Ein Liedermacher der leisen Töne

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Kubanische Musik mit Pasta und einem Gläschen Chianti? Geht das? Ja, das funktioniert tatsächlich. Den Beweis lieferte am Freitag das Javier Herrera Trio, das in der Gomadinger Pizzeria gastierte. Die zwei Herren, die dort auf der provisorischen Bühne im Eck der Gaststätte stehen, gehören zum Javier Herrera Trio. In Gomadingen fehlt jemand. Der Perkussionist Thomas Göhringer liegt krank Zuhause im Bett. Aus dem Trio ist kurzerhand ein Duo geworden.

Die beiden Musiker kommen nicht aus Matanzas oder Artemisa, sondern aus Magolsheim (Steffen Knauss, Kontrabass) und aus Aalen (Javier Herrera, Gesang und Gitarre). Letzter ist zwar waschechter Kubaner, wohnt aber schon seit fast einem Vierteljahrhundert im Ländle und zieht inzwischen Linsen mit Spätzle den schwarzen Bohnen mit Reis vor. Herrera, 62 Lenze alt, ist einer der Mitbegründer der Musikrichtung „La Nueva Trova Cubana“, die vor einem halben Jahrhundert auf der Karibikinsel entstand, aber erst später unter diesem Namen bekannt wurde. Die Nueva Trova kombiniert traditionelle Elemente kubanischer Volksmusik mit anderen Musikrichtungen.

Herrera verwöhnt die Zuhörer an diesem Abend mit feinfühligen Gitarrenakkorden und seiner sanften, aber kraftvollen Stimme. Nicht umsonst nennt man den Kubaner „einen Liedermacher der leisen Töne“. Sein Motto: „Die beste Medizin gegen alle Probleme ist die Freude am Leben.“

Bei den Gesichten in seinen Liedern geht es um das tägliche Leben, den Friede und die Frauen. Sogar ein Kikeriki spiegelt sich in seinen Eigenkompositionen wider.

Titel aus seinem aktuellen Silberling „Sabor Cubano“ gibt es im „Al Dente“ ebenfalls zu hören. Hitverdächtig ist „Guajirta“. Dieser Song erinnert etwas an den Buena Vista Social Club mit den Legenden der kubanischen Musikszene. Herrera und Co. kommen nicht herum, in Gomadingen deren Ohrwürmer „Chan“ und „El Carretero“ zu spielen. Kubanische Lebensfreude pur. Jetzt fehlt nur noch der Duft einer Havanna-Zigarre. Zum Glück gibt es im Lokal einen kühlen Cuba Libre, denn dort „ist es heiß wie in der Karibik“, sagt Herrera und wischt sich die Schweißperlen aus der Stirn.

Bei „Guantanamera“, dem berühmte Gassenhauer des kubanischen Nationalhelden José Martí, geht die Post so richtig ab. Es wird mitgesungen. Nicht Fidel Castro, sondern Gotthilf Fischer hätte seine helle Freude gehabt. Mit „Bésame Mucho“, der heimlichen Nationalhymne Lateinamerikas, endet dieses Konzert nach zwei Stunden. 120 Minuten Karibikfeeling pur sind leider schon vorbei.

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