In schönster Slide-Guitar-Manier

So intensiv, poetisch und ausdrucksstark kann Blues sein: Richard Bargel und seine Band "Dead Slow Stampede" überzeugten am Samstag im Adler nachhaltig mit exzellenter, emotionaler Musik.

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Der erste Eindruck vom Konzert in der Meidelstetter Kulturkneipe: Bargel beeindruckt. Zunächst äußerlich, gleich darauf auch musikalisch: Als Chansonnier mit Slide-Gitarre, Songwriter mit Esprit, Sänger mit sonorem Tiefgang, Musiker mit meisterhaftem Gespür.

Kurz: Was Bargel und Band am Samstagabend im Adler boten, konnte getrost als eines der Highlights im Konzertprogramm der Kulturkneipe durchgehen. Das war weder Müll noch Mist, auch wenn das neueste Album des deutschen Bluespoeten den Titel "Its crap!" trägt, was übersetzt etwa soviel wie "Son Müll!" heißt. Der "Müll" hat es immerhin wieder zur Nominierung für den Preis der deutschen Schallplattenkritik gebracht, wie Bargel den Adler-Gästen nicht ohne Stolz verkündete. Ein Preis, mit dem Bargel übrigens bereits zweimal ausgezeichnet wurde.

Das Publikum - es wirkte am Samstag irgendwie handverlesen, die Atmosphäre in der Kulturkneipe irgendwie noch dichter, noch intimer als sonst. Vielleicht, weil von der Bühne so viel Ruhe, so viel Selbstverständnis ausstrahlte. Bargel ist ein Blues-Veteran mit großem persönlichen Ausdruck und magischer Bühnenpräsenz, und er präsentierte seine Musik am Samstag mit der Gelassenheit einer authentischen Persönlichkeit.

Authentisch sind auch Bargels Songs. Sie verraten viel über ihren Schreiber, können bissig, kritisch, zynisch und ironisch sein, manchmal auch lustig, manchmal auch düster. Nur eines sind sie nie: langweilig. Und so glänzte auch der Samstags-Gig im Adler mit zwar durchgehend bluesgetränkter, aber erfreulich abwechslungsreicher Musik.

Von der neuen CD kommt etwa das Stück "Bad Manners" ganz im Mississippi-Delta-Stil daher, "Stray Cat" dagegen weint resigniert in schönster Slide-Guitar-Manier, und "Out of tune" ist ein humorvolles Gute-Laune-Stück. Düster gespenstisch wiederum gibt sich "Lady of the Black Bamboo", mit eigenwilligem Spiel auf der Slide-Gitarre und feinen Akzenten an den drums.

Die drei Musiker an Bargels Seite zelebrierten den Blues mit ihm und in beeindruckendem Zusammenspiel: Mit feinem Gespür achtet hier jeder auf den anderen und dabei dennoch auf das große Ganze. Nuancenreich, vielfarbig und sparsam, wenns sein muss: Geert Roelofs am Schlagzeug. Virtuos, vielseitig und kreativ: Paul G.Ulrich am Kontrabass. Und, neu dabei, 22 Jahre alt, präzise, schnell, und fingerfertig an Gitarre und Lap Steel Guitar: Fabio Nettekoven.

Mit dem Titel "Will your house be blessed" setzte Bargel am Samstag den gefühlsstarken Schluss unter sein Konzert: So leise wie kraftvoll erinnert der Song an John B. Spencer, einen musikalischen Weggefährten Bargels aus den 70er-Jahren. Jener hat ihn auch geschrieben - einer der wenigen Songs auf "Its Crap", die nicht aus Bargels eigener bluespoetischer Feder stammen.

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