Kaplanei und Schreinerei Stationen bei Tappeser-Besuch

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In der Hayinger Kaplanei erläuterte Bürgermeister Kevin Dorner (2. von links), wie das einst abrissreife Gebäude stilvoll saniert wurde. Aufmerksame Zuhörer sind MdB Michael Donth, Regierungspräsident Klaus Tappeser und Landrat Thomas Reumann (von links).  Foto: 

Seit elf Monaten ist er Regierungspräsident in Tübingen, seither ist er natürlich schon mehrfach im Landkreis Reutlingen unterwegs gewesen, allerdings punktuell. Gestern nun hat Klaus Tappeser, früherer OB in Rottenburg und danach Landtagsabgeordneter der CDU, dem Landkreis offiziell einen Besuch abgestattet. Der Tag begann mit einem politischen Weißwurstfrühstück mit einigen der Kreis-Bürgermeister, die Gelegenheit hatten, ihre Anliegen vorzutragen, wurde fortgesetzt in Bad Urach, wo es um das Biosphärengebiet Schwäbische Alb und um den Tourismus überhaupt ging.

Dritte Station am Mittag war das idyllische Alb-Städtchen Hayingen, wo Tappeser, der von Landrat Thomas Reumann begleitet wurde, von Hayinger Gemeinderäten und Teilen der Stadtverwaltung mit Bürgermeister Kevin Dorner an der Spitze erwartet wurde. Ziel war die Kaplanei, an deren Beispiel Reumann zeigen wollte, wie segensreich und sinnvoll die Zuschussmittel des Landes eingesetzt werden. Schließlich ist Tappeser Vorsitzender der Ausgleichsstock-Vergabekommission. Und aus diesem Topf flossen seinerzeit 300 000 Euro nach Hayingen, wie Kevin Dorner hinzufügte, weitere 661 000 Euro erhielt die Stadt aus ELR-Mitteln, so dass sie noch 371 000 Euro selbst zu finanzieren hatte, um das historische Gebäude nicht nur vor dem nahen Zerfall zu retten, sondern in ein städtischen Schmuckstück zu verwandeln.

Dorner ging kurz auf die Geschichte des Hauses ein, das 1579 gebaut wurde, als in Hayingen eine Kaplaneistelle geschaffen wurde. 1904 wurde es an einen Schumachermeister verkauft, 2003 von der Stadt erworben. 2008, so Dorner, beschloss der Gemeinderat, das Gebäude zu sanieren. Vor sieben Jahren seien die Arbeiten abgeschlossen worden. Aus dem einstigen Gewölbekeller sei ein Festraum entstanden, der heute für Trauungen und andere Festivitäten genutzt werde. „Nur durch die Fördermittel war es der Stadt möglich, die alte Kaplanei einer neuen Nutzung zuzuführen“, unterstrich Dorner.

„Eine Augenweide“

Der Regierungspräsident sprach im Zusammenhang mit der Kaplanei von einer „Augenweide“, davon, dass die Fördermittel ihren Zweck voll und ganz erfüllt hätten. „Wir brauchen Lebensqualität im Ländlichen Raum“, betonte Tappeser. Dazu gehörten genügend Arbeitsplätze, dazu gehöre aber natürlich auch die Förderung von Gemeinschaftseinrichtungen. „Sie können stolz darauf sein, was sie hier hinbekommen haben“, zeigte er sich beeindruckt.

Während des von Traudl Brunner zubereiteten und servierten Mittagessens – Regionaler Vorspeisenteller unter anderem mit Alblinsen aus Bremelau und Wacholderkäse aus Münzdorf sowie als Hauptgang Schweinenacken vom jungen Albschwein des Brunnerhofs aus Münzdorf – bestand die Möglichkeit, Wünsche auszusprechen. Dr. Christian Kübler sprach das Thema altersgerechtes Wohnen in Hayingen an. Man brauche eine gewisse Anzahl an Menschen, die betreut werden müssten, um die vorgegebenen Schlüssel zu erfüllen, antwortete Tappeser. Er  nannte Beispiele, wie dies umgangen werden könne, durch betreutes Wohnen etwa.

Es gebe interessante Wohnformen weitab vom klassischen Altersheim, für das man schwer Bewohner finden werde: „Unterschwellig kann man was erreichen“. Thomas Reumann erklärte, dass man in Hohenstein ein entsprechendes Modellprojekt umgesetzt habe, meinte, dass der Impuls angekommen sei.

Anhausens Ortsvorsteher Heribert Geiselhart nahm die Gelegenheit wahr, auf die marode Kreisstraße zwischen Anhausen und Erbstetten hinzuweisen. Deren Ausbau stehe nicht zuletzt dank der Hartnäckigkeit von Kreisrätin Traudl Brunner in der Finanzplanung des Jahres 2019, antwortete Reumann.

Letzte Station der Kreisbereisung war die Schreinerei Jürgen Reihling in Bernloch. Ohne die Themen Handwerk und Gesundheit wäre die Tour nicht vollständig, meinte Reumann. Tappeser merkte an, dass es gerade für den Ländlichen Raum wichtig sei, die Breitbandversorgung sicherzustellen, weshalb es nicht verständlich sei, dass gerade Baden-Württemberg von den Bundesmilliarden für die Digitalisierung fast nichts abrufe. Ein anderer wichtiger Aspekt sei die Förderung der Gesundheit der Mitarbeiter in den Betrieben. Schließlich würde der Mensch zwei Drittel seiner Zeit am Arbeitsplatz verbringen.

Jürgen Reihling ging kurz auf die Geschichte seiner vor 25 Jahren gegründeten Schreinerei ein, in der heute vier Gesellen angestellt seien. Sein Betrieb ist einer von 20 im Landkreis, dem das Label „Gesund im Betrieb“ verliehen wurde. Das einfache und kostengünstige u Konzept gibt den Betrieben die Chance, Gesundheit in ihrem Unternehmen zum Thema zu machen.

Dr. Gottfried Roller, Leiter des Kreisgesundheitsamtes, erinnerte an die Kreisgesundheitskonferenz, die zwei Schwerpunkte erbracht habe, zum einen das Thema medizinische Versorgung, zum anderen den Bereich der Prävention und Gesundheitsförderung. Es sei ein Netzwerk Arbeit und Gesundheit gebildet und das Label „Gesund im Betrieb“ entwickelt worden. In diesen Betrieben würden ist-Analysen erstellt, die Stärken und Schwächen ermittelt, eine Gefährdungsbeurteilung erfolgen, ehe drei konkrete Maßnahmen umgesetzt würden, die nachhaltig sein müssten.

Im Falle von Jürgen Reihlings Schreinerei reicht das Spektrum der Maßnahmen von Papier-Handtüchern auf dem WC über täglich frisches Obst bis hin zu Ergotherapie-Kursen für die Mitarbeiter, die oft schwere Lasten zu schultern haben. „Die Hilfe von außen war für uns sehr wichtig. Es hat uns viel gebracht“.

Betrieben im Landkreis Reutlingen wurde das Label „Gesund im Betrieb“ verliehen. 15 weitere werden es in diesem Jahr noch erhalten.

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