Da kriegt jeder sein Fett weg

Die Grande Dame des politischen Kabaretts, Lisa Fitz, gastierte in der Wimsener Mühle. Dass sie nichts an Schlagfertigkeit und beißendem Wortwitz verloren hat, bewies sie vor 180 begeisterten Zuhörern.

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Mit gekonnt vertontem Spott und Hintersinn präsentierte Lisa Fitz in der Wimsener Mühle ihr neues Programm "Mut!". Foto: Simon Wagner

Dass sich Lisa Fitz am Sonntagmittag unter den 180 Gästen ausgerechnet Roland Freiherr von Saint-André als Zielscheibe für ihre zotigen Betrachtungen der Männerwelt ausgesucht hatte, konnte sie vermutlich nicht ahnen. Immer wieder brachte sie den Baron und Herren des Schlosses Ehrenfels in Zusammenhang mit Rotlichtmilieus, nächtlichen TV-Schmuddel-Hotlines und Statistiken über das Fremdgeh-Verhalten deutscher Männer. Doch wer Lisa Fitz kennt, der weiß, dass das Wissen um seine adlige Herkunft ihren kabarettistischen Eifer wohl nur noch weiter angespornt hätte. Schließlich sollte sie später sagen: "Bei mir bekommt jeder sein Fett weg."

Auch mit 59 Jahren hat Lisa Fitz nichts von ihrer Angriffslust eingebüßt, nichts von der lustvollen und pointierten Art und Weise verloren, sich an gesellschaftlichen Missständen, mal mit bajuwarischen Schimpftiraden, mal mit gekonnt vertontem Spott und Hintersinn, abzuarbeiten.

Und das alles, sehr zum Gefallen der begeisterten Zuhörer in der Wimsener Mühle. Hier kam die Großmeisterin des politischen Kabaretts auch auf ihr eigentliches Thema zu sprechen: Mut. Programmatischer Titel ihres aktuellen Bühnenprogramms. Es ist mittlerweile ihr 15. Es ist entstanden im Zeitgeist der "resignativen Demenz", in dem sich Protest oftmals darauf beschränke, in das TV-Gerät "hineinzumaulen" und daherkomme wie "ein heißer Furz im kalten Weltwirtschaftsklima". Für Fitz die kabarettistische Gebietskulisse für ihren spöttelnden Gang entlang bundesdeutscher Verhältnisse - zu lesen wie eine Protest-Gebrauchsanweisung, sollte einmal samt dem Mut auch die Wut ausgegangen sein. Von A, wie Angela Merkel ("der ferngesteuerte Hosenanzug") bis Z, wie hemmungslose Zocker an den Finanzmärkten - die gesellschaftspolitische Großwetterlage, mit ihren Untiefen, fasst sie nur allzu gerne als Vorlage für ihren schneidenden Humor auf.

Doch Lisa Fitz wäre nicht sie selbst, wenn sie nicht mit offenen Augen durchs Leben gehen und dort weitere Kuriositäten aufs Korn nehmen würde. So etwa das TV-Programm, als fragwürdiger Ausdruck der deutschen Leitkultur oder ihre Betrachtungen der Münchner Bussi-Society, wo es gilt "Geld auszugeben, das man nicht hat, um Dinge zu kaufen, die man nicht braucht, nur um Leute zu beeindrucken, die man nicht mag".

In ihrem schillernden, kabarettistischen Spiegelkabinett zerrt sie reihenweise ihre entlarvenden Beobachtungen ebenso lustvoll wie schonungslos ins Bühnenlicht um sie dort nach Herzenslust zu sezieren.

Sie machte Station an bundesdeutschen Ehebetten, weiß, dass auch "Mausis" und "Spatzis" im Laufe der Jahre zu veritablen Kühen heranwachsen können, setzt den Ölmultis mit "Tanken und Beten" ein musikalisches Denkmal und hat auch zu den Piraten wenig Vertrauen, denn: "Wer einmal in den Chefsessel gefurzt hat, den umkreisen die Geier."

In dieser Fitz-typischen Sprache nahm sie sich in Wimsen auch der katholischen Kirche an ("bigottes Kreuzfahrergesindel"). Fielen ihre zugespitzten Betrachtungen sonst auf schallendes Gelächter und Szenenapplaus, war hier eher Zurückhaltung zu spüren. Trotz ihrer vitalen Bissigkeit, nahm sie sich am Schluss Zeit über ihre Kabarettisten-Profession zu reflektieren ("Komme mir vor wie ein Pinscher, der den Mond anheult"). Sollte sich am Ende bei Lisa Fitz gar Resignation oder Altersmilde einstellen? Aber nein: "Gott bewahre mir meinen Teufel", rief sie, bevor im finalen Beifallssturm fast unterging: "Du bist Deutschland. Wehre Dich!" Da applaudierte auch der gescholtene Baron nach Leibeskräften.

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