Mit sich im Reinen sein

Neue Lebensfreude wecken: Die Mariaberger Intensiv-Wohngruppe hilft geistig und körperlich benachteiligten Jugendlichen, ihren Platz im Leben und vor allem ihren Seelenfrieden zu finden.

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Denis Ates hat in der Intensiv-Wohngruppe in Mariaberg nicht nur ein neues Zuhause, sondern auch seinen See-lenfrieden wieder gefunden. Foto: Privat

Wenn Denis Ates (Name geändert) über eine Wiese geht, sieht er sie gleich, die Pusteblumen. Sofort bückt er sich, schnappt sich eine und beginnt die kleinen Schirmchen seinem Gegenüber ins Gesicht zu blasen. Dabei lächelt er froh. Das macht er nur, wenn er besonders gute Laune hat. So geht es vielen Menschen. Nur, wenn alles im Leben rund läuft, kann man sich auch an den kleinen Dingen im Leben erfreuen. Trotzdem unterscheidet sich Denis Ates Leben in vielen Punkten drastisch von dem, was die meisten Menschen für sich als "normal" bezeichnen würden.

Er ist einer von sechs Jugendlichen, die in einer Intensiv-Wohngruppe in Mariaberg leben. Sie meistern ihr Leben nicht nur mit geistigen- und körperlichen Behinderungen. Sie brauchen vor allem auch wegen ihrer teils massiven psychischen Erkrankungen ganz besonders intensive Zuwendung und Betreuung. Zerstörte Gegenstände und Selbstverletzungen sind bei dieser Kombination aus Beeinträchtigungen eher die Regel, denn die Ausnahme. Das führt in vielen Fällen dazu, dass das Umfeld der Personen sich bedroht fühlt und sich immer mehr zurückzieht. So war es auch bei Denis Ates. Vor rund zwei Jahren zog er in die Mariaberger Intensiv-Wohngruppe und wird seitdem Tag und Nacht von erfahrenen Assistenten begleitet.

"Seine zwangsaggressiven Ausbrüche finden immer seltener statt, dadurch fühlen wir uns darin bestätigt, dass wir mit unserem Betreuungskonzept auf dem richtigen Weg sind", erklärt Sven Witt, Hausleiter der Intensiv-Wohngruppe. In der Schule trainiert Denis Ates, wie er sich mit Hilfe von Gebärdensprache verständigen kann. In der Wohngruppe lernte er, beim Einräumen der Spülmaschine zu helfen, den Müll aus dem zweiten Stock runter zum Eimer zu tragen oder beim Kochen den Assistenten zur Hand zu gehen.

Ein besonderes Highlight für ihn sind die Besuche des Schulgottesdienstes. Hier, unter den vielen neuen Gesichtern, die ihm vorbehaltlos begegnen, darf er die Glocke läuten oder auch mal das Brot brechen. In diesen Momenten leuchten seine Augen und er scheint mit sich selbst und seinem Leben vollkommen im Reinen zu sein.

Info Die Diakonische Einrichtung Mariaberg betreut rund 3800 Menschen in der Region. Spenden für die von Mariaberg betreuten Menschen können auf das Konto 112 503, Bankleitzahl: 640 50000 bei der Kreissparkasse Reutlingen erfolgen. Mehr unter www.mariaberg.de.

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