Frühe Hilfe erhöht den Erfolg

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Treten Probleme beim Schreiben oder Rechnen auf, sollten Eltern nicht zu lange warten: Susanne Burkhardt, Integrative Lerntherapeutin aus Mehrstetten, bietet den Betroffenen die Möglichkeit einer kostenlosen Erstberatung.  Foto: 

Schreiben und Rechnen gehören zu den grundlegenden Fertigkeiten, die Kinder oftmals schon vor der Einschulung anfangen spielerisch zu erlernen. Zwischen vier und zehn Prozent der Kinder haben damit allerdings gravierende Probleme, weil ihr Gehirn als Folge einer oftmals genetisch bedingten Störung es nicht schafft, gesprochene Sprache in Schrift sowie umgekehrt Gelesenes in Sprache umzusetzen. Dies wird unter dem Begriff Legasthenie zusammengefasst. Auch beim Rechnen können solche Störungen auftreten, die „Dyskalkulie“. Die betroffenen Kinder leiden unter ihrer vermeintlichen „Unfähigkeit“, die obendrein oftmals erst sehr spät als Störung diagnostiziert wird. Manche verlassen gar die Schule als Analphabeten.

Der Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie (BVL) will am heutigen Samstag das Problem ins öffentliche Bewusstsein rufen und wirbt dafür, den betroffenen Kindern bessere Bildungschancen einzuräumen, anstatt die Aufmerksamkeit allein auf ihre unverschuldeten Schwächen zu richten.

Das ist auch das Ziel der Mehrstetterin Susanne Burkhardt, mit der wir über Möglichkeiten einer effektiven Unterstützung und Förderung der Kinder gesprochen haben. Die Ergotherapeutin hat sich zur Integrativen Lerntherapeutin weitergebildet und vor vier Jahren in Mehrstetten eine eigene Praxis eröffnet. Ein wichtiger Ansatzpunkt für die Unterstützung der betroffenen Kinder ist ihrer Ansicht nach die Schule. „Dort fehlt es jedoch an einer ausreichenden, der Begabung der Kinder entsprechenden Förderung“, so Burkhardt. Das freilich liegt nicht an den Lehrern sondern an der im Regelfall erforderlichen direkten Zuwendung. Im Klassenverband stoßen die Lehrer damit jedoch rasch an ihre Grenzen. Diese Erfahrung hat Burkhardt während ihrer dreijährigen Arbeit als Lerntherapeutin an der Gemeinschaftsschule in Bad Urach gemacht. Dort konnte sie mit der finanziellen Unterstützung einer Stiftung sieben Kinder in ihrem schulischen Alltag unterstützen. Das geschah parallel zum Unterricht. Denn Kinder mit einer Lese- und Rechtschreibschwäche benötigen zumeist einfach mehr Zeit, um Texte erfassen oder schreiben zu können. „Im Klassenverband ist das nicht möglich“. Dabei hat sie nicht nur eng mit den Lehrern zusammengearbeitet und diesen im Bedarfsfall die Symptome erläutert, die sich bei betroffenen Kindern zeigen, sondern auch Eltern aufgeklärt und sie in die therapeutische Arbeit einbezogen. Den Kindern hat sie Hausaufgaben mit auf den Weg gegeben, um das Thema in den Familienalltag zu integrieren. Im Gegenzug haben die Eltern eine geringfügige monatliche Pauschale entrichtet.

Die Schule ist für Burkhardt der ideale Ort, um Probleme beim Schreiben, Lesen oder Rechnen zu erkennen und darauf zu reagieren. „Die Lehrer haben die entsprechende Qualifikation und eine Therapie kann ebenfalls mit ihnen abgestimmt werden“. Eine festangestellte Lerntherapeutin könnte dies unterstützen.

Wichtig ist es laut Burkhardt, frühzeitig therapeutisch zu helfen. Doch die Praxis sieht zumeist anders aus. „Das wird schon noch“ oder „der kriegt das hin“ – solche Sätze kennt sie allzu gut. Meist muss das Kind erst richtig schlechte Noten mit nach Hause bringen, bevor etwas unternommen wird. „Das Kind hat dann schon viele Misserfolge erlebt und wird dadurch nicht selten für das spätere Leben geprägt“, gibt Burkhardt zu bedenken.

Ein späterer Einstieg in die therapeutische Unterstützung hat den weiteren gravierenden Nachteil, dass dann zum Beispiel beim Umgang mit Zahlen im einstelligen Bereich begonnen wird, während ein Viertklässler im Schulunterricht ganz anderen Anforderungen gegenüber steht. Die Unterstützung sollte also früh einsetzen. „Die Kinder kommen so auf einen besseren Weg“, schildert Burkhardt ihre Erfahrungen. Natürlich dürfen sie nicht „aussortiert“ werden. Ganz wichtig sei es, dem Kind auch seine Stärken zu vermitteln und nicht nur Schwächen im Blick zu haben.

Eine Lerntherapie ist der einfachste Weg für Eltern, ihr Kind professionell zu unterstützen. Da  die Krankenkassen die Kosten nicht übernehmen, müssen die Eltern dies selbst bezahlen. Wer dies nicht kann, dem bleibt nur der Weg über die Eingliederungshilfe. Im Vorfeld sind jedoch genaue Untersuchungen durch eine Psychologen oder Arzt erforderlich. „Bis zu diesem Schritt ist mit dem Kind schon viel passiert“, so Burkhardt. In jedem Fall bietet sie Eltern, die sich unsicher sind, die Möglichkeit einer kostenlosen Erstberatung.

„Nachteilsausgleich“

Eine Möglichkeit zur Unterstützung im schulischen Alltag ist der „Nachteilsausgleich“. Die Leistungsanforderungen bleiben zwar gleich, doch die Rahmenbedingungen werden dem Kind angepasst: So erhält es zum Beispiel mehr Zeit bei einer Klassenarbeit, darf in einem extra Raum schreiben oder seine mündlichen Beiträge werden höher bewertet. Die Eltern müssen dies beantragen. Die Entscheidung liegt bei der Lehrerkonferenz. „Erfahrungsgemäß wird das zu selten genutzt“, bedauert Burkhardt.

Info Nähere Informationen im Internet unter www.bvl-legasthenie.de sowie bei Susanne Burkhardt unter www.lerntherapie-alb.de, Telefon (07381)6787 oder (0163)310 66 66.

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