Drogenboss verspricht Eheglück

Am fünften Verhandlungstag im Kokainprozess am Landgericht Tübingen hat am Montag eine weitere Angeklagte ein Geständnis hinterlegt. Sie räumte, gegen den Widerstand ihrer Anwältin, ihre Schuld ein.

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Nachdem die 38-jährige Kolumbianerin am letzten Verhandlungstag Probleme hatte, wurde ihr die Verhandlungsfähigkeit nach einem Aufenthalt in einer Psychiatrie bescheinigt. Zuvor wirkte sie fahrig, labil und verzweifelt. Unter Tränen sagte sie damals: "Ich will, dass es aufhört." Während ihres Klinikaufenthalts in Bad Schussenried schrieb sie nun die am Montag eingeführten Zeilen nieder. Zuvor sandte sie den Brief an die Kammer des Landgerichts. Offensichtlich ohne Wissen ihrer Anwältin Gabriele Rittig. Diese zweifelte am Montag die Verwertbarkeit der schriftlichen Erklärung an. Die Forderung, das Dokument am Montag nicht zu verlesen, wies das Gericht aber zurück.

Der zentrale Satz: "Mit diesem Schreiben akzeptiere ich alle Anschuldigungen, die man mir vorwirft. Ich akzeptiere alles was in den Akten steht." Es folgten bruchstückhaft ausgeführte Szenen, die sie als Frau mit dem Wunsch nach Liebesglück, einem Heim und eigenen Kindern beschreiben. Ihr Lebensgefährte, als Hauptdrahtzieher des Kokain-Deals bereits zu elf Jahren und neun Monaten verurteilt, sollte ihr all das erfüllen. Dass es sich bei seinen Geschäften um Drogen gehandelt habe, habe die Frau gewusst, es ihm aber verziehen: "Ich habe ihn ja geliebt."

Wichtiger waren ihr seine Versprechungen. Gemeinsame Zukunfts- und Kinderpläne seien für die Zeit nach dem Deal schon geschmiedet gewesen. Die Frau gab zudem zu, als Geldbote fungiert zu haben. "Herr Richter, ich bin schuldig, mit meinem Mann zusammen gewesen zu sein." Und weiter: "Ich bitte Sie, mich zu verurteilen, damit ich von dieser krankhaften Liebe wegkomme." Angesichts ihres lethargisch erscheinenden Zustands, verzichtete die Kammer und die Staatsanwaltschaft zunächst auf Nachfragen. Die Verhandlung deshalb zu unterbrechen, lehnte das Gericht jedoch ab.

Zeit für den mitangeklagten 76-jährigen Niederländer, seinen Lebensweg zu schildern und sich zu den Vorwürfen zu äußern. Der gelernte Klempner adoptierte 2006 den 15-jährigen Sohn seiner damals verstorbenen Frau, einer Kolumbianerin. Heute ist dieser 33 Jahre alt und im aktuellen Prozess bereits zu neun Jahren Haft verurteilt. Er wurde in Engstingen ebenso festgenommen, wie sein Adoptivvater. Laut Anklage hätten sie sich um den Transport von 50 Kilogramm Kokain von Engstingen in die Niederlande kümmern sollen. Doch der grauhaarige Mann gab sich vor Gericht ahnungslos. Demnach wollte er damals nur den Weihnachtsmarkt in Stuttgart besuchen. In der fremden Stadt sei er auf seinen Adoptivsohn gestoßen und stieg in dessen Auto. Nach einer Fahrt durch die Dunkelheit habe er sich anschließend in einer großen Halle wiedergefunden. Darin geparkt ein großer Lastwagen. Dann sei alles sehr schnell gegangen. Die Polizei trat in Engstingen auf den Plan und zwang ihn mit vorgehaltener Waffe zu Boden: "Ich wusste nicht was los war", beteuerte der 76-Jährige. "Ich habe mir nichts zu Schulden kommen lassen. Ich habe kein Geld erhalten und nicht darum gebeten." Drogen kenne er höchstens aus dem Fernsehen.

Nie mit Drogen in Berührung gekommen zu sein, gab auch der dritte Angeklagte an, der am Montag zu seiner Person aussagte. Der 52-jährige Kolumbianer, der sich bereits mit elf Jahren alleine durchs Leben geschlagen habe, bekleidete im Laufe seines Lebens unterschiedlichste Anstellungen: In der Sicherheitsbranche, auf hoher See, auf Ölplattformen und zuletzt als Hilfsarbeiter in Holland. Nach seiner Arbeitsunfähigkeit, sitze er nun auf 25 000 Euro Schulden. Seine weiteren Angaben, dann zur Sache, wird das Gericht am 12. November entgegennehmen, wenn der Prozess fortgeführt wird.

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