Ein „Nein“ zum Planentwurf

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Das Thema „Stellungnahme zum Teilplan Windkraft 2017“ steht derzeit in allen Gemeinderäten der Region auf der Agenda, so auch in Engstingen bei der Sitzung am Mittwochabend. Bürgermeister Mario Storz erinnerte eingangs kurz an die Zielsetzungen der Landesregierung, die bis 2020 den Anteil der erneuerbaren Energien am gesamten Strombedarf auf 38 Prozent erhöhen will – darunter zehn Prozent Strom aus Windkraft – und bis 2050 sollen es sogar 86 Prozent sein. Um den Ausbau der Windkraft in der Region zu fördern, hat der Regionalverband Ende November vergangenen Jahres den Entwurf für den Teilregionalplan Windkraft beschlossen. Die Stellungnahmen müssen bis Ende Mai beim Verband eingehen.

Im Fokus für Engstingen stehen die beiden Vorranggebiete Wannenhau und Lonsinger Buch, die ganz überwiegend auf Gemarkung der Gemeinde St. Johann liegen. Doch die Teilfläche „2b“, der Wannenhau, überschneidet die Gemeindegrenze und bietet im südlichen Bereich die Möglichkeit zur Errichtung einer Windkraftanlage auf Kohlstetter Gemarkung. Auf St. Johanner Seite sind dort vier Windkraftanlagen möglich. Doch sowohl die Gemeinde Engstingen wie auch die Verwaltungsgemeinschaft mit Hohenstein haben als „gemeindespezifisches Abwägungskriterium“ einen Mindestabstand zur Wohnbebauung von 1500 Metern beschlossen, rief Storz in Erinnerung. Aber der Abstand zum Ortsrand von Kohlstetten beträgt nur 1 bis 1,3 Kilometer. Damit verstößt die Planung des Regionalverbands gegen das so genannte Gegenstromprinzip, also die gegenseitige Berücksichtigung von Planungen auf Bundes-, Landes, und kommunaler Ebene. Dieser Entschluss betrifft freilich nur den auf Kohlstetter Gemarkung gelegenen Teil des Vorranggebiets. St. Johann selbst favorisiert auf kommunaler Ebene den Bereich Wannenhau und lehnt das Lonsinger Buch ab. „Wir sollten im Sinne von St. Johann das ebenfalls ablehnen“, sagte Storz, der grundsätzlich an den unterschiedlichen Planungsebenen Kritik übte. „Es ist schwer nachzuvollziehen, wer in welchem Bereich unterwegs ist“.

„Früher oder später werden Windräder bei Kohlstetten stehen“, sagte Armin Katzmaier und Stefan Glück nannte die von dem Kohlstetter Ortsvorsteher Martin Mauser vorgetragene Stellungnahme des Ortschaftsrat „ein wenig zu stark“, während Martin Staneker den Regionalverband aufforderte, sich an die gesetzlichen Vorgaben zu halten. Inwieweit sich der von der Gemeinde beschlossene Mindestabstand von 1500 Metern gegenüber den vom Regionalverband beschlossenen 1000 Metern durchsetzen kann, ist allerdings fraglich.

Letztlich stimmte das Engstinger Gremium geschlossen für die Ablehnung des Entwurfs zum Teilplan Windkraft. Der Verband wurde aufgefordert, sich den kommunalen Planungen von St. Johann anzuschließen und eine Höhenbeschränkung von 220 Metern festzulegen.

Der Ortschaftsrat Kohlstetten wendet sich mit einer eigenen, einstimmig beschlossenen, Stellungnahme an den Regionalverband. Im Kern wird dort die hohe Dichte möglicher Standorte für Windkraftanlagen kritisiert, da zu den beiden Vorranggebieten des Regionalverbands (Wannenhau/Lonsinger Buch und Planwald) noch zwei weitere Konzentrationszonen auf Gemeindeebene kommen. In den Fokus ihrer Kritik stellen die Kohlstetter den Artenschutz, die zu befürchtende Zerstörung des Landschaftsbildes, die negativen Folgen für die Erholungsfunktion der Natur rund um den Ort, die unzureichende Windhöffigkeit an den genannten Standorten und der Waldflächenverlust. Zudem müsse die Gemeinde einen naturschutzrechtlichen Ausgleich für von den Windkraftanlagen benötigten Flächen schaffen – der Konkurrenzdruck für die Landwirtschaft steige. Ebenfalls werden Einbußen für die Lebensqualität im Ort und ein Rückgang der Bereitschaft junger Familien, nach Kohlstetten zu ziehen, befürchtet. rot

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