Ein Dank auf persönlicher Ebene

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Der Empfang im Gästecasino der Bundeswehr in Berlin bot für den Auinger Steffen Steinhäußer (rechts) die Gelegenheit, seine Erfahrungen in der Flüchtlingshilfe Bundesverteidigungsminsterin Ursula von der Leyen gegenüber persönlich zu schildern.  Foto: 

Zusammen mit weiteren rund  200 Angehörigen der Bundeswehr wurde jetzt der Auinger Steffen Steinhäußer von Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen für seinen Einsatz in der Flüchtlingshilfe geehrt. Bei der Feierstunde im Bundesverteidigungsministerium in Berlin würdigte von der Leyen die Hilfsleistung der rund 21 000 Soldaten und Soldatinnen, die in den verschiedensten Bereichen zur Unterstützung eingesetzt waren. Damit ist es der Bundeswehr gelungen, Bund, Länder, Landkreise und Kommunen bei der Bewältigung der Aufgaben zu entlasten.

Für Steinhäußer kam die Einladung zum Empfang im Bendlerblock überraschend. „Es war reiner Zufall, dass ich unter tausenden von Bundeswehrsoldaten ausgewählt wurde“. Der Auinger ist Berufsoffizier im Multinationalen Kommando Operative Führung in Ulm und arbeitet ehrenamtlich im Ortschaftsrat wie auch im evangelischen Kirchengemeinderat mit. Zudem gibt er seit mehr als eineinhalb Jahren in Auingen und Dottingen Sprachunterricht für afghanische Flüchtlinge.

Der Bundeswehreinsatz in der Flüchtlingshilfe begann im Spätsommer 2015 und war Ende März diesen Jahres offiziell beendet. Zeitweise waren bis zu 9000 Soldaten gleichzeitig im Einsatz, um Flüchtlinge zu registrieren, für deren Verpflegung zu sorgen, Unterkünfte einzurichten oder sie medizinisch zu betreuen. Unterm Strich wurden eine Million Mahlzeiten ausgegeben, 51 000 Schlafplätze in mehr als 70 Liegenschaften eingerichtet und damit 868 Amtshilfeersuchen von Behörden nachgekommen. Ministerin von der Leyen bezeichnete den Einsatz als „weiteres stolzes Kapitel“ in der Leistungsbilanz der Bundeswehr.

In der Feierstunde lobte sie die Arbeit der Bundeswehrangehörigen: „Sie haben ein eindrucksvolles Zeugnis von der Leistungsfähigkeit und der Flexibilität der Bundeswehr abgelegt“.

Die Veranstaltung fand unter Ausschluss der Medienöffentlichkeit statt. „Es ging wirklich nur um den Dank der Ministerin für die Arbeit der Soldaten“, freute sich Steinhäußer, „das hat mir sehr gut gefallen“. Die Atmosphäre schildert er als „sehr locker und entspannt“ – ein Punkt, der ihn sehr beeindruckt habe.

Die Würdigung des Einsatzes kam seinem Bericht nach auch durch die Teilnahme hochrangiger Gäste wie dem Wehrbeauftragten oder der Präsidentin des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF), Jutta Cordt, sowie deren Vorgänger Frank-Jürgen Weise zum Ausdruck.

Nach einem filmischen Auftakt als Rückblende auf die vielfältigen Einsatzbereiche und -aufgaben und der Ansprache von der Leyens blieb genügend Zeit für persönliche Gespräche. „Ich konnte der Ministerin von meiner Arbeit als Anhörer berichten“, erzählt Steinhäußer im Gespräch mit unserer Zeitung.

Für ihn begann der Einsatz als Anhörer beim BAMF Mitte Spetember vergangenen Jahres mit einer dreiwöchigen Schulung in Halle/Saale bei der die rechtlichen Grundlagen sowie der Umgang mit der erforderlichen Software im Vordergrund standen. In der zweiten Oktoberwoche startete dann seine Arbeit in der Außenstelle des BAMF im Erstaufnahmelager in Meßstetten. In der zweiteiligen, jeweils rund zweistündigen Anhörung, werden zunächst Fakten über die Person und sein persönliches Schicksal erfragt. Dazu gehören Fluchtgründe, die Frage nach Folter oder die Fluchtroute genauso wie die Frage, ob Kontakt zu Terroristen bestand. Im zweiten Teil bekommt der Flüchtling Gelegenheit, seine Darstellung vorzubringen. Natürlich sind dabei Dolmetscher im Einsatz. Steinhäußer hat ganz überwiegend Syrer befragt. „Das Anhörungsverfahren ist relativ unkritisch, es geht vor allem darum, ob Schutz vor den Folgen des Kriegs gewährt wird oder ob persönliche Verfolgung auch eine Rolle spielt“. Die Ergebnisse müssen genauestens protokolliert werden, betont Steinhäußer. „Dabei geht es um das Schicksal von Personen, die am Scheideweg ihres Lebens stehen“, verdeutlicht er den Stellenwert der Arbeit. Für den Entscheider in der Behörde wiederum waren die protokollierten Berichte maßgeblich. Unterm Strich hat er in den sechs Monaten seines Einsatzes 300 Anhörungen durchgeführt. Nur einmal übrigens gab es einen sprachlich begründeten Hinweis auf einen Betrugsversuch – war doch das gesprochene „arabisch“ eindeutig dem nordafrikanischen Raum und nicht Syrien zuzuordnen.

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