Liaison von Glasfaser und Kupfer

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Auf dem Weg in eine flächendeckende Breitbandversorgung für die Internetnutzer ist die Gemeinde Gomadingen am Dienstagabend ein gutes Stück weit vorangekommen: Der Gemeinderat hat ohne Gegenstimmen die Ausschreibung für den Aufbau des kommunalen FTTC-Netzes – also der Glasfaserversorgung bis zu den jeweiligen Kabelverzweigern – auf den Weg gebracht.

„Wir kümmern uns damit um eine Sache, die uns eigentlich nichts angeht“, sagte Bürgermeister Klemens Betz und verwies auf die originäre Zuständigkeit des Bundes. „Aber der tut nichts und die Telekom ist privatisiert“. Eine Flächengemeinde wie Gomadingen mit ihrer Ausdehung über 4585 Hektar lückenlos zu versorgen, sei natürlich weitaus kostenintensiver als in großen Städten die Breitbandversorgung aufzubauen. In Gomadingen selbst sei die Versorgung zwar aufgrund des vorhandenen Kabelverzweigers der Telekom „relativ gut“, aber in Dapfen oder Wasserstetten komme davon nichts mehr an. Daher habe die Gemeinde dort bereits vor rund 15 Jahren die Funklösung installieren lassen.

Nach dem jetzt geplanten Ausbau sind alle Ortsteile an das Glasfasernetz angebunden. Die Anschlüsse der einzelnen Haushalte erfolgt zunächst zwar weiterhin über Kupferkabel, doch die Entfernung zwischen dem Kabelverzweiger und den Haushalten ist nirgends weiter als 200 bis 300 Meter, versicherte Nadine Mayer von der Breitbandversorgungsgesellschaft im Landkreis Sigmaringen (BLS). Dort haben sich 38 Gemeinden zwischen Alb und Bodensee sowie der Zweckverband Gewerbepark Haid zusammengeschlossen, um in Eigenregie den Aufbau eines kommunalen Breitbandnetzes voranzubringen. Die Entfernung ist entscheidend, weil die per Glasfaserkabel eintreffenden Signale nach ihrer Umwandlung die Reststrecke in der Kupferleitung überwinden müssen und dabei gedämpft werden. Je länger das Kabel, desto deutlicher fällt die Reduzierung aus. 500 Meter gelten als Schwellenwert für die Übertragungsrate von 16 M/bit, die zum Beispiel der Mindestanforderung für den Empfang von Internet-TV entspricht.

Die Detailplanung der Streckenführung lag in den Händen der Ingenieurgesellschaft AGP (Aßfalg Gaspard Partner) aus Bad Waldsee. Deren Vertreter Michael Müller erläuterte die Kostenkalkulation, die freilich noch ein kleineres Fragezeichen enthält. Das hat mit der Firma Gasline zu tun, die im Auftrag von Unitymedia, der früheren Kabel BW, ein Breitbandnetz über die Alb hinweg aufbauen soll. „Die sind uns dazwischen gekommen“, so Ratschef Betz, „und das ist gut so“. Denn die Gemeinden in der Region haben dadurch in Kooperation mit der BLS jetzt die Möglichkeit, in passenden Abschnitten Leerrohre für das kommunale Datennetz mitverlegen zu lassen. Der Preis von 36 Euro pro Meter ist deutlich günstiger, als eine Verlegung in offener Bauweise mit rund 100 Euro – und wiederum etwas teurer als die Verlegung im Pflugverfahren, die mit 20 Euro zu Buche schlägt.

Aufgrund der anderen Linienführung könnte die Gemeinde Gomadingen auf die bislang geplante Trasse von Offenhausen über Gomadingen nach Steingebronn verzichten. Da im Gegenzug jedoch in den Anschlussstücken wiederum ein erhöhter Anteil an offener Bauweise nötig ist, fallen die Ersparnisse mit gut 40 000 Euro nicht so gravierend aus, wie auf den ersten Blick erhofft, verdeutlichte Müller anhand der Preiskalkulation. Unterm Strich liegen die Gesamtkosten bei 1,294 Millionen Euro. Die Fördersumme liegt bei 751 000 Euro, die übrigen Kosten in Höhe von 542 000 Euro muss Gomadingen selber schultern. Lässt sich das Angebot von Gasline nutzen, ohne die Fördermittel des Landes aufs Spiel zu setzen – eine Frage, die derzeit geklärt wird – verringern sich die Gesamtkosten auf 1,248 Millionen, der Förderanteil sinkt auf 746 000 Euro und als Gomadinger Eigenanteil bleiben 501 800 Euro übrig. Dabei handelt es sich jeweils um Nettopreise. Betz verwies auf die Früchte der seit gut 15 Jahren verfolgten Gemeindepolitik: Bei allen Tiefbauarbeiten wurden Leerrohre mitverlegt, das senkt jetzt die Ausbaukosten.

Das Gremium stimmte beiden Varianten zu – der Ausbau soll schließlich bis zum Sommer nächsten Jahres über die Bühne gehen. Entscheidend für die tatsächlichen Kosten sind nun ohnehin die Ergebnisse der Ausschreibung.

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