Die Alb muss sich einbringen

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Die Wirtschaft floriert und das Münsinger Industriegebiet wächst weiter: Ein Stuttgarter Unternehmen möchte 28 Hektar erwerben.  Foto: 

Nach der Veranstaltung vor Jahresfrist in der Zehntscheuer fand die aktuelle Auflage des Diskussionsforums „IHK vor Ort“ am Dienstagabend im Münsinger Rathaus statt. Die Resonanz von Seiten der Münsinger Unternehmen fiel allerdings erneut zurückhaltend aus. Die IHK selbst unterstützt die Unternehmen mit verschiedenen Serviceleistungen, übt hoheitliche Aufgaben für den Staat aus und dient als politische Interessenvertretung sowie als Vertreter öffentlicher Belange zum Beispiel bei Bauvorhaben.

In Vertretung von IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Wolfgang Epp skizzierte Michael Baukloh, Leiter des Bereichs Existenzgründung der IHK, die aktuellen Themen der Interessenvertretung der Unternehmer. Dazu gehört der Beschluss zur Gründung einer IT-Akademie, um die bereits vorhandenen Weiterbildungsaktivitäten im Bereich der Digitalisierung zum Beispiel für Datenschutz oder Sicherheitsthemen auszubauen, wie IHK-Pressesprecher Christoph Heise auf Anfrage unserer Zeitung erläuterte. Ein Dauerbrenner mit aktuellem Bezug ist der Verkehr, denn mehrere lange geforderte Projekte in der Region sind in der Kategorie „Vordringlicher Bedarf“ des Bundesverkehrswegeplans gelandet. Hier finden sich unter anderem der Ausbau der B 27 im Steinlachtal, der Albaufstieg oder die Nordumfahrung von Reutlingen (Dietwegtrasse). Aus der Sicht der IHK geht es jetzt vor allem darum, die entsprechenden Planfeststellungsverfahren auf den Weg zu bringen. „Dazu brauchen wir einen Ausbau der Planungskapazitäten beim Regierungspräsidum“, so Baukloh. Der Münsinger Bürgermeister Mike Münzing verwies auf die Summe von 1 Milliarde Euro, die für die Kreise Tübingen, Reutlingen und Zollern-Alb zur Verfügung stehe. Neben Engpässen in der Planung seien auch Baukapazitäten knapp – das RP habe Personal abgebaut. „Die spannende Frage wird sein, wieviel sich bis zum Jahr 2030 umsetzen lässt“, sagte Münzing. Ebenfalls auf der Agenda der IHK steht die Elektrifizierung der regionalen Bahnstrecken.

Um kleine und mittlere Unternehmen auf dem Weg zu einem geringeren Ressourcenverbrauch zu unterstützen, bietet die Kompetenzstelle Energieeffizienz Neckar-Alb eine Erstberatung und Analyse des Ist-Zustandes an. Zusammen mit Tipps für Fördermittel lassen sich so Vorschläge für Einsparmaßnahmen aufstellen. Neu am Start ist auch die „Film Commission“, die sich in der Region aktiv um eine Vermarktung potentieller Drehorte kümmert. In der Vergangenheit fanden im Raum Münsingen bereits Dreharbeiten für den „George-Film“, für „Die Bücherdiebin“ oder die Lebensgeschichte von Erwin Rommel statt, wie Münzing in Erinnerung rief. „Das gibt Impulse für die Regionalwirtschaft“.

Die Alb müsse sich immer wieder einbringen, hob Münzing hervor, denn die Politik fokussiere stark auf urbane Rahmenbedingungen. Beispiele: Die Fallzahlen an Kliniken als Maßstab für einen definierten „Qualitätsstandard“ oder das ÖPNV-Angebot, das auf dem Land passgenau ausgerichtet sein müsse. Er erinnerte an den Erfolg der Umwandlung des früheren Bundeswehrstandorts. Heute gebe es in Münsingen mehr Arbeitsplätze als damals und die Zahl der Einwohner liege bei 14 600 anstatt 12 200 wie das Statistische Landesamt prognostiziert hatte. Wirtschaftsstandort und private Haushalte profitieren von dem großflächigen Breitbandausbau. Die Stadt investiert 6,5 Millionen Euro und hat 3,4 Millionen an Fördergeldern erhalten. In den Neubaugebieten mussten die Plätze verlost werden und von den noch vorhandenen 30 Hektar an Gewerbeflächen wird ein Interessent aus dem dem Großraum Stuttgart jetzt 28 Hektar erwerben, sagte Münzing – ohne Details vor dem Abschluss des Vertrags zu nennen.

Den hohen Stellenwert der Netzwerkarbeit verdeutlichte Dr. Kirstin Schreiber, die das Netzwerkbüro der IHK leitet. Insgesamt 1800 Mitglieder gehören entweder zu Branchennetzwerken oder denen von Berufsgruppen. Im Fokus der Arbeit stehen der Erfahrungsaustausch, Fachvorträge und Impulse für die Weiterentwicklung der Arbeit. Das gilt gerade auch für die Einpersonen- und Kleinunternehmen, auf die zwei Drittel der insgesamt 47 000 Mitglieder der IHK entfallen. Die IHK bietet hier vielfältige Unterstützung bei Fachfragen und im Vermarktungsbereich. Inklusionsberaterin Cathrin Koch stellte das IHK-Angebot zur Beratung für Firmen vor, die Menschen mit Behinderung einstellen wollen: Im Vordergrund stehen die Ausbildung, Nachteilsausgleich, Erläuterungen zu den arbeitsrechtlichen Rahmenbedingungen, die Beratung für einen behindertengerechten Arbeitsplatz und die Vermittlung regionaler Ansprechpartner.

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