Neue Ortsmitte in Zwiefalten wird am Samstag eingeweiht

Noch plätschert kein Wasser über die "Geschichtsräder" vor dem Peterstor in Zwiefalten - die Einweihung ist am Samstag. Der Brunnen ist das "Sahnehäubchen" eines Großprojekts: Der Ortskernsanierung.

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Vorsichtig ablassen: Anfang der Woche wurden die Geschichtsräder neben dem Peterstor aufgebaut. Der neue Brunnen bildet den Abschluss des Zwiefalter Großprojekts Ortskernsanierung. Foto: Alexander Eckert

Im Jahre 904 tritt Zwiefalten als "Zvivaltun" zum ersten Mal aus dem Dunkel der Geschichte, um 1170 hat es prominenten Besuch durch Hildegard von Bingen, 1635 wütet die Pest in dem kleinen Ort, in dem 1814 der erste evangelische Gottesdienst stattfindet. Wer sich in aller Kürze für die geschichtlichen Highlights von Zwiefalten interessiert, braucht künftig kein Buch mehr zur Hand nehmen, es genügt ein Spaziergang zum Peterstor - Geschichte im Vorübergehen sozusagen. Dort stehen nämlich seit dieser Woche die "Geschichtsräder".

Auf drei verschieden großen Bronzeplatten sind die wichtigsten Eckdaten und Ereignisse des Ortes von den Anfängen bis in die heutige Zeit graviert. Finanziert wurde der neue Brunnen ausschließlich durch Sponsoren. Am Samstag um 14 Uhr wird er gesegnet und damit gleichzeitig ein langjähriges Großprojekt feierlich eingeweiht: Die Ortskernsanierung. "Die Anfänge dieser Sache liegen noch vor meiner Amtszeit. Der Platz zwischen der ehemaligen Dorfkirche und dem Peterstor hatte damals den Charme der 50er Jahre", erinnert sich Bürgermeister Hubertus-Jörg Riedlinger.

Vor verschönernden Maßnahmen standen jedoch dringend notwendige an. "Es galt Pflichtaufgaben wie den Bau von Wasser- und Abwasserleitungen und der Rentalhalle zu realisieren und ich kann wirklich sagen, dass unsere Gemeinde nicht die begütertste ist", macht Riedlinger die Herausforderungen in den 90er Jahren deutlich. Das Projekt wurde zurückgestellt.

Nach vorbereitenden Maßnahmen und der Bewilligung von Fördermitteln wurden 2006 die Planungen konkreter, zwei Jahre später ging es los. Im Mittelpunkt der Ortskernsanierung stand die Neugestaltung des Peterstorplatzes. "Unser Anliegen war, dem historischen Vorbild aus der Barockzeit so weit es geht zu folgen", erklärt der verantwortliche Architekt Gerhard Keppler. Die Terrassen und die Baumreihe links des Peterstors erinnern an den Friedhof und dessen Umfassungsmauer, die dort einst neben der ehemaligen Ortskirche standen. Die anfängliche Kritik, dass es weniger Parkplätze geben würde, habe sich nicht bewahrheitet, so Riedlinger. "Meines Wissens gibt es nun sogar mehr Stellplätze als zuvor." Viele Maßnahmen waren nur durch privates Engagement möglich, betont Hans Siegel, der beratend für die behördliche Abwicklung zur Seite stand. So wären private Flächen durch Ausweisung zur öffentlichen Nutzung in den Förderbereich gefallen.

Insgesamt acht private Maßnahmen seien im Rahmen der Ortskernsanierung umgesetzt worden. "Wer durch Zwiefalten kommt, spricht einen auf die schöne Ortsdurchfahrt an", resümiert Franz Xaver Schwörer, dessen Ingenieurbüro für den Straßenbau und die Vermessung zuständig war. Dass sich das Ergebnis sehen lassen kann sind sich alle Verantwortlichen einig.

4600 Kubikmeter Erde wurden in den vier Jahren Bauzeit bewegt, 3800 Kubikmeter Kieseinbau verwendet, 7700 Quadratmeter auf der Bundesstraße 312 neu asphaltiert und fast 600 Quadratmeter Natur- und Betonsteinpflaster verlegt. Die Kosten für das in zwei Abschnitte aufgeteilte Bauprojekt vom Münsterplatz mit Ortskern bis Ortsende Richtung Baach liegen bei rund 1,8 Millionen Euro. Den größten Teil davon trägt das Landessanierungsprogramm.

Abzüglich der Förderung aus dem Ausgleichsstock entfielen so nur knapp etwas weniger als 500 000 Euro auf die Gemeinde. Bis Ende 2013 läuft das Sanierungsprogramm. "Den Großteil des Geldes haben wir verbaut. 150 000 bis 200 000 Euro Fördermittel sind noch übrig", gibt Siegel Auskunft.

An Verwendungszwecken mangelt es nicht. So ist die Sanierung der Sägmühlstraße noch offen. Die Bedeutung dieses langjährigen Großprojekts für den Ort Zwiefalten wird bei der Einweihung deutlich, zu der auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann kommt.

Ein entscheidendes Ereignis könnte Bürgermeister Riedlinger also in das neuzeitliche der drei Geschichtsräder nachträglich gravieren lassen: Ortskernsanierung Zwiefalten erfolgreich abgeschlossen.

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