Im Notfall keine Zeit verlieren

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  • Gemeinsam waren (von links) Samira Benz, Janina Griesinger und Verena Benz im Sommer als DLRG-Rettungsschwimmerinnen im Einsatz im Ostseebad Damp nördlich von Kiel. 1/2
    Gemeinsam waren (von links) Samira Benz, Janina Griesinger und Verena Benz im Sommer als DLRG-Rettungsschwimmerinnen im Einsatz im Ostseebad Damp nördlich von Kiel. Foto: 
  • Auch die Fahrt im Rettungsboot gehört – wie hier bei Janina Griesinger – zu den Einsatzaufgaben beim Wasserrettungsdienst. 2/2
    Auch die Fahrt im Rettungsboot gehört – wie hier bei Janina Griesinger – zu den Einsatzaufgaben beim Wasserrettungsdienst. Foto: 
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Wie lässt sich sinnvolle und eine im Notfall unter Umständen lebensrettende Arbeit mit einem Hauch von Abenteuer kombinieren? Für einige der Rettungsschwimmerinnen im DLRG Gomadingen ist die Frage einfach zu beantworten: Sie melden sich seit mehreren Jahren immer wieder zum „Zentralen Wasserrettungsdienst Küste“. Die Rettungsschwimmer überwachen in Niedersachsen, Schleswig-Holstein sowie Mecklenburg-Vorpommern die öffentlichen Badestrände. Dies geschieht im Auftrag der jeweiligen Gemeinden beziehungsweise Kurverwaltungen und wird seit 2010 von der Einsatzzentrale der DLRG in Bad Nenndorf für alle Küstenbereiche organisiert – zuvor waren dafür die einzelnen Landesverbände zuständig. Die Rettungsschwimmer erhalten die Fahrtkosten, eine Unterkunft sowie Verpflegung und Taschengeld. Die DLRG wiederum wird für ihre Dienstleistung von den Gemeinden beauftragt und bezahlt.

So haben in diesem Sommer aus der Gomadinger Ortsgruppe sechs Rettungsschwimmerinnen insgesamt 19 Einsatzwochen an der Nord- und Ostsee geleistet, erläutert Beisitzer Wolfgang Wagler. Zum Wasserrettungsdienst können sich Interessierte ab 16 Jahren melden unter der Voraussetzung, dass sie das Rettungsschwimmabzeichen in der Stufe Silber haben. Dieses darf nicht älter als zwei Jahre sein. In der Hauptsaison liegt die Mindesteinsatzzeit bei zwei Wochen an einem Ort, in der Vor- und Nachsaison ist auch eine Woche möglich. „Bei der Ausbildung unterscheidet die DLRG zwischen dem ‚Schwimmer’ und dem ‚Rettungsschwimmer’, die beide in ihrem Bereich die Ausbildung durchführen und die Prüfungen abnehmen dürfen“, erläutert Wagler weiter. Inhaltlich entspricht dies den Anforderungen bei der Wasserwacht oder der ASB.

Für die 19-jährige Anja Dangel war es in diesem Jahr bereits der dritte Einsatz. Dabei hat sie zwei Wochen in Wyk auf Föhr gearbeitet, zwei weitere Wochen in Grömitz südlich von Fehmarn und eine Woche am Schöneberger Strand. „Die Arbeit im Team mit den anderen gefällt mir gut und man lernt rasch neue Leute kennen“, berichtet sie gemeinsam mit Janina Griesinger und Samira Benz im Gespräch mit unserer Zeitung. Je nach Länge des Strands gibt es unterschiedlich viele Wachtürme, die mit jeweils zwei bis drei Leuten besetzt werden müssen. Die Koordination erfolgt durch die Hauptwache, die in großen Ferienregionen an der Küste wie zum Beispiel Grömitz auch schon mal mit 40 bis 50 Leuten besetzt ist. Der Einsatz beginnt um 9 Uhr und endet um 18 Uhr – sieben mal pro Woche. Bevor sich die Retterteams auf den Weg zu ihrem Turm machen, steht eine kurze Lagebesprechung auf dem Plan. Jeden Tag wechselt die Zusammensetzung der Teams und deren Einsatzort, erzählt Janina Griesinger.

„Der Dienst ist anstrengend, schließlich muss immer mindestens einer der Rettungsschwimmer die Wasserfläche im Auge behalten“, betont Samira Benz. Doch gefragt sind die DLRG-ler nicht nur als Retter auf dem Wasser, sondern auch bei Hunde- oder Quallenbissen, kleinen Verletzungen oder sie helfen Kindern, die ihre Eltern suchen. Eigens dafür werden auf Nachfrage hin „Kindersuchbänder“ verteilt. Darauf wird der Name der Eltern und eine Handynummer notiert, so dass im Bedarfsfall rasch geholfen werden kann. „Im Grunde kommen die Touristen mit allen möglichen Anliegen zu uns“, so die Erfahrung von Griesinger.

Um für den Ernstfall gewappnet zu sein, gehört auch die Teilnahme an Übungen zum Küstenwachdienst dazu. Für einen Einsatz stehen den Rettern als Hilfsmittel entweder ein drei Meter langes Brett, Rettungsgurte oder Rettungsbojen zur Verfügung – jeder muss für sich selbst entscheiden, womit er am besten zurecht kommt. Gerade der Umgang mit dem Brett ist nicht ganz einfach, bestätigen die drei 16, 17 und 19 Jahre jungen Rettungsschwimmerinnen. Im Notfall schwimmt einer der Wachgänger zu dem Verunglückten, gleichzeitig wird die Hauptwache verständigt, damit ein Boot geschickt werden kann, zudem werden Sanitäter und gegebenenfalls Verstärkung von benachbarten Türmen angefordert, erläutert Anja Dangel.

Neben dem eigentlichen Rettungsdienst gehört auch die sogenannte Backschaft dazu. Die Seeleute verstehen darunter die gemeinschaftliche Verpflegung der Schiffsbesatzung. Bei den Einsätzen wurde ebenfalls meist gemeinsam gegessen und so kümmerte sich ein Teil des Teams um den Einkauf, die Küche und Reinigungsaufgaben. Als Wohnung stand entweder die Hauptwache direkt zur Verfügung oder es gibt gemeinschaftliche Unterkünfte.

Für alle drei ist klar, dass sie nächsten Sommer wieder an der Küste Dienst tun wollen. „Der Einsatz hat soviel Spaß gemacht“, zieht Samira Benz als Fazit.

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