Bürgerversicherung als grüne Lösung

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Maria Klein-Schmeink (links) und Beate Müller-Gemmeke diskutierten über die Gesundheitspolitik.  Foto: 

Im Rahmen ihrer Albtour hatte die Bundestagsabgeordnete Beate Müller-Gemmeke jüngst zum Fachgespräch mit dem Thema „Gesundheitspolitik – gut versorgt im ländlichen Raum“ eingeladen und geballte Kompetenz mitgebracht in Person von Maria Klein-Schmeink, der gesundheitspolitischen Sprecherin der Grünen im Bundestag. Am selben Tag hatten die beiden Politikerinnen noch Gespräche geführt an der Albklinik und in der Klinik für Forensische Psychiatrie in Zwiefalten, ehe sie im Lamm in Ödenwaldstetten mit rund 20 Teilnehmern diskutierten.

Klein-Schmeink betonte, dass die Versorgung des Ländlichen Raums ein wichtiges Thema sei. Vor allem bei besonderem Hilfebedarf sei der Fachkräftemangel auf dem Land spürbar. Im Bereich der Prävention werde viel zu wenig getan, wusste die Politikerin. Bei 300 Milliarden Euro im Gesundheitsbereich seien 600 Millionen für die Prävention viel zu wenig.

Nicht nur Ärzte spielen eine wichtige Rolle sondern auch die Pflege und hier müsse man sich dringend dem Fachkräftemangel stellen und das besonders im ländlichen Raum, wo sonst verstärkte Abwanderung die Folge wäre.

Hohensteins Bürgermeister Jochen Zeller schilderte die Situation in seiner „gesunden“ Gemeinde. Hohenstein habe 600 000 Euro investiert in Räumlichkeiten für eine Arztpraxis, wofür es keine Fördergelder gegeben habe, weil dies keine öffentliche Aufgabe sei. Man habe eine Lehr- und Forschungspraxis integrieren können, sei von der Bosch-Stiftung als eines der fünf Gesundheitszentren in Deutschland auserwählt worden, „ein Projekt, das uns sehr fordert“.

Andreas Bauer, Sozialdezernent im Landratsamt brachte den Gedanken ins Spiel, dass sich die ganze Versorgung am Patienten zu orientieren habe, dass mit Lotsen Doppelbehandlungen vermieden werden könnten, dass alle Therapeuten in Fallkonferenzen auf Augenhöhe sitzen sollen. Diese Ideen scheiterten aber bislang an den wenig flexiblen Kassen, die keine Präzedenzfälle schaffen wollten.

Anja Manns vom Kreisgesundheitsamt erwähnte das Modellprojekt „Sektorenübergreifende Versorgung“, das vergangenes Jahr gestartet wurde. Es gehe dabei um die Überwindung der klassischen Sektoren, um die Entwicklung von Konzepten und Handlungsempfehlungen, und das Landkreis übergreifend, beschränkt auf sieben Krankheitsbilder. Im September, kündigte sei an, sei ein Bürgerdialog mit Realitätscheck geplant.

Pessimistisch sah Dr. Hans Scheub, Allgemeinarzt aus Gomadingen, die Möglichkeit, das Land für Ärzte attraktiver zu machen, zumal es Aussagen aus der Politik gebe, wonach 40 Kilometer für die Fahrt zum Allgemeinarzt zumutbar seien. Sein Sohn David sprach von einem Imageproblem der Landpraxen. Er selbe finde den Job als Arzt auf der Alb attraktiv, würde aber nicht wie früher üblich über der Praxis wohnen und an Wochenenden Bereitschaftsdienste schieben wollen.

Maria Klein-Schmeink setzte sich für die Einrichtung einer Bürgerversicherung ein. Ärzte würden schauen, wo es viele Privatpatienten gebe, und die würden sich nicht auf dem Land finden. Mit der Bürgerversicherung würden die Unterschiede von privater und gesetzlicher Versicherung verschwinden, gute Versorgung für Alle möglich bleiben in einer immer älter werdenden Gesellschaft. In der engagiert geführten Diskussion ging es auch um die Probleme in der Kurzzeitpflege, die Gangolf Foditsch aus Würtingen ansprach und um die Zukunft der Krankenhäuser.

Friedemann Salzer, Geschäftsführer der Kreiskliniken, zeigte sich stolz darauf, dass man drei Kliniken halten könne, übte Kritik an seinem Parteifreund Manne Lucha, der sich für die Streichung von Klinik-Standorten ausspreche. Beate Müller-Gemmeke sprach nach zweistündiger intensiver Diskussion von „vielen Impulsen“, die sie mitnehmen werde.

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