Qualitativ deutliche Defizite

Engstingen hat die Leitlinien für die künftige Entwicklung der Gemeinde und des Einzelhandels festgezurrt. Die Verwaltung folgt den Vorschlägen des jetzt vorgelegten Gemeindeentwicklungskonzepts.

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Engstingen mit seinen rund 5200 Einwohnern hatte bislang kein schlüssiges Konzept für eine abgestimmte Gemeindeentwicklung. Deshalb wurde die in Ludwigsburg beheimatete Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) damit beauftragt, eine Analyse mit Vorschlägen für die Zukunft zu erarbeiten. Projektleiter Gerhard Beck präsentierte vergangenen Mittwochabend der Verwaltung und dem Gemeinderat das Ergebnis. Jetzt kann Engstingen auf zahlreiche Vorschläge und Ideen für künftige kommunalpolitische und bauplanungsrechtliche Entscheidungen zurückgreifen.

Vor dem Hintergrund der geplanten "Neuen Mitte" zwischen Groß- und Kleinengstingen gibt die Untersuchung wertvolle Empfehlungen für die Weiterentwicklung und Stärkung der Gesamtgemeinde. Darin enthalten sind zahlreiche Vorschläge, wie der Ausbau des Einzelhandels vorangetrieben werden kann.

Der Einzelhandelsbestand in Engstingen umfasst derzeit 33 Betriebe. 17 davon sind im Nahrungs- und Genussmittelsektor angesiedelt. Der Rest im sogenannten Nichtlebensmittelbereich. Das in diesem Raum vorhandene Kaufkraftvolumen beläuft sich über alle Einzelhandelsbranchen hinweg auf rund 81,8 Millionen Euro. Davon entfallen auf Nahrungs- und Genuss knapp 28 Millionen Euro.

Laut Beck leben "im regionalplanerisch definierten Verflechtungsbereich von Engstingen rund 15 500 Personen". Dazu zählen die Menschen aus Hohenstein und Trochtelfingen, die ebenfalls in der Gemeinde bei ihren Einkäufen Geld liegen lassen. Insgesamt geht die Studie von einem Umsatz pro Jahr in Höhe von knapp 20 Millionen Euro aus. Fast 14 Millionen Euro davon entfallen auf den Nahrungs- und Genussmittelsektor. Im Vergleich mit anderen Gemeinden ähnlicher Größenordnung zeigt sich, dass Engstingen derzeit insgesamt in quantitativer Hinsicht im Lebensmittelbereich "gut ausgestattet" ist. In qualitativer Hinsicht "bestehen jedoch deutliche Defizite". Zudem gebe es im Nichtlebensmittelbereich nur eine "schwache Angebotssituation". Das Gutachten kommt zu der Auffassung, dass eine Entwicklung des Einzelhandelsstandortes Engstingen sich vorrangig auf eine zukunftsfähige Organisation der Nahversorgung konzentrieren sollte. Ein Grund dafür sei das breit gefächerte Angebot in den umliegenden Mittel- und Oberzentren. Beck sieht unter anderem Entwicklungspotenzial im Lebensmittelvollsortiments, Stichwort neu geplanter Edeka, und bei Drogerieartikeln.

Das Standortkonzept sieht die geplante "Neue Mitte" als zusammenhängenden zentralen Versorgungsbereich vor. Laut der Untersuchung ist bis zum Jahr 2020 "innerhalb des Marktgebietes mit einer stabilen Bevölkerungsentwicklung" zu rechnen. Beck: "Damit ergeben sich hinsichtlich der Nachfrageseite gute Perspektiven." Als Ergänzungsstandort für sogenannte nicht zentrenrelevante Sortimente (Gewerbe, Handwerker und Dienstleister) empfiehlt er den südlichen Bereich des Gewerbegebietes Kohlstetter Straße beim Bahnhof. Als möglichen Standort für Spielhallen und ähnliche Vergnügungsstätten sieht das Konzept ausschließlich das Gewerbegebiet rund um "Trödler" und "Havanna No. 5" vor.

Beck gab zu bedenken, dass Engstingen nur durch den Erhalt und die Stärkung der vorhandenen Strukturen, auch im Bereich der Gastronomie, auf Dauer als Wohnstandort attraktiv gehalten werden könne. Dazu tragen die geplanten Neuansiedlungen im Bereich der "Neuen Mitte" bei, in der auch eine Mehrzweckhalle, das Rathaus und das Feuerwehrmagazin geplant sind (wir berichteten).

"Von einem gelungenen Brückenschlag" zwischen den Ortsteilen, sprach Bürgermeister Klaus-Peter Kleiner, der die Planung in den höchsten Tönen lobte, die er jetzt an den Regionalverband Neckar-Alb weiterleitet. Zustimmung gab es auch von der überwiegenden Mehrheit des Gemeinderats. Klaus-Dieter Fink indes bedauerte, dass der Ortsteil Kohlstetten nicht berücksichtigt worden sei.

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