Der Kampf gegen die Maikäfer-Plage

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In den Jahren nach dem Krieg  wurden die Ähren auf den abgeernteten Feldern gelesen.  Foto: 

Die Bevölkerung auf dem Land hatte zwar zu essen, aber so wie ich es in Erinnerung habe, gab es oft zwei Mal am Tag gebratene Kartoffeln. Auch leeres Brot mit Salz wurde gegessen, und Zuckerrüben wurden angebaut, um Sirup als Brotaufstrich herzustellen. 1946 gab es zum Glück eine gute Kartoffelernte. Die Kartoffeln waren auch Futtergrundlage für die Mastschweine.

Die Leute ohne eigene Landwirtschaft gingen zum Ährenlesen, wenn die Felder von den Bauern abgeerntet waren. Sie sammelten die liegengebliebenen Dinkel- und Weizenähren und brachten sie zu einem Bauern zum Dreschen. Mit der Dreschmaschine wurden die Körner von der Spindel getrennt. In der Mühle konnten sie dafür Mehl schwarz eintauschen und damit ihre Rationen aufbessern.

1947 bis 1949 waren sehr trockene Jahre mit vielen Engerlingen aus dem Maikäferjahr 1946. Besonders 1947 und 1948 waren die Schäden enorm: Die Engerlinge fraßen die Wurzeln des Getreides, sodass es schlecht zu ernten war, weil es beim Mähen aus dem Boden gezogen wurde. Besonders in Waldesnähe und an Hecken war der Getreideertrag gering. Große Schäden gab es auch auf den Wiesen: Die Wildschweine suchten die Engerlinge und zerstörten die Grasnarbe. Auch die Raben machten Schäden: Sie suchten unter den dürren und abgefressenen Grasbüscheln die Engerlinge, indem sie das Gras herauszogen. Dadurch waren die Wiesen schlecht zu mähen.

Nach zwei Jahren verpuppt sich der Engerling, wird zum Käfer und fliegt aus. 1949 waren es so viele Maikäfer, die abends vor Anbruch der Dunkelheit durch die Luft flogen, dass man nicht mehr mit dem Fahrrad fahren konnte. Morgens wurden sie von den Zwetschgen- und Pflaumenbäumen abgeschüttelt. Die Hühner kamen und fraßen die Maikäfer.

Wegen der Engerlinge mussten die Kohlraben, welche Ausgang Mai oder Anfang Juni gepflanzt worden waren, alle paar Tage auf dem Acker kontrolliert werden. Wenn eine Pflanze etwas lahm aussah, wurde sie herausgezogen, denn darunter war ein Engerling, der an den Wurzeln genagt hatte. Er wurde herausgeholt und die Pflanze wieder eingesetzt oder eine neue gepflanzt.

An allen Hecken im Ösch und an den Waldrändern fraßen die vielen Maikäfer das frische Laub. In den Äckern und Wiesen wurden für die kommenden Jahre große Schäden befürchtet. Die Lebensmittel waren ohnehin knapp. Die Amerikaner brachten daher das giftige Kalkarsen zur Bekämpfung der Maikäfer. Kalkarsen war ein feines, weißes Pulver in Papiersäcken. Mit einem Gebläse wurde das Mittel an die Hecken und Waldränder geblasen.

Karl Katzmaier zog das Gerät mit seinem Schlepper. Hans Krehl und Hans Schmauder, Metzgerbauer, bedienten die Maschine. Georg Eberhardt, Bühlbauer, fuhr mit dem Traktor die Säcke her, und Christian Eberhardt, Oberbauer jun., musste die Säcke zur Maschine tragen. Alle Hecken und Waldränder, welche befallen waren, wurden behandelt. Die Wirkung war enorm: Am Mauerle lagen die toten Maikäfer mehrere Zentimeter dick auf dem Feldweg und wir Jungen fuhren mit den Fahrrädern durch. Seit dieser Zeit gibt es bei uns fast keine Maikäfer mehr und dadurch auch wenige Engerlinge. Seither gab es bei uns auch keine Maikäferplage mehr.

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