Eine Ergänzung des bestehenden ÖPNV

In Trochtelfingen wird über die Einrichtung eines Bürgerbusses nachgedacht. Am Donnerstag wurden interessierte Bürger - knapp 50 waren der Einladung gefolgt - in der Mägerkinger Festhalle darüber informiert.

|
In der Mägerkinger Festhalle wurden knapp 50 Interessierte über all das informiert, was es zum Thema Bürgerbus zu wissen gibt.  Foto: 

Die Gemeinderatsfraktion "Sozial und bürgernah/SPD" hatte das Thema "Bürgerbus" aufs Tapet gebracht, wie Bürgermeister Christoph Niesler am Donnerstagabend in der Mägerkinger Festhalle erklärte. In Trochtelfingen wie im ganzen Land würden die Menschen älter werden, steige der Anzahl älterer Menschen, die nicht mehr Autofahren können. Es sei jetzt wichtig, den tatsächlichen Bedarf für einen Bürgerbus vor Ort zu eruieren, so Niesler.

Mit Dr. Martin Schiefelbusch von der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg hatte er einen sachkundigen Referenten eingeladen. Er beleuchtete zunächst die Herausforderungen ländlicher Mobilität. Fakt sei, dass es nur auf wenigen Strecken im ländlichen Raum ein gutes ÖPNV-Angebot gebe. Öffentlicher Nahverkehr sei auf dem Land nicht wirtschaftlich. Schwierig sei es Neubaugebiete und Gewerbestandorte zu bedienen. Für ältere Menschen seien die Wege zu Haltestellen oft zu weit, das Besteigen der Busse schwierig. All das führe dazu, dass der Verkehr auf dem Land Pkw-orientiert sei. Hier sei die Motorisierung deutlich höher als in den Städten.

Schiefelbusch beleuchtete die konkrete Situation in Trochtelfingen, wo es einen Bahnanschluss im Freizeitverkehr gebe, ein "ordentliches Angebot" der Buslinie 400 auf der Nord-Süd-Achse. Zwischen den Stadtteilen bestehen kaum Verbindungen und vor allem die äußeren Stadtteile Steinhilben, Wilsingen und Hausen seien schlecht angebunden. Was nun aber ist der Bürgerbus, fragte Schiefelbusch - und gab darauf auch gleich selbst die Antwort.

Das Bürgerbus-Leitmotto laute "Bürger fahren für Bürger". Es gehe also um ehrenamtliches Engagement im Bereich des ÖPNV. Wichtig sei, dass die Fahrzeuge, ob Kleinbusse oder Großraum-Pkw, mit normalem Pkw-Führerschein zu fahren seien. Zielgruppe seien vor allem ältere Menschen, die einkaufen wollten oder andere Dinge erledigen.

Erste Bücherbusse wurden in Deutschland 1985 eingerichtet, inzwischen fahren 270 Bürgerbusse, davon 35 in Baden-Württemberg, wobei es zahlreiche Varianten des Grundprinzips gebe. Fünf Typen stellte Schiefelbusch zur Orientierung vor. Zuerst den eigentlichen Bürgerbus, einen Kleinbus mit acht Fahrgastplätzen, der im Linienverkehr und mit festen Tarifen unterwegs sei. Hier müsse enge Abstimmung mit dem sonstigen ÖPNV erfolgen. Barrierefreiheit wäre wünschenswert.

Beim Bürger(ruf)Auto sei eine Telefonzentrale nötig. Haltestellen können direkt an der Haustür des Fahrgastes sein. Es handle sich um öffentlichen Verkehr für alle Bevölkerungsgruppen, aber nicht um Taxis. Beim Bürgerfahrdienst sei Vorbestellung nötig. Es handle sich um Sammelfahrten von Tür zu Tür. Angesprochen seien vor allem Senioren, die etwa zum Einkauf gefahren würden. Der Umfang des Angebots sei begrenzt.

Der Pkw-Bürgerfahrdienst benötige kein eigenes Fahrzeug. Ehrenamtliche würden mit ihren eigenen Autos meist Einzelbeförderungen vornehmen. Schließlich gibt es noch das Modell des Gemeindebusses, den die Kommune zum Beispiel Vereinen verleiht.

Welches Modell für Trochtelfingen passe, müsse jetzt herausgefunden werden: "Sie haben viel Möglichkeiten". Zum weiteren Vorgehen meinte der Verkehrsexperte, dass zunächst Organisation und Trägerschaft geklärt werden müssten. Ein Bürgerbusverein sei dabei die typische Variante. Wichtig sei die Abstimmung mit dem bestehenden ÖPNV, den der Bürgerbus ergänze. Es müssten Fahrer gefunden werden, 20 Aktive nannte er als Ziel. Es müsste Leute geben, die sich um Tourenplanung, Fahrzeugpflege, Buchhaltung und mehr kümmerten. Wichtiges Thema sei die Finanzierung über Gemeinde, Sponsoren oder Spenden. Aber zunächst gelte es, das Interesse der Bürgerschaft zu sondieren, ehe ein Angebotskonzept entwickelt werden könne.

Bürgermeister Niesler sprach von einer "Vielzahl an Herausforderungen". Er glaube, dass Interesse am Bürgerbus bestehe. Man müsse engagierte Menschen finden, den Bedarf ausloten.

In der lebhaften Diskussion bekräftigte Gemeinderat Helmut Mader, Mitinitiator des Bürgerbus-Projekts, dass es darum gehe, das Leben in den Dörfern lebenswert zu erhalten, auch wenn die Mobilität nicht mehr groß sei. Es wäre toll, wenn an diesem Abend der Anschub zum Bürgerbus gelinge. Martin Tschöpe sprach sich für die Variante der Fahrten mit dem eigenen Pkw aus. Es gebe ohnehin viel zu wenige Fahrgemeinschaften. Weitere Themen waren Elektroautos, Umfrage per Flyer und die Konkurrenz zu Taxis. Niesler hierzu: "Die Stadt will keinen professionellen Verkehr aufbauen, niemandem Kundschaft wegnehmen".

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Ohne Drängeln geht es besser

Das Schulzentrum Lautertal veranstaltet in Zusammenarbeit mit der Firma Mayer’s Reisen sowie der Jugendverkehrsschule ein Bustraining. weiter lesen