Lebenszeit: "Nur für heute . . ."

Das Kirchenwort zum Thema Lebenszeit und was man damit anfängt, stammt von Martin Köper, Pastoralreferent im Schuldienst.

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Martin Köper ist Pastoralreferent im Schuldienst.

Donnerstag, 22. Dezember 2011 - letzter Schultag vor den Weihnachtsferien. Gerade hatte ich in einer Klasse von Pferdewirten - die Schüler sind zwischen 17 und 19 Jahre alt - die Stunde beendet, höre ich eine Schülerin sagen. "Mensch, schon wieder ein Jahr rum. Das gibts doch nicht!". Da dreht sich eine andere ihr mit den Worten zu: "Ja, und je älter man wird, um so schlimmer wirds!" Ich habe laut losgelacht - "Was soll dann ich sagen, mit Mitte 40?" Aber es stimmt schon - das Gefühl, dass die Lebenszeit immer schneller wird, kenne ich, kennen wohl alle Menschen. Da stellen sich nun zwei Fragen: Rast meine Lebenszeit an mir vorüber ohne dass ich sie als "Lebensaufgabe" wahrnehmen, erleben und gestalten kann - oder bleibt mir in all dem Schnellen um mich herum auch Zeit, die mir gehört, die mir gut tut? Diese eigene Zeit zu finden ist eine große und bisweilen aufreibende Aufgabe im "Kuddelmuddel" dessen, was zu tun, was unaufschiebbar ist. Dabei hektisch zu werden, hilft am aller wenigsten dabei, das Leben ab und zu mal "auszubremsen". Die Lebenserfahrung von Johannes XXIII. kann hierfür ein guter, hilfreicher Denkanstoß sein. Er hat sich "10 Regeln der Gelassenheit" zusammengestellt:

" 1. Nur für heute werde ich mich bemühen, den Tag zu erleben, ohne das Problem meines Lebens auf einmal lösen zu wollen.

2. Nur für heute werde ich große Sorgfalt in mein Auftreten legen: vornehm in meinem Verhalten; ich werde niemand kritisieren, ja ich werde nicht danach streben, die anderen zu korrigieren oder zu verbessern - nur mich selbst.

3. Nur für heute werde ich in der Gewissheit glücklich sein, dass ich für das Glück geschaffen bin - nicht für die andere, sondern auch für diese Welt.

4. Nur für heute werde ich mich an die Umstände anpassen, ohne zu verlangen, dass die Umstände sich an meine Wünsche anpassen.

5. Nur für heute werde ich zehn Minuten meiner Zeit einer guten Lektüre widmen; wie die Nahrung für das Leben des Leibes notwendig ist, ist eine gute Lektüre notwendig für das Leben der Seele.

6. Nur für heute werde ich eine gute Tat verbringen, und ich werde es niemandem erzählen.

7. Nur für heute werde ich etwas tun, für das ich keine Lust habe zu tun: sollte ich mich in meinen Gedanken beleidigt fühlen, werde ich dafür sorgen, dass es niemand merkt.

8. Nur für heute werde ich fest glauben - selbst wenn die Umstände das Gegenteil zeigen sollten - , dass die gütige Vorsehung Gottes sich um mich kümmert, als gäbe es sonst niemanden auf der Welt.

9. Nur für heute werde ich keine Angst haben. Ganz besonders werde ich keine Angst haben, mich an allem zu freuen, was schön ist - und ich werde an die Güte glauben.

10. Nur für heute werde ich ein genaues Programm aufstellen. Vielleicht halte ich mich nicht genau daran, aber ich werde es aufsetzen - und ich werde mich vor zwei Übeln hüten: der Hetze und der Unentschlossenheit.

"Nimm dir nicht zu viel vor. Es genügt die friedliche, ruhige Suche nach dem Guten an jedem Tag zu jeder Stunde, und ohne Übertreibung und ohne Ungeduld."

Übrigens: Heute Abend um 20 Uhr ist das Jahr 2012 schon wieder 500 Stunden alt - und dann ist, wenn auch nicht höchste so doch eine gute Zeit, sich Zeit für sich selbst zu nehmen. Sonst wird das Gefühl "Meine Zeit rast nur so dahin" immer bedrängender.

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