Gesundheitszentrum wird neu gebaut

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Wie geht es mit dem Gesundheitszentrum Hohenstein weiter? Dieses Thema bewegt die Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde, die am Mittwochabend in Scharen ins Bernlocher Dorfgemeinschaftshaus pilgerten, das bis auf den letzten Platz gefüllt war, als Bürgermeister Jochen Zeller zur Begrüßung ansetzte. Ausgangspunkt all dessen, was in der jüngeren Vergangenheit geschehen ist, sei die Überlegung gewesen, wie die hausärztliche Versorgung in Hohenstein sichergestellt werden könne.

Man habe das Heft des Handelns in die Hand genommen, die Chance ergriffen, ein Gesundheitszentrum zu bauen im Bernlocher Baugebiet Molkeweg. Das habe man allein nicht stemmen können, sei auf die Hilfe des Landkreises angewiesen gewesen, so Zeller. Zeitgleich habe man sich am PORT-Wettbewerb der Robert Bosch-Stiftung beteiligt, habe als eine von fünf Kommunen unter 60 Bewerbern den Zuschlag und damit auf drei Jahre verteilt 500 000 Euro erhalten: „Damit können wir das Gesundheitszentrum entwickeln und voranbringen“, betonte der Bürgermeister.

Handlungsbedarf besteht durchaus, schließlich hat Dr. Roland Rauscher seinen Rückzug aus dem Projekt vollzogen, an dem er sich aber laut Zeller weiter kooperativ einbringen möchte. Fakt sei, dass man sich deshalb über einen neuen Standort unterhalten müsse. Vorgesehen sei ein gemeindeeigenes Grundstück im Finkenweg an der B 312 mit 60 Ar Größe, was barrierefreies Bauen ermögliche. Einziehen wird der Allgemeinmediziner Dr. Johannes Müller, der zum 1. Juli die Praxis von Dr. Wolfgang Gottwik übernehmen wird: „Ich versuche, sein Erbe weiterzuführen“, versprach der junge Mediziner.

Teil des GZ soll ein neuer Pflegestützpunkt des Landkreises werden, für den sich Hohenstein beworben hat. Es soll hier Wohnberatung geben, möglicherweise Nachbarschaftshilfe durch die Sozialstation St. Martin angeboten werden. Es werden Gespräche mit der BrunderhausDiakonie geführt, so Zeller, die Kooperation mit den Kreiskliniken soll ausgebaut werden. „Wir wollen neue Strukturen im Gesundheitssystem entwickeln und dafür die Bosch-Fördergelder einsetzen“, bekräftigte der Bürgermeister. Er trat noch Gerüchten entgegen, wonach Rauscher gekündigt worden sei: „Wir hoffen, dass er den Mietvertrag noch lange erfüllen wird“.

Landrat Thomas Reumann nannte die medizinische Versorgung eine kommunale Herausforderung, schließlich finde jeder zweite niedergelassene Hausarzt keinen Nachfolger. Die Antwort müsse in dezentraler regionaler Gesundheitsversorgung  liegen. Gefragt sei nicht mehr Kästchendenken, sondern es müssten innovative vernetzte Kooperationsmodelle entwickelt werden. Das Gesundheitszentrum stehe für Gesundheitsvorsorge aus einer Hand, Stichworte seien multiprofessionelle Zusammenarbeit, aber auch eHelath. Reumanns Credo: „Der Patient steht nicht im Weg, sondern im Mittelpunkt“.

Zu Wort kamen die Akteure im GZ, Daniela Sass beispielsweise, die die Synergieeffekte lobte. Logopädin Katharina Raabe ist froh über den möglichen Austausch, kündigte aber an, in ihren jetzigen Räumen zu bleiben. Johannes Müller zeigte sich überzeugt, dass durch das GZ mehr Zeit für die Patienten bliebe, weil weite Wege und lange Wartezeiten vermieden werden könnten: „Wir bringen den Arzt zum Patienten“.

„Arzt zum Patienten bringen“

Wie das neue GZ baulich aussehen kann, verdeutlichte Johannes Schwörer, Chef von SchwörerHaus. Module sollen zu einem Ganzen werden ähnlich der von SchwörerHaus neu gebauten Tagesklinik in Bad Säckingen. Gebaut werden soll das GZ von der Schwörer-Stiftung, die es in Erbpacht zur Verfügung stellen will, beantwortete Schwörer eine Frage aus der Bürgerschaft. Das Grundstück wird von der Gemeinde ins Projekt eingebracht, fügte Jochen Zeller an.

Thomas Reumann forderte Reaktionen der Zuhörer zu den Plänen ein, die von einer Ausnahme abgesehen allesamt positiv waren: „Das macht Sinn“, „Es gibt keine Alternative dazu“, „So etwas ist schon lange überfällig“. Das Fazit des Landrats: „Das Gesundheitszentrum soll für die Alb Modell sein. Auch andere Gemeinden wollen so etwas realiseren. Jetzt müssen wir aber erst einmal Erfahrungen sammeln. Letztlich hängt alles davon ab, dass Sie, die Bürgerinnen und Bürger Hohensteins, dahinter stehen“.

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