Songs voller poetischer Kraft

Mit einem ganz außergewöhnlichen Konzert überraschte die Künstlerin Andrea Schroeder in der Meidelstetter Kulturkneipe "Adler": Ihre tiefgründig betörende Musik entwickelt die Kraft des Besonderen.

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Nicht einfach, aber einfach großartig: Düster, sinnlich und schwer waren die Lieder von Andrea Schroeder, die sie am Samstag im Adler präsentierte. Foto: Sabine Herder

Man mag viele Adjektive und auch einige Vergleiche für Andrea Schroeders Musik und Lieder finden. Was aber nach dem samstäglichen Konzertbesuch im Meidelstetter Adler blieb, ist nahezu unvergleichlich: Lang nachdem der letzte Ton verklungen, die letzte Note verhallt ist, bleibt die eindringliche Kraft und Poesie ihrer Musik und ihres Gesangs: Etwas, das man in der Seele mit nach Hause trägt.

Viel Lob gabs bereits für das Debütalbum "Blackbird" der in Berlin lebenden Musikerin. Lob gebührt aber auch den Programmgestaltern des "Adler" für den Mut, diese Künstlerin auf die Provinzbühne zu holen. Ihre Musik ist nichts zum Abhängen oder Entspannen, und man kann sich auch nicht einfach von ihr berieseln lassen. Hier gilt: Wer Ohren hat zu hören, der höre!

Düster sind Andrea Schroeders Songs, sinnlich und schwer. Voller verträumter Emotionen und poetischer Kraft. Nicht einfach, aber einfach großartig. Gleiches gilt für die musikalischen Arrangements. Alles ist aus einem Guss - sehr spannend, manchmal auch sehr sparsam. Das fällt am meisten beim Schlagzeug auf, das dafür umso kreativer und mit unglaublicher Konzentration von Chris Hughes eingesetzt wird. Auch Jesper Lehmkuhl an der Gitarre glänzt mit ausgesprochen einfühlsamer Begleitung. Am Bass dann noch Dave Allen, der die schwermütige Grundhaltung betont. Andrea Schroeder, die Musikerin, begleitet Andrea Schroeder, die Sängerin, mit indischem Harmonium und Shrutibox.

Auch diese Begleitung unterstützt im leicht pulsierenden Halten der Töne nur den manchmal surrealen, melancholischen und gelegentlich fast beschwörenden Ausdruck ihrer Stücke. Ihre dunkle, rauchige Stimme entführt die Hörer in die finsteren Gassen einer empfindsamen Seele: "Death is waiting around the corner" - der Tod wartet um die Ecke.

Nicht alle Songs sind so morbid, aber alle sind gefühlt traurig. Selbst das Liebeslied "Wrap me in your arms" ist von so düster romantischer Schönheit, dass einem beim Zuhören Gänsehaut über den Rücken kriecht. Da stimmt einen der "Bebop Blues", ein Song nach einem Gedicht von Charles Plymell, mit seinen kraftvollen Bluesrock-Elementen fast fröhlich. Überhaupt gestaltet sich das zweite Set des Abends etwas rockiger. Für das intensive "Blackberry Wine" getraut sich das ansonsten still lauschende Publikum zwischendurch auch mal einen richtigen Applaus.

Im Titel "Winter Days" ist sie dann aber wieder da, die düstere Stimmung zwischen Gothic-Ballade und Melancholie-Chanson: "We all just pass away, my dear". Auch der Song "Ghost Ship" reiht sich mit seinen verhaltenen Gitarrenklängen und geheimnisvollen Gongs in diesen archaisch-kühlen Sound ein. Und doch bleibt trotz der "Kälte", so der Titel eines ihrer deutschen Lieder, ein sinnlich-warmer Eindruck in Schroeders Konzert zurück: Ihre Stimme, so verhalten gefühlvoll, geht ein betörendes Bündnis ein mit eindringlichen Klängen und poetischen Texten. Auch dem einzig "gestohlenen" Song des Abends drückt Andrea Schroeder ihren Stempel auf. David Bowies "Helden" folgt noch ein letztes Gutenachtlied: "The night is quiet and so am I."

Viele Adler-Gäste hätten gern noch mehr gehört, indes blieb letztlich nur noch die CD. Die wurde von der sympathischen Künstlerin vor Ort auch gerne signiert. Ein Trost: In knapp zwei Wochen ist Andrea Schroeder nochmals hier in der Region zu hören: Am 12. April tritt sie im Stuttgarter "Laboratorium" auf.

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