Hengstparade in Marbach: Rasant, elegant und pferdestark

Toll, die Hengstparade 2013 hat es in sich. Rasant und abwechslungsreich ist die Pferdeshow für Jung und Alt. Die viereinhalbstündige Premiere mit 20 Schaubildern erlebten gestern rund 9000 Zuschauer.

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Der Wettergott muss ein Pferdefreund sein. Herrschten zu Beginn der Hengstparade noch Temperaturen im einstelligen Bereich, ließ er nach der Pause die Sonne scheinen und das Thermometer auf 15 Grad klettern. "Beinahe hätte es geschneit", lachte Moderator Jan Tönjes, der für seine flotten Sprüche bekannt ist. Kaum hatte er es gesagt, flitzten zwei Skifahrer durch den Sand, gezogen von "Silverius" und "Ulysee des Pres Braun". Ein toller Auftritt der Auszubildenden. Die dreistöckige Pyramide, die sie auf "Exkurs", "Ferragosto" und "Pluto King" präsentieren wollten, scheiterte an der Nervosität der Tiere. Bei der Hauptprobe vergangenen Mittwoch hat alles noch wie am Schnürchen geklappt. "Ein Grund, kommenden Donnerstag oder am Sonntag noch einmal zu kommen. Dann gelingt es ganz bestimmt", versprach der Conférencier. Ungewohnte Klänge gab es gleich zu Anfang der viereinhalbstündigen Show zu hören. Die Dudelsack-Kapelle aus Ledce verwöhnte die rund 9000 Zuschauer mit temperamentvollen Polkas und Walzern aus Tschechien - diesmal Gastland. Aus Deutschland, genauer sagt aus St. Johann, übernahm der Musikverein Upfingen die musikalische Unterhaltung mit fetziger Blasmusik.

"Eine spektakuläre Vorstellung" versprach Landwirtschaftsminister Alexander Bonde, der mit seiner vierjährigen Tochter Elise im Landauer zusammen mit der Gestütschefin Astrid von Velsen-Zerweck in die Arena gefahren kam. In der nächsten Kutsche saß sein Parteifreund, Verkehrsminister Winfried Hermann, an dessen Seite seine zwölfjährige Tochter Lena, der Gomadinger Schultes Klemens Betz und die Württembergische Lammkönigin Nicole Herb.

Die staunten nicht schlecht, als wenig später Jagdfalken über ihre Köpfe flogen. Zusammen mit Araberhengsten, Wüstenreitern und Persischen Windhunden, den Salukis, erinnerten die Greifvögel daran, dass vor fast 200 Jahren König Wilhelm I. von Württemberg die besten Wüstenpferde von der arabischen Halbinsel in sein Gestüt in Scharnhausen-Weil importieren ließ.

Fast 500 Jahre hat inzwischen das Haupt- und Landgestüt auf dem Buckel. Nächstes Jahr wird das älteste deutsche Staatsgestüt ein halbes Jahrtausend alt. Deshalb präsentierte gestern Nachmittag das historische Quartett Persönlichkeiten aus der Zeit des Herzogs Ulrich von Württemberg (16. Jahrhundert), aus dem Dreißigjährigen Krieg (17. Jahrhundert), aus der Zeit des Herzogs Carl Eugen von Württemberg (18. Jahrhundert) und aus der Zeit der Regentschaft König Wilhelm I. von Württemberg (19. Jahrhundert). Ein wirklich tolles Schaubild. Zu dieser Zeit gab es bereits die herrschaftliche Jagd zu Pferde, damals noch ein Vorrecht des Adels. Auch die in Böhmen ansässigen Grafen Kinksy unterhielten ihre Gesellschaften mit Vorliebe hinter der Meute in Feld und Flur. Wie das vonstatten ging, sahen die Zuschauer im vierten Schaubild unter dem Motto "Der Sport in Rot, das Jagdreiten". Rasant wurde es wenig später bei "Jump and Drive" weiter, als drei Teams, Springreiter und Kutschfahrer, den kurvenreichen Parcours meisterten. Sieger in 1,34 Minuten wurden Radek Nesvacil und Daniel Bejr mit Altkladruber Rappen aus dem Nationalgestüt Kladruby nad Labem.

Ruhig und gemächlich ging es in indes bei dem Schaubild zu, in dem das Pferd als Therapiepartner für die Heilung und Förderung der geistigen, sozialen und körperlichen Entwicklung des Menschen vorgestellt wurde. Das Therapeutische Reiten wird zur Verbesserung und Linderung psychosozialer Probleme und Störungen sowie bei der Behandlung körperlicher Behinderungen eingesetzt. Das Märchen vom traurigen König, bei dem 60 Kinder und Erwachsene mitmachten, vermittelte den Zuschauern den positiven Einfluss des Pferdes in der Therapie.

Mit der traditionellen Hengstquadrille, bei der sich die Marbacher Landbeschäler unter ihren Reitern in Galauniform in voller Pracht präsentierten, endete die viereinhalbstündige Hengstparade. Zuvor erlebten die Zuschauer noch die "Silberne Herde" Marbachs. Das war Gänsehautfeeling pur.

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