Nicht perfekt sein, sondern menschlich

Vollkommen sein: Im Beruf, in der Familie, im Hobby und in der Freizeit. Es ist unmöglich und kann sogar krank machen, verdeutlichte Diplom-Psychologin Andrea Mayer. Und forderte auf, Fehler zuzulassen.

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Andrea Mayer forderte dazu auf, weniger perfekt sein zu wollen und sich Fehler zu erlauben. Foto: Anja Mader

Wer will das nicht? Erfolgreich im Job, die perfekte Ehefrau und Mutter sein, überall angesehen und geachtet: Rund die Hälfte der deutschen Bevölkerung gehört zu den Perfektionisten - dabei steckt gerade im Hang zur vermeintlichen Vollkommenheit die Gefahr einer Falle, die einen ausbrennt und ein Leben in Zufriedenheit unmöglich macht.

Wie diese Fallen aussehen, wo sie lauern und wie man sie umschiffen kann, das war das Thema der Diplom-Psychologin Andrea Mayer, die mittags auf dem Frauenbegegnungstag sprach. Eingangs stellte sie die Frage, ob es sinnvoll sei, perfekt sein zu wollen, eine Frage, die schnell verneint werden konnte, gelang es Mayer doch, deutlich zu machen, dass es kein Makel ist, nicht perfekt zu sein, sondern etwas nur allzu menschliches. Gesünder und normaler sei es, stets eine Balance zu suchen zwischen dem "So gut wie möglich-Sein" und dem "So gut wie nötig-Sein". Denn, so Mayer, wer auf einer Skala von eins bis zehn ständig nach der elf strebe, erreiche damit vor allem eines: Frust. Dies bezeichnete sie als die "Machbarkeitsfalle", wenn man stets alles wolle und das besser als alle anderen, dabei sind Fehler nicht nur menschlich, sondern "die Voraussetzung allen Lernens". Grund für die Psychologin, ihre Zuhörerinnen dazu aufzufordern, Fehler zu machen und sich diese auch einzugestehen, schließlich gebe es nicht nur entweder Schwarz oder Weiß, sondern auch dazwischen viele Farben.

Die Angst vor Unvollkommenheit hemme auch, "viele Ideen werden nicht umgesetzt aus Angst vor Fehlern". Auch die Sprünge eines jeden Menschen machen Sinn, betonte sie, zwar nicht unbedingt für jeden Mitmenschen, auf jeden Fall aber für Gott, der sie kenne und wisse, für was sie gut seien.

Auch andere Fallen benannte sie, wie die "Imagefalle", der Wunsch danach, mehr zu scheinen als man ist, "seien Sie authentisch", riet Andrea Mayer. Des Weiteren warnte sie vor der Kritikfalle, sprich egal, wie viel man erreicht, kann dieses nie als genug eingeschätzt werden. Die Dankbarkeit könne einen daraus herausholen. Gegen die Versagerfalle könne man einfach mal die Schultern zucken und "Warum nicht?" fragen.

Letztlich hilft gegen den Wahn des Perfektionismus zusammengefasst vor allem eins: Fehlertauglich werden und das Menschsein annehmen, auch wenn dies nicht immer vollkommen, sondern manchmal nur durchschnittlich ist.

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