterzubilden und sich neue Techniken offen zu halten, sagt eine Schülerin, eine andere erhofft sich auf lange Sicht gar ein papierloses Arbeiten. Schneller zu sein, erwartet ein Schüler von der neuen Technik, die man brauche, um sich in der Zukunft der digitalen Welt zurechtzufinden. Es wird auch Disziplin gefordert. Wenn der Unterricht beginnt, muss das Tablet geladen sein.

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