Die Ausstellung ist ein Glücksfall

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Vernissage zur neuen Sonderausstellung im Albmaler Museum: Museumsmacher Martin Rath (rechts) freute sich, die Werke von Eduard Niethammer zeigen zu können. Alfred Munz (links) berichtete über die lebenslange Freundschaft zu dem Maler.  Foto: 

Seit gestern werden im Albmaler Museum im albgut Altes Lager gut 200 Werke des Gächinger Künstlers Eduard Niethammer gezeigt. Die – nach Wilhelm Kehrer und Felix Hollenberg – dritte Sonderausstellung wurde am Mittwoch­abend eröffnet. „Das ist für mich ein Glücksfall“, freute sich Museumsmacher Martin Rath. Er bezeichnete die Werke Niethammers als „ganz große und unverfälschte Kunst“. Er sei sehr froh, diese Arbeiten zeigen zu können. Letztlich sei dies den Verbindungen des Gomadingers Hans Blankenhorn zur Familie Niethammer zu verdanken. Dieser habe den Kontakt zu Agnes Thumm, der Tochter Niethammers, die heute in Ungarn lebt, hergestellt. Ihr hatte Eduard Niethammer seinen künstlerischen Nachlass vermacht. Gemeinsam hatten sich Blankenhorn und Rath auf den Weg nach Ungarn gemacht, und zahlreiche Federzeichnungen, Aquarell- und Ölbilder sowie Schnitzereien ins Auto geladen.

An der Ausstellungseröffnung  nahm auch der 93-jährige Alfred Munz teil. „Ich war mehr als 60 Jahre lang ein Freund und Wegbegleiter Niethammers“, berichtete Munz den Zuhörern. Sie beide seien im Alter von 12 beziehungsweise 14 Jahren für die Aufnahme an eine neue Aufbauschule in Nürtingen ausgewählt worden. Zwar verloren sie sich während des Krieges aus den Augen, doch gegen Ende des Jahres 1945 erfuhr Munz, dass Niethammer in der Feldscheune seines Vaters in Gächingen lebte. „Wir hatten ja keinen Beruf, da wir nach dem Abitur zum Militär mussten“. Als „sehr prägendes Erlebnis“ schilderte Munz den Besuch einer riesigen Gemäldeausstellung in Tübingen, bei der Werke aus dem Wallraf-Richartz-Museum in Köln gezeigt wurden, die dort ausgelagert worden waren. Nach seiner Ausbildung zum Lehrer unterrichtete Munz in Hundersingen – die räumliche Nähe zu Gächingen ermöglichte regelmäßige Besuche. Sie hätten sich nächtelang genauso über Kunst und Literatur wie über die aktuellen politischen Entwicklungen unterhalten. „Von seinen Bildern war ich immer tief beeindruckt“, bekannte Munz.

Eduard Niethammer verbrachte als großer Pferdeliebhaber viel Zeit im nahegelegenen Gestüt Marbach und dem Vorwerk in St. Johann. So spielen Pferde ins seinem künstlerischen Werk eine große Rolle, sei es als Einzelstudie oder eingebunden in die Landschaft wie zum Beispiel auf einer Gestütskoppel. Ganz wichtig war es Niethammer, die ursprüngliche bäuerliche Arbeitsweise in Eintracht mit der Landschaft bildhaft festzuhalten.

Im Gespräch mit unserer Zeitung schildert Niethammers Sohn Friedrich seinen Vater als weltoffenen Menschen mit einem großen Bekanntenkreis. Regelmäßig seien Künstler aus vielen Regionen Deutschlands in dem von Niethammer weitgehend in Eigenleistung nach dem Abriss der väterlichen Feldscheune erbauten Haus zu Gast gewesen. Nur bis Ende der 60-er Jahre habe er unter den traumatischen Kriegserlebnissen gelitten – dies zeige sich auch in den Bildmotiven. Nach einer schweren Kriegsverletzung musste er nicht mehr zurück nach Russland, sondern konnte in Stuttgart an der Kunstakademie studieren und das erste Staatsexamen ablegen. Dann hat sich Niethammer voll und ganz der Kunst gewidmet. Seine Frau Eva-Maria war es, die als Lehrerin arbeitete und ihm zeitlebens mit ihrem Einkommen das Dasein als Künstler ermöglicht hat, erinnerte sich Friedrich Niethammer.

Die Werke von Eduard Niethammer sind im Albmaler Museum bis zum 29. April zu sehen. Die Öffnungszeiten in den Wintermonaten: Mittwoch bis Sonntag und an Feiertagen von 10 bis 16 Uhr. Ab 15. Januar bis 25. Feburar nur Sonn- und Feiertags von 10 bis 16 Uhr. Internet: www.albmaler.de.

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