Seit 50 Jahren wird in Münzdorf wieder Köhlerei betrieben

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Der Präsident des Europäischen Köhlervereins Karl-Josef Tielke (links) überreichte an den Köhler Georg Geiselhart aus Münzdorf eine Urkunde und Ehrenmedaille des Europäischen Köhlervereins für seine Verdienste um das Köhlerhandwerk.  Foto: 

Die Köhlerei ist ein schon in der Urgeschichte bekannter Prozess. Spätestens seit dem Aufkommen der ersten Metalle in der Kupfer- und Bronzezeit nutzt der Mensch Holzkohle, um die Erze zu verhütten und die Metalle weiter zu verarbeiten. Der Europäische Köhlerverein e.V. mit seinen rund 2500 Mitgliedern in 11 europäischen Länder verbindet die Traditionen der Köhler und hat erreicht, dass die Köhlerei inzwischen als „„Immaterielles Kulturgut“ anerkannt ist.

Im 19. Jahrhundert waren mehrere Köhler in der Region um Hayingen aktiv tätig. In Münzdorf übte Konrad Rommel um 1838 als Erster das Köhlerhandwerk aus. Nach dem 2. Weltkrieg trat eine Pause ein in der 15 Jahre lang nicht geköhlert wurde. Vor genau 50 Jahren hat Baptist Geiselhart zusammen mit seiner ganzen Familie, die Köhlerei in Münzdorf wieder aufgenommen. Seitdem ist sein zweitgeborener Sohn Georg nach und nach in die Fußstapfen seines Vaters getreten.

Der gelernte Zimmermeister sorgt momentan in vierter Generation für den Fortbestand der Tradition der Köhlerei auf der Mittleren Schwäbischen Alb. Sein Bruder Franz (Haumeister und Forstwirt und Inhaber der Gaststube „Zum Köhlerwirt“) und Hans, der jüngste der Geiselhart- Brüder, übernahm die väterliche Landwirtschaft.

Nun steht ein Wechsel bevor und die Verantwortung soll demnächst an die fünfte und sechste Generation weitergegeben werden. Als Dankeschön für die Wahrung der alten Köhlertradition veranstaltete der Europäische Köhlerverein e.V. am Freitag ein Köhlerfamilienfest in Hayingen.

Mehr als 150 Gäste

Giorgio Luccetta aus Muttenz bei Basel und Isolde und Norbert Geiselhart aus Metzingen hatten über 150 Gäste zu einem umfangreichen Festprogramm eingeladen. Schon am Nachmittag führte eine Fachexkursion zur Kohlplatte in Münzdorf. Dort ist ein Schaumeiler aufgebaut, mit diversen Informationstafeln und fachkundigen Erläuterungen wurden die Vorgänge der Verkohlung von Holz erläutert. Als besondere Überraschung erfreute eine Alphornbläsergruppe die Besucher mit einigen Stücken. Die Teilnehmer konnten an einem Luftballonwettbewerb mitmachen, eine Nachwuchsmannschaft konnte nach einem vergrabenen Köhlerschatz suchen. Für Jung und Alt wurde ein Zeichenwettbewerb mit Holzkohlen ausgeführt. Am Abend folgte dann ein umfangreiches Köhlerquiz, bei dem die Teilnehmer viele Details zur Köhlerei lernen konnten.

Nach einem gemeinsamen Abendessen eröffnete Giorgio Luchetta den Ehrungsabend. Immer wieder wurde die schwere und vielfältige Arbeit der Köhlerei erläutert. Hayingens Bürgermeister Kevin Dorner und Ortsvorsteher Paul Baier bedankten sich für die Fortführung der Köhlertradition auch als Förderung des Tourismus in der Region. Stellvertretend für viele anwesende Köhlergruppen aus Großbritannien und aus ganz Deutschland sprach ein Köhler aus der Nähe des hessischen Kellerwaldes  gute Wünsche aus und „allseits Gut Brand“.

Mit netten Worten schilderte Wilfried Schmid aus Undingen viele Erlebnisse als Helfer auf der Kohlplatte. In zwölf Jahren und bei immerhin 25 Meilern hatte er in stets freundschaftlicher Atmosphäre die harte Arbeit des Aufbauens und „Ausziehens“ mitgemacht und dabei viel gelernt.

Der Präsident des Europäischen Köhlervereins e.V. Karl-Josef Tielke aus Borchem bei Paderborn sprach dem Köhler Georg Geiselhart Dank und Anerkennung aus für seine vielen Initiativen zur Förderung der Köhlerei. Unter dem Beifall der Besucher überreichte Tielke Geiselhart eine Urkunde und die Ehrenmedaille des Europäischen Köhlervereins für seine Verdienste um das Köhlerhandwerk.

Waldarbeiterchor singt

Köhler aus Franken, dem Odenwald, dem Kellerwald, dem Hotzenwald und weiteren Regionen spendeten begeisterten Beifall für die ganze Köhlerfamilie Geiselhart aus Münzdorf.

Der Waldarbeiterchor Zwiefalter Alb umrahmte die Veranstaltung mit Liedern aus dem Wald und der Heimat. Mit großer Freude stimmte das Publikum freudig ein in die vorgetragen Lieder von der „Köhlerliesel“ und „dem lustigen Köhlergesellen“. Eine Frauengruppe mit verkleideten Kaminfegern sang ein stimmungsvolles Lied für die Köhlerfamilie Geiselhart.

In den vergangenen Tagen wurde der Kohlenmeiler mit rund 24 Raummeter Buchenholz bereits sorgfältig aufgeschichtet.

Am morgigen Dienstag, 30. Mai, wird der Kohlenmeiler um 16 Uhr von den Nachwuchsköhlern Max und Norbert Geiselhart feierlich in Betrieb genommen. In den folgenden Tagen sind Besucher willkommen und können sich über die harte Arbeit der Köhlerei informieren.

Die Kohlplatte wird bewirtet. Je nach Witterung erfolgt das „Ausziehen der Holzkohle“ voraussichtlich am Samstag, 10. Juni.

Der Europäische Köhlerverein hat rund 2500 Mitglieder in elf Ländern, darunter Großbritannien und die Schweiz. Alle zwei Jahre findet ein europäischer Köhlertreff als Mitgliederversammlung statt. In den drei bis vier Tagen erfolgt ein kultureller Austausch mit viel Fachsimpeln, Exkursionen und Erfahrungsaustausch. Der Köhlertreff in diesem Jahr findet im Elsass statt. ht 

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