Eine Jahrhunderttrockenheit

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Im November setzte sich das ruhige Spätherbstwetter fort. Nebelfelder hüllen die Landschaft ein.  Foto: 

Auch der September fiel auf: Seit 29 Jahren war es in diesem Monat nicht mehr so warm. Insgesamt folgte nach den zwei  bislang wärmsten Jahren  weitere zwölf Monate mit einem Wärmeplus.

Die Temperaturen lagen fast durchweg über dem bisherigen Durchschnitt, nur der Oktober hatte ein Wärmedefizit. Das bedeutet: 2016 kommt auf Platz 4 in Sachen Temperatur. Wärmer war es nur 2014, 2015 und 1994.

Roland Hummel, der eine Wetterstation in Engstingen betreibt, zieht Bilanz. Nach seinen Aufzeichnungen war es nicht so sonnig wie im Vorjahr, mit 1698 Stunden  wurden dennoch fünf Prozent mehr als normal registriert. Dagegen blieben die Niederschläge durch eine ziemlich trockene zweite Jahreshälfte mit nur 843 Millimeter (89 Prozent) unterdurchschnittlich. Sowohl die Saison 15/16, als auch die vergangenen kalten Monate brachten nicht den üblichen Winter. Die Schneemengen blieben deutlich unter den langjährigen Werten.

Statt Hochwinter startete das Jahr 2016 mit einem ziemlich milden Januar. Viel Wind und Nässe brachten die insgesamt 16 Tiefs von der atlantischen Wetterküche. Auch etwas Winter gab es, aber nur eine Woche lang vom 15. bis 23. In dieser Zeit lagen zirka  15 bis 20 Zentimeter Schnee. In den Nächten traten Starkfröste bis minus 15 Grad  am 18. auf. Schon richtig frühlingshaft war die letzte Januarwoche mit Nachmittags-Temperaturen bis zu 14 Grad am 26. Auch im Spätwintermonat Februar vertrieb die unruhige milde atlantische Wetterküche mehrfach die dünnen Schneedeckenansätze. Im zweitwärmsten Winter seit den Wetteraufzeichnungen blieben entsprechende Sportaktivitäten auf der Mittleren Alb daher fast vollständig aus.

Der Frühlingsauftakt verlief im März eher kühl mit einigen Schneetagen. Ab der Monatsmitte wurden dann aber nachmittags zweistellige Plusgrade notiert. Gegen Monatsende nahm der Tiefdruckeinfluss wieder zu, bei milden Temperaturen fiel Regen. Am Monatsletzten wurde mit einer Höchsttemperatur die 20- Grad-Marke nur knapp verfehlt.

Wie der März, so hatte auch der April nur ein kleines Wärmeplus. Im typisch „wetterwendischem Frühlingsmonat“, so Roland Hummel, gab es Regen, Graupel, Schnee, Gewitter und sogar örtlich kleine Hagelkörner am 12. Am 28. lag letztmals eine geschlossene Schneedecke. Bald darauf waren auch die letzten Schneereste in den Waldgebieten verschwunden. Zuvor begann bereits am 19. (zirka acht Tage früher als normal) die flächendeckende Blüte des Löwenzahns.

Die  Eisheiligen haben sich im Wonnemonat Mai nicht blicken lassen, stattdessen gab es besonders gegen Monatsende hin subtropische Eigenschaften. Das tagelang sich drehende Tief „Elvira“ brachte zum Teil Starkregenfälle. Am 29. Mai fielen verbreitet 45 bis 50 Millimeter. Es war zu dieser Zeit schon frühsommerlich warm – mit Nachmittagswerten über 20 Grad. Am 22. wurde mit 25 bis 26 Grad der erste Sommertag des Jahres notiert.

Geprägt vom Frühsommermonsun war der Juni. Durch 14 Tiefs gab es insgesamt 25 Regentage. Kein stabiles Sommerhoch war vorhanden, dennoch schaffte eine kleine Hitzewelle in der Zeit vom 22. bis 24. die 30-Grad-Marke. Der Juli war recht warm, ein stabiles Sommerhoch war aber auch hier nicht anzutreffen. Abgesehen von einem kleinen Sommerloch zur Monatsmitte, waren aber etliche sonnige Tage mit Temperaturen von 25 bis 30 Grad vorhanden. Das schöne Bade- und Freizeitwetter wurde jedoch mehrfach durch Regenschauer und Gewitter unterbrochen. Deutlich weniger Gewitteraktivitäten gab es im Spätsommer, der entsprechend ziemlich trocken war.

Ab dem 13. August trat dann richtiges Sommerwetter auf. Für dessen Höhepunkt mit einer richtigen Hitzewelle war das Hoch „Gerd“ verantwortlich. In der heißesten Woche des Jahres stiegen die Temperaturen vom 26.bis 28. August auf 30 bis 31Grad an.

Altweibersommer pur, so hieß es dann auch noch im ersten Herbstmonat September. Bis zur Monatsmitte herrschte sonniges und warmes Badewetter bei 23 bis 29 Grad. Auch bis zum Monatsende hin war es mit 18 bis 23 Grad noch angenehm warm. Schließlich wurde es der wärmste September seit 29 Jahren und mit nur 25 bis 35 Millimeter Niederschlag auch einer der trockensten.

Kontrastprogramm dann im Oktober: viel zu kühl und zu trüb war es um das Prädikat „Goldener Oktober“ sich zu verdienen. Es fiel zwar kein Schnee, die zeitweiligen Regenfälle fanden aber meist bei Temperaturen von nur 4 bis 7 Grad statt. Erst in der letzten Oktoberwoche gab es durch das Hoch „Quinn“ wenigstens noch einen kleinen Hauch vom Goldenen Oktober. Durch die sich zum Teil nur zäh auflösenden Nebelfelder verschaffte sich die Spätherbstsonne doch noch einige Lichtblicke. Dennoch war der Oktober der einzige Monat des Jahres mit einem Wärmedefizit.

Auch im November war es mehr grau als blau. Die ersten Tage waren noch ziemlich mild, vom 7. bis 13. erfolgte dann ein erstes frühwinterliches Intermezzo. Die dünne Schneedecke war zur Monatsmitte bereits wieder verschwunden, die Temperaturen stiegen nachmittags erneut über die 10-Grad-Marke an. In der letzten Novemberdekade fand ein ruhiges Spätherbstwetter seine Fortsetzung. Zunächst dominierten Nebel und Hochnebel, dann folgten sonnige trockenkalte Tage.

Der letzte Jahresmonat Dezember war mild und sonnig und hatte nur wenige winterliche Eigenschaften. Nur am 2. gab es kurzzeitig eine ganz dünne Neuschneedecke, ansonsten blieb es wie im Vorjahr schneelos mit „Grünen Weihnachten“. Herausragend war jedoch die Rekordtrockenheit mit nur 6 bis 9 Millimeter Niederschlag. Zusammen mit dem Dezember 1963 war es der trockenste Dezember auf der Mittleren Alb seit mehr als hundert Jahren. Der Jahreswechsel vollzog sich bei sternenklarem Himmel und minus sieben Grad.

Weitere Daten und Informationen gibt es unter www.wetterring.de oder über die Facebookseite von Roland Hummel unter   Wetterring 2000+.

Prozent lagen die Sonnenstunden über den Durchschnittswerten. Insgesamt wurden 1698 im vergangenen Jahr gezählt. Richtiges Sommerwetter gab es erst ab 13. August.

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