Es soll Frieden herrschen mit Hayingen

|
Bürgermeister Matthias Henne wollte seine Macht nicht abgeben und entführte Burggraf Benedikt.  Foto: 

Nun ist die Zwiefalter Hausfasnet mit ihren zahlreichen Veranstaltungen offiziell eröffnet. „Es tut gut, sich freizumachen und loszulassen in einer Zeit, in der man das Gefühl hat, die Welt gerate aus den Fugen“, machte Zunftmeister Jochen Fundel deutlich und führte durch das überaus launige und sehenswerte Programm. Das Burggrafenpaar Benedikt I. (Benedikt Ott) und seine Lieblichkeit Vera (Vera Bendel) stellten sich dem närrischen Publikum in der schön geschmückten Rentalhalle vor.

Sehr schnell nahmen sie gleich alle Herzen für sich ein, stammen sie doch beide aus der Zwiefalter Jugend und haben zahlreiche Vereine hinter sich. Sie betonten ebenso wie Fundel, dass man in diesem Jahr keine närrische Konfrontation mit der Hayinger Zunft suche und den Frieden wahren wolle. Das kam bei der großen grünen Abordnung vom benachbarten Luftkurort gut an und wurde mit viel Beifall auch von den Zunftballbesuchern belohnt.

Endlich regiert mal wieder ein Baacher das Rälleland – ein „Kopftochschlosser“ und „Blockflötenstar“, ein Fanfarenzugmitglied, Trompeter und Feuerwehrmann. Ihm zur Seite Gräfin Vera aus Sonderbuch, eine Schülerin, die sich eine lustige Anspielung auf Hayingen dann aber doch nicht ganz verkneifen konnte: „Wenn no älle so wia mei Hoigner Mama wäret, no hättet mir nia an denne Hoigner nauf bläret“. Das Paar stellte seine Leibgarde samt Hofstaat zusammen und gab seine Regierungserklärung ab. Damit nahm das närrische Treiben seinen Lauf.

Anknüpfend an seinen letztjährigen Erfolg als singende Seeleute gab der blau-weiße Chor des Zunftrates ein Seemannslied zum Besten, bevor die „Dancing-Queens“  tänzerischen Rückblick auf die vergangenen Jahrzehnte bot. In ansprechenden Kostümen legten sie einen Charlston und einen Twist im Petticoat aufs Parkett, sie liefen als Abba auf und steppten als flippige Girls der 1990-er Jahre. Doch damit nicht genug: die zehn jungen Frauen waren an diesem Abend mit einer weiteren sehenswerten Choreografie als tanzende Flugbegleiterinnen zu sehen. Für tosenden Beifall und Begeisterungsrufe sorgte die grandiose Tanz- und Akrobatikdarbietung der „Rentalgeister“ unter der professionellen Leitung von Gitte Wax. Als Clowns wirbelten sie bunt, wild, dynamisch und impulsiv über die Bühne, sie tanzten HipHop und schlugen Räder. Seit 16 Jahren sorgen sie stets für einen der Höhepunkte beim Zunftball, so auch in diesem Jahr. „Wahnsinn“, resümierte Zunftmeister Jochen Fundel und das begeisterte Publikum drückte seinen Respekt mit riesigem Beifall aus.

Trump und Auskreisung

Nicht von der Bühne wegzudenken ist auch Herbert Ott als „Rälle-Büttel in der Bütt“, der sowohl die große Weltpolitik wie auch das Lokalgeschehen auf seine ganz eigene Weise deutete. Dabei kam er von Donald Trump über die grüne Landesregierung bis hin zur Auskreisung der Stadt Reutlingen in allen Bereichen herum, wobei er insbesondere in seiner Schilderung der kommunalen und persönlichen Verfehlungen und Missgeschicke von Zwiefalter Lokalpolitikern und Bürgern zur Höchstform auflief. Nach zwei Jahren im Bürgermeisteramt sei nun der Welpenschutz für Matthias Henne vorbei – wacker hätte er sich geschlagen, auch wenn er sich mit seiner Haltung für Windräder in Mörsingen nicht gerade beliebt gemacht hätte. Deshalb von Ott ein neues Patent - ein Windrad mit einer Henne obendrauf und einer simplen Funktion: „Sie passt in die Natur und zum Tautschbuch-Gockel, sie macht kein Geräusch, gibt keinen Schattenschlag und ist mit Johannes Traub-Gedächtnissensoren ausgestattet“. Ott zeigte sich angesichts der Diskussion im Gemeinderat über Katzensteuer froh, kein Rälle mehr zu sein: „Hier heißt es: kastrieren oder zahlen“. Ob neues Zwiefaltaer Bier, das Upflamörer Feuerwehrhaus oder die Sonderbucher Ortsdurchfahrt – der Büttel reimte sich um Kopf und Kragen.

Henne entführt den Burggrafen

Absoluter Höhepunkt des vierstündigen Programms war schließlich die Rälle-Comedy von „Das Niveau“ mit viel Witz und tollen Songs rund ums Zwiefalter Ortsgeschehen. Selbst Bürgermeister Henne hatte dabei einen Gastauftritt als Entführer des Burggrafen Benedikt, weil er als Schultes die Macht nicht abgeben wollte. Also musste der Suchtrupp „DOf“ (Der Ott fehlt) mit einem Schnellen, einem Starken und einem Gescheiten her.

Bei ihrer Suche begegneten sie allerlei Gestalten und mussten feststellen, dass „Bier, Fußball und Flaschen in  Zwiefalten eng beieinander liegen“. Der letzte Tabellenplatz mit null Punkten der TSG-Fußballer wurde ebenso aufs Tapet gebracht wie die Ausgrabungen in Upflamör, in deren Gruben auch der Kolpingball und das Schwimmbadfest zu finden sind. Sowohl der Kolping Fanfarenzug, die Musikkapelle Zwiefalten wie auch der „Sauhaufa“ sorgten musikalisch für beste Stimmung.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Themenschwerpunkt

Fasnet auf der Alb

Alles zur Fasnet auf der Alb und in der Region finden Sie hier.

mehr zum Thema

Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Bäderförderverein übergibt Scheck

Es ist ein fester Tagesordnungspunkt in der letzten  Sitzung im Jahr: Der  Münsinger Bäderförderverein übergibt dem Bürgermeister eine Spende. Diesmal 20 000 Euro. weiter lesen