Gert Koch stellt Holzschnitte und Holzobjekte in der Martinskirche Dapfen aus

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Gert Koch stellt in der Martinskirche Dapfen Holzschnitte und Holzobjekte aus. Foto: Maria Bloching  Foto: 

Es ist das Schicksal der Menschen von früher und heute, das dem Künstler Gert Koch die Vorlage für seine eindrucksvollen Arbeiten liefert. Und es ist die Natur rund um die kapverdischen Inseln, die ihn inspiriert. Gut ein Viertel des Jahres hält sich Gert Koch am Meer auf, hier sind schon viele Entwürfe für seine Holzschnitte entstanden.

Neue Eindrücke führen zu neuen Ideen – wie etwa einsam gelegene Täler mit Blick auf die Weite des Meeres: „Da kann ich meine Gedanken schweifen lassen und mir reale Situationen vor Augen führen“. So wie der transatlantische Sklavenhandel, der auf den Kapverden einst betrieben wurde und dem Koch eine ganze Serie gewidmet hat. Ein Boot mit Sklaven auf Bibelseiten gedruckt, denn auch die Kirche war am Menschenhandel beteiligt, hat vielleicht bestenfalls weggeschaut. „Ich habe mich intensiv mit diesem Thema beschäftigt und bin sogar direkt damit durch einen über hundertjährigen Nachbarn auf den Kapverden in Berührung gekommen“.

Immer wieder sind Boote als Symbol für die Überfahrt von einem Zustand in den anderen zu sehen, selbst unter dem schwebenden Jesus sitzen zwei Menschen nackt und mittellos im Boot und „Warten auf Freiheit“, wie der Titel des Bildes trefflich beschreibt.

Auch ein klassisches Kreuzungsmotiv findet sich in einem seiner Altarbilder, links und rechts des gekreuzigten Christus hängen zwei Menschen kopfüber: „Stellvertretend für all jene, die auch in der Sklavenzeit erhängt wurden“.

Mit seinen „Meerbildern“ hat Gert Koch nun eine auf diesem Sklaventhema aufbauende Serie geschaffen. Vier Bilder daraus sind auch in Dapfen zu sehen. Alle drücken eine ganz eigene Stimmung aus, trotz des ähnlichen oder sogar gleichen Motives. Wie in der Natur kommt der Stimmungswechsel am Meer ganz plötzlich – durch Sonneneinstrahlung oder Wind färben sich Wasser und Himmel anders. Der Mensch ist in dieser Serie nicht mehr vorhanden, Koch hat sich ihm „entledigt“. Das einzige Relikt, das an ein menschliches Dasein erinnert, ist der Bootskörper, durch den ein Riss geht und der nach Auflösung strebt. In diesen Arbeiten kommt die enorme Verbundenheit des Künstlers mit der Natur am Meer zum Ausdruck – durch leuchtende Farben, aber auch durch den nebligen Überzug, der plötzlich über dem Geschehen liegt oder die Seele trübt.

In der Serie „Drucksache Mensch“ geht Koch auf die vielfältigen Arten ein, die dem Menschen Druck bereiten und die von Menschengruppen, Kirchen und Religionen, Werbung und Konsumdenken oder Politik ausgelöst werden können.

Das Pfarrehepaar Kühnle hat die Ausstellung gemeinsam mit Gert Koch konzipiert und so durfte auch jene Bilderserie nicht fehlen, die mit ihrem umspannenden Bogen die Welt zusammenhält. Ein Bogen, der das Schwere und die Trennung der fünf Bilder aufhebt und die einzelnen Stationen zu einer Einheit verbindet. Fünf Drucke, hergestellt aus dem Holz einer uralten Linde, die einst von Graf Eberhard im Barte auf dem Hofgut Einsiedel gepflanzt wurde und nun immer wieder bei den Arbeiten von Koch zum Einsatz kommt. So auch für seine Holzobjekte, die ebenfalls das Sklaventhema aufgreifen und es durch die Darstellung von Booten in Holz und Metall in die heutige ausbeuterische Zeit übertragen. Das verwendeten Materialien besitzen ihre ganz eigene Geschichte und sind mit Spuren aus der Vergangenheit versehen. Koch hat das Metall für die Segel aus einem alten Eselkarren aus Frankreich oder von alten Maschinenteilen gewonnen, es geschweißt oder geschmiedet und so in Form gebracht. Seine Arbeiten reduziert der Künstler auf das Wesentliche, er will damit Menschen zum Nachdenken anregen und an die menschlichen Werte und den Respekt vor der Würde des Menschen appellieren.

Um 9.45 Uhr beginnt der Gottesdienst am 3. Advent, musikalisch umrahmt wird die Ausstellungseröffnung von Rebecca Hummel und Nico Münzing, mit Gesang und Orgel.

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