Pirat fürchtet Währungsreform

Lieber jetzt Einschnitte, als später Chaos: Als Direktkandidat der Piratenpartei plädiert Ulrich Bossler für eine kontrollierte Rückabwicklung des Euro.

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Ulrich Bossler macht sich Sorgen wegen der Eurokrise und will für die Piraten in den Bundestag. Foto: W. Wolf

Der Riedlinger Gemeinderat, einstige Ortsvorsteher von Pflummern und Bankvorstand Ulrich Bossler will mit der Piratenpartei in den Bundestag.

Die Eurokrise ist es, die den stets korrekt mit Anzug, Hemd und Krawatte bekleideten Banker zu diesem Schritt bewogen hat. Eine erste Hürde hat er bereits genommen. Er wurde von der Piratenpartei zum Direktkandidaten im Wahlkreis Biberach gewählt.

Dabei hat Ulrich Bossler die Einführung des Euro für gut geheißen, allerdings unter den begleitenden politischen Maßnahmen, die den beteiligten Staaten abverlangt werden sollten. Dies sei nicht geschehen, klagt er. "In der Vergangenheit hochgehaltene Prinzipien werden mit fadenscheinigen Argumenten ausgehebelt."

Den Regierungs- und Oppositionsparteien in Deutschland wirft er vor, nicht auf lange Sicht zu denken. "Wer will die immer größer werdende Verschuldung zum Schluss tragen", fragt er und hält fest: "Deutschland kann nicht ganz Europa retten." Seine Befürchtung am bitteren Ende: die Währungsreform.

Diese Entwicklung mache ihm Sorge und er will sie so nicht akzeptieren. Der einst überzeugte Anhänger der gemeinsamen Währung beklagt, dass die verantwortlichen Politiker versäumt hätten, eine gemeinsame Wirtschafts-, Fiskal-, Steuer-, Sozial- und Haushaltspolitik umzusetzen und sieht als Ausweg aus dem Dilemma eine einvernehmliche kontrollierte Rückabwicklung der Euroeinführung zurück zu nationalen Währungen mit Kursschwankungsbreiten, wie sie das europäische Währungssystem schon vor der Einführung des Euro kannte. Dabei verschweigt er keineswegs die Schwierigkeiten und auch Kosten, die eine solche Lösung verlangen. "Lieber jetzt Einschnitte durchstehen als die Augen zu verschließen und im kompletten Chaos enden." Dass eine Weiterentwicklung der EU auch ohne gemeinsame Währung möglich ist, davon ist er überzeugt.

Keine Chance sieht er, diesen Weg mit den etablierten Parteien zu gehen. Sie ließen keine Aussicht auf ein Umdenken erkennen. Er hat sich deshalb der Piratenpartei zugewandt. Seit Februar ist er eines der rund 30 000 Mitglieder bundesweit und bricht sogleich eine Lanze für sie. Wer die Piratenpartei nur als eine Ansammlung von Internetfreaks definiere, werde sich noch über das Potenzial wundern, das dahinter stehe, betont er nach den Einblicken, die er inzwischen hat. Besonders imponiere ihm die basisdemokratische Grundphilosophie. Aus der Bevölkerung und auch aus Bankkreisen habe er viel Zustimmung erhalten und sei in seinen Absichten bestärkt worden. Jetzt bleibt abzuwarten, was die Piraten selber sagen, denn in den Bundestag führt bei entsprechendem Gesamtergebnis nur ein Spitzenplatz auf der Landesliste, darüber ist sich auch Bossler im Klaren.

Die Aufstellungsversammlung findet am 15. September statt. 1200 Mitglieder sind wahlberechtigt. Bossler rechnet mit 500, die mitbestimmen wollen.

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