Nach 27 Jahren: Die Eichen können sich sehen lassen

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An einem Bodenprofil verwiesen Stefan Hägele und Rupert Rosenstock (r.) auf die Anlage von Rückegassensystemen und die Vermeidung von Bodenverdichtungen hin,  Foto: 

Über 60 Privatwaldbesitzer aus dem Landkreis Reutlingen informierten sich im Staatswald Distrikt „Gemeine Waid“ über aktuelle Entwicklungen im Forst. An drei Stationen im Wald wurden Kleinprivatwaldbesitzer und Mitarbeiter der Holzgerechtigkeiten von den örtlichen Förstern Stefan Hägele, Martin Mauser, Rupert Rosenstock, Martin Tschöpe und Försterin Nicole Volk beraten.

Der Themenbereich „Waldbau mit Eiche“ machte viele Besucher neugierig. Gehört doch die Eiche nicht zu den Hauptbaumarten auf der Alb. Aber im Zeitalter der Klimaveränderung muss auch über die künftige Baumartenwahl nachgedacht werden. Eindrucksvolle Bilder lieferte ein vor 27 Jahren gepflanzter knapp fünf Hektar großer Eichenbestand. Auf einer Sturmwurffläche und nach Kahlhieb von extrem rotfaulen Fichten wurde ein Baumartenwechsel vorgenommen.  Damals gepflanzte Eichen-Ballenpflanzen haben sich in der Zwischenzeit zu stattlichen Waldbäumen mit 12 bis 15 Höhe und etwa 18 bis 25 Zentimeter Brusthöhendurchmesser entwickelt. Ausreichend Zukunftsbäume weisen gute Schaft- und Kronenformen auf.

Beigemischte dienende Baumarten wie Hainbuche und Linde wurden im Rahmen der Pflegemaßnahmen mehrfach „auf den Kopf geschlagen“. Von Natur aus sind einzelne Birken und Weiden angeflogen und weisen inzwischen Durchmessern von bis zu 30 Zentimeter auf. Einzelne Fichtengruppen bilden einen ausgeprägten Kontrast zu dem sonstigen Laubholzbestand. Martin Tschöpe beleuchtete die hohen Kulturkosten kritisch und verwies auf die lange Umtriebszeit der Eichen von mindestens 150 Jahren. Der tiefgründige Kalkverwitterungslehm ist für die Eiche gut geeignet. Im Vergleich zu anderen Baumarten kann nur eine bescheidene Vornutzung erreicht werden, der absolut stabile und wertvolle Eichenbestand kann aber als gute Alternative zu Fichte,Tanne und Douglasie angesehen werden.

An der Station „Lebensraum Waldboden“ wurde an einem Bodenprofil die massive Bodenverdichtung durch Befahrung auf Fein- und Schichtlehmböden vorgezeigt. An Versickerungsbeispielen wurden frische, durchlüftete und langfristig beschädigte Stellen vorgestellt. Die Botschaft ist klar: In verdichteten Bereichen erfolgt kein Wassereintritt mehr, es ist aber auch kaum mehr Durchwurzelung möglich. Die Bodenporen sind zusammengepresst, die Organismen reduziert. Nur mit einem permanenten Rückegassensystem und technischen Lösungen wie Breitreifen zur Reduzierung des Bodendrucks können große Flächen mit wertvollen Böden die gewünschte Wuchsleistung, Durchwurzelung und Frische liefern. Als wesentlicher Punkt der Arbeitssicherheit besprach Martin Mauser die wichtige Baumbeurteilung vor der Fällung. Die Baumhöhe, Lage und Ausdehnung der Krone und die Gesundheit des  Baumes müssen eindeutig erfasst werden. Spezielle Gefahren und Gefahrenbereiche, Jungwuchs, Leitungen, Sachwerte und die Geländeform sind zu beachten. Erst dann kann nach Anlage eines Fluchtweges die Fällung gefahrfrei angegangen werden.

Im Gasthof Kreuz in Wilsingen sprach Forstdirektor Klaus Franz über den aktuellen Holzmarkt.  Eine stabile Nachfrage erbringe im Grundsatz auch gute Preise. Einzel- und Sonderfälle müssten vor der Aufarbeitung mit den Förstern abgestimmt werden. Nach Reklamationen müsse die Maßgenauigkeit besser beachtete werden: „Alles, was man messen kann, muss stimmen!“ appellierte er. Nach Starkregenfällen verwies Forstdirektor Matthias Kiess auf Regeln des Hochwassermanagements: Waldflächen dienen großflächig als Wasserspeicher und stellen sicher, dass nur wenig Wasser direkt abfließt. Edgar Franz, Kreisforstamt, stellte die Möglichkeiten und Maßnahmen der Forstlichen Förderung vor und ging dabei auf viele Details und strenge Regelungen ein. Mit diesen Infos sind die Waldarbeiter und Waldbesitzer gut gerüstet für die beginnende Holzeinschlagssaison.

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