Röhm nur hauchdünn

Das Direktmandat im Wahlkreis 61 hat wie nicht anders zu erwarten der CDU-Kandidat Karl-Wilhelm Röhm errungen. Aber nur hauchdünn. Nicht einmal ein Prozent beträgt sein Vorsprung auf die Grünen.

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Nichts schien vor der gestrigen Landtagswahl klarer als deren Ausgang bezüglich des Direktmandats im Wahlkreis 61. Wen man auch fragte, es war ausgemachte Sache, dass im konservativ geprägten Landstrich der CDU-Abgeordnete Karl-Wilhelm Röhm aus Steingebronn zum vierten Mal in den Landtag einziehen würde. Zu groß war der Abstand der CDU über viele Landtagswahlen zu den anderen Parteien. Seit gestern ist aber nichts mehr wie vorher. Röhm hat das Direktmandat errungen, und zwar mit 28,53 Prozent der Stimmen. Nicht einmal ein Prozent betrug sein Vorsprung auf die Grünen-Kandidatin Kerstin Lamparter, die 27,8 Prozent der Stimmen erhalten hatte. Nur 644 Wählerstimmen mehr und sie hätte die Mehrheit gehabt.

Röhm und die CDU sind die großen Verlierer der Wahl im Wahlkreis 61. Im Vergleich zur 2011-er Wahl büßte der ehemalige Schulleiter knapp 16 Prozent ein. Das kann man mit Fug und Recht als Erdrutsch bezeichnen. In manchen Gemeinden verlor die CDU mehr als 20 Prozent der Stimmen, musste beinahe eine Halbierung ihres Stimmenanteils in Kauf nehmen. Besonders krass sind die Verluste beispielsweise in Grabenstetten (minus 23,1 Prozent), Römerstein (minus 21,5 Prozent), Sonnenbühl (minus 20,5 Prozent). Die aus CDU-Sicht schmerzlichsten Zahlen lieferte das zum Zollernalbkreis zählende Burladingen, wo Trigema-Chef Wolfgang Grupp sich ja als Grünen-Wähler geoutet hatte. Hier büßte die CDU 23,8 Prozent ein.

Nicht weniger bitter verlief der Wahlabend für den Kandidaten der zweiten großen alten Volkspartei. Klaus Käppelers Traum von einer dritten Legislaturperiode dürfte geplatzt sein. 10,1 Prozent betrugen seine Verluste im gesamten Wahlkreis. Von vor fünf Jahren respektablen 21,34 Prozent sind nur noch 11,25 Prozent geblieben, praktisch eine Halbierung. Selbst in seiner Heimatgemeinde Zwiefalten hatte Käppeler ein Minus von 9,2 Prozent zu verbuchen. Mit 15,2 Prozent gab es hier für ihn aber noch das beste Ergebnis. Die höchsten Prozentverluste fuhr er in Lichtenstein ein, wo die SPD von 23,5 auf 11,5 Prozent schrumpfte.

Als Gewinnerin darf sich im jedem Fall Grünen-Kandidatin Kerstin Lamparter fühlen, auch wenn die stolzen 27,8 Prozent möglicherweise nicht zu einem Mandat reichen werden. Sie verbesserte das Ergebnis ihrer Partei um fast neun Prozent, rückte der CDU damit ganz dicht auf den Pelz. In vier Gemeinden im Wahlkreis übertrafen die Grünen die 30-Prozent-Marke. Den höchsten Anteil an Stimmen gab es in Jungingen mit 31,2 Prozent, gefolgt von Eningen (30,6 Prozent), Metzingen (30,5 Prozent) und Hechingen (30,1 Prozent). Nur in Pfronstetten gab es für die Öko-Partei weniger als 20 Prozent (16,5). Hier waren es fünf Jahre zuvor nur 8,9 Prozent gewesen. Den größten Sprung nach vorne machten die Grünen in Zwiefalten, wo ein sattes Plus von 15 Prozent zu verzeichnen war.

Doppelt gewonnen hat FDP-Kandidat Andreas Glück. Er kann erneut mit dem Einzug in den Landtag rechnen und hat mit einem Plus von genau vier Prozent wieder besser abgeschnitten als seine Partei im Ganzen, die rund drei Prozent zugelegt haben dürfte. Für den Chirurgen eine Bestätigung seiner politischen Arbeit in den vergangenen fünf Jahren. Ein Plus hat Glück in allen Gemeinden im Wahlkreis zu verzeichnen. Seine wahre Hochburg ist und bleibt die Heimatstadt Münsingen. Hier kam Glück diesmal auf 18,4 Prozent, ein Plus von 4,9 Prozent. Weitere liberale Hochburgen sind Mehrstetten mit 15,9 Prozent, Pfronstetten mit 15,7 Prozent und Römerstein mit 14,4 Prozent. Interessant: In den drei Gemeinden, die zum Zollernalbkreis zählen (Burladingen, Hechingen und Jungingen) blieben die FDP-Ergebnisse im einstelligen Bereich. Das war im Landkreis Reutlingen nur in Zwiefalten (7,8 Prozent) und Lichtenstein (9,4 Prozent) zu beobachten.

16,1 Prozent der Stimmen im Wahlkreis entfielen auf die rechtspopulistische AfD, für die Carola Wolle aus Beilstein antrat. Damit schnitt die AfD in der Region noch besser ab als im Land an sich. Wo hat die AfD die meisten Anhänger? Wo sitzen die Euroskeptiker und Kritiker an der Flüchtlingspolitik der Bundesregierung? Die Ausreißer nach oben liefert erneut der Zollernalbkreis mit 21,3 Prozent in Burladingen und 19,9 Prozent in Jungingen. Im Landkreis Reutlingen erhielt die AfD prozentual am meisten Stimmen in Sonnenbühl (18,1 Prozent und in Grabenstetten (18,5 Prozent). Am wenigsten AfD-Fans gab es gestern in Zwiefalten (11,5 Prozent).

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