Eine echte Alternative zum Mais

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Sebastian und Stefan Junger (von links) schauen vom gebauten Hochsitz aus über das gelbe Blütenmeer mit Silphie-Pflanzen.  Foto: 

Die Getreidefelder sind abgeerntet, nur der grüne Mais steht noch auf den Äckern. Da sticht das gelbe Blütenmeer mit den strahlenden Blüten zwischen Ehestetten und Hayingen wohltuend ins Auge. Auf rund 3,5 Hektar hat Stefan Junger 2016 die neue Energiepflanze „Silphie“ zunächst zwischen Mais ausgesät, nun sorgen die widerstandsfähigen Stauden für ein grandioses Landschaftsbild, das von Bienen umschwärmt wird.

„Ich habe schon lange nach einer Alternative für Mais gesucht. Silphie ist ein gutes Substrat für meine Biogasanlage, der Acker ist mit wenig Aufwand zu bearbeiten und Menschen, Tiere und Landschaft haben auch was davon“, sagt Stefan Junger. Im Frühjahr war ihm noch angesichts des vielen Unkrauts bang („das muss man sehen können“), doch seine Geduld und sein Durchhaltevermögen haben sich ausgezahlt: jetzt stehen die gelben Blüten über zwei Meter hoch und kommen mit einer Lebensdauer von bis zu 30 Jahre ohne jegliches Zutun jedes Frühjahr wieder. Das Feld muss lediglich abgeerntet und dann mit Gülle gedüngt werden.Bislang wird für die Produktion von Biogas in Deutschland auf rund 1,4 Millionen Hektar Mais angebaut. Der Biogasertrag aus dieser Pflanze ist recht hoch, doch es bedarf für den Anbau Dünger und Pflanzenschutzmittel, außerdem führt Mais zu Bodenerosion und lockt Wildschweine an. Andererseits finden Insekten in Maisfeldern kaum Pollen und Nektar. Die durchwachsende Silphie, ein aus Nordamerika stammender Korbblütler, hat sich inzwischen zu einer echten Alternative gemausert.

Junger hofft jetzt auf einen Ertrag mit rund 100 Tonne Frischmasse pro Hektar, doch Silphie kann noch viel mehr: sie bietet sehr zur Freude des Imkers, der gleich neben dem Feld seine vier Bienenvölker stationiert hat, vielen Insekten Nahrung. Hier finden sie mehr Nektar, als sie in ihren Waben sammeln und verarbeiten können. Eine Seltenheit im Spätsommer, wenn kaum mehr etwas blüht und Nahrung nur noch durch Zufütterung gesichert ist.

Selbst Bienen aus Ehestetten haben schon geschmeckt, dass sich hier ein reich gedeckter Tisch auftut. Trotz des trockenen Frühjahrs ist Junger sehr zufrieden mit dem Wachstum. „In den Bechern ihrer Blätter kann Silphie Tauwasser sammeln. Deshalb steht sie auch bei Trockenheit immer sehr gut da“, freut er sich. Im Frühjahr sind die gekeimten Pflanzen mit der aufkommenden Wärme schnell gewachsen und haben dann auch mit ihren großen Blättern die Unkräuter verdrängt.

Damit die Spaziergänger ihren Blick über das gelbe Blütenmeer schweifen lassen können, hat Junger eigens einen kleinen Hochsitz gebaut, der zum Innehalten vom Feldrand aus einlädt. Angebrachte Informationstafeln erklären genau, was es mit Silphie auf sich hat. Nicht mehr lange, dann wird der dichte Bestand mit dem Häcksler geerntet.

Die Silage will Junger von der üblichen Maissilage trennen, um die Gasausbeute genau ermitteln zu können. Denn er kann sich durchaus vorstellen, den Silphie-Anbau in seinem Betrieb noch auszuweiten. „Diese Pflanze tut dem Auge gut. Sie blüht etwa zwei Monate lang und baut durch ihr Wurzelwerk viel Humus auf. Eine bessere ökologische Vorrangfläche gibt es gar nicht“, findet Junger und bedauert, dass Silphie bislang noch nicht als Greening-Fläche ausgewiesen werden kann.

Der junge Landwirt, der 60 Milchkühe hält und eine 300 Kilowattstunden-Biogasanlage betreibt, möchte mit seiner Arbeit für einen besseren Kreislauf sorgen: „Wir müssen das tun, was für die Natur und für die Menschen gut ist“. Im Anbau der neuen Energiepflanze Silphie sieht er dafür gute Chancen. Man erhalte eine gelb blühende Landschaft mit gutem Ertrag und wenig Aufwand. Und auch wenn sie den Mais sicherlich nicht ganz verdrängen könne, so sei es doch eine gute Möglichkeit, ihn in bestimmten Regionen zu ersetzen und dadurch für mehr Biodiversität in der Landwirtschaft zu sorgen. Die Kultur eignet sich besonders für Kleinflächen, Waldrandlagen, Wasserschutzgebiete, Gewässerstreifen, Hanglagen und ungünstig zugeschnittene Feldformen.

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