Das Ende kommt trotz Boom

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Die Sternberg Trachtenstube veranstaltet noch bis 7. Oktober einen Räumungsverkauf. Dann schließen Iris und Armin Bader das Geschäft, verkaufen aber die „Blauhemende“ weiter übers Internet.  Foto: 

Ein Traditionsunternehmen steht vor dem Aus: Die Sternberg Trachtenstube in Gomadingen hat kürzlich ihren Räumungsverkauf gestartet, am 7. Oktober ist das Geschäft in der gleichnamigen Straße letztmals geöffnet. Es sind gesundheitlich Gründe, die Geschäftsführer Armin Bader, der den Laden zusammen mit seiner Frau Iris betreibt, dazu bewogen haben. „Natürlich haben wir nach einem Nachfolger gesucht, aber selbst die Hilfe von zwei Maklern und die Unterstützung der IHK blieben letztlich erfolglos“, erzählt Bader im Gespräch mit unserer Zeitung.

Es waren seine Eltern Heinz und Gertrud, die in den 50-er Jahren mit ihrer Fabrik für Damenblusen von Öschingen nach Gomadingen zogen und die Produktion sukzessive ausweiteten. Zeitweise waren bei der Firma „Badego“ in Gomadingen und der Bad Uracher Zweigstelle bis zu 76 Mitarbeiter beschäftigt. „Es gab rund 800 bis 1000 Blusen als Muster, die der Einzelhandel nicht abnehmen wollte und die wir deshalb selber verkauft haben“, erinnert sich Bader. Daraus entwickelte sich ein Fabrikverkauf. Das was heute eine Selbstverständlichkeit ist, war dem Einzelhandel in den 80er Jahren ein Dorn im Auge – es wurden sogar schwarze Listen geführt. So entschieden sich die Baders für die Gründung der Trachtenstube, in der anfangs Sportmode, klassische Bekleidung sowie Abend- und Trachtenmode angeboten wurde. Bald entwickelten sich Trachten zum Schwerpunkt. Die anfangs aufrechterhaltene Herstellung von Blusen lief allmählich aus. „Die Herstellungsbedingungen in Deutschland wurden immer schwieriger“, so Bader. Bis heute freilich werden die Produktionsräume als Änderungsschneiderei von seiner inzwischen 85-jährigen Mutter genutzt.

Zusammen mit seinem Vater hat Armin Bader nach der Gründung der Trachtenstube regelmäßig Verbrauchermessen vorwiegend im süddeutschen Raum aber auch in Dortmund und Hannover besucht und so das Angebot bekannt gemacht. Mit Erfolg. „Unsere Kundschaft kommt aus einem Umkreis von bis zu 150 Kilometern“. Aus diesem Grund hatte die Sternberg Trachtenstube seit ihrer Eröffnung Mitte Oktober 1979 täglich geöffnet, damit nicht etwa einer der Kunden nach einer weiten Anfahrt vor verschlossenen Türen gestanden wäre. Wann allerdings Kunden aufgetaucht sind, war natürlich nie vorhersehbar. „Bis November vergangenen Jahres haben meine Eltern, obwohl sie sich im Jahr 2000 aus dem Geschäft zurückgezogen haben, immer noch ausgeholfen“, berichtet Bader weiter. Um für die Kunden da zu sein, haben er und seine Frau ihren zweiwöchigen Jahresurlaub immer im November genommen – der Zeit mit dem schwächsten Umsatz.

Ebenfalls zum Erfolg der Trachtenstube beigetragen hat die Präsenz auf speziellen Jagdmessen zum Beispiel in München, Frankfurt oder Ulm. Ein weiteres Standbein war der Online-Handel, in den Bader vor zehn Jahren eingestiegen ist. Den Handel übers Internet wird Bader weiterbetreiben und dort das klassische „Blauhemd“, also den Bauernkittel, sowie als einziger Anbieter in Deutschland Hemden der Firma Libero aus der Schweiz verkaufen. Richtig explodiert ist der Versandhandel vor allem zu Beginn des Runs auf Trachten, den vor allem junge Leute ausgelöst haben. „Vor sieben Jahren hat das angefangen“, so Bader, „von heute auf morgen wurden Dirndl wie verrückt bestellt“. Zeitweise hat Bader damit rund 20 Prozent seines Umsatzes gemacht. Auf vielen Veranstaltungen in der Region und andernorts sind Dirndl und Lederhose heute Standard. Inzwischen spürt er hier die Konkurrenz der großen Versandhäuser und auch Supermärkte bieten jetzt saisonal bereits Trachten an.

Und was passiert mit dem Geschäft in der Sternbergstraße? „Das steht noch nicht fest“, sagt Bader, „aber ich suche in jedem Fall einen Nachmieter“ – das Gebäude bietet eine Verkaufsfläche von 170 Quadratmetern sowie Nebenräume.

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