Begegnung mit Freunden

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Partnerschaften wollen gepflegt werden: Auf fast ein "Jahrzehnt gelebte Freund-schaft" blickten Trochtelfinger und Máriahalomer gemeinsam zurück. Bei einem Besuch in der ungarischen Partnergemeinde, zwischen Budapest und Esztergom, informierte sich die 38-köpfige Abordnung aus Trochtelfingen über Ge-schichte, Kultur und Kommunalpolitik des einst donauschwäbischen Ortes. Der "kommunale Austausch" am Samstag markierte den Höhepunkt einer fünftägigen Informationsreise des Gemeinderates durch Ungarn.

Einst wanderten Familien aus der Gegend um Trochtelfingen nach Máriahalom aus. Im Zusammenhang mit den Vorbereitungen der 750-Jahrfeier in Steinhilben 1997, ist der Kontakt wiederbelebt worden. Seitdem besteht eine partnerschaftliche Beziehung die 2004 in Trochtelfingen und 2006 in Máriahalom auch offiziell besiegelt wurde. Seitdem gibt es gegenseitige Besuche auf offizieller und privater Ebene, außerdem unterstützen die Trochtelfinger die Gemeinde regelmäßig mit Sachspenden. Gerade in der letzten Woche gab es wieder einen Spendenaufruf im Gemeindeblatt.

Die Stippvisite begann am Vormittag mit dem Besuch der Kirche, die einst von den deutschen Einwanderern errichtet wurde und des Pfarrhauses. Hier kommt es zu einem ersten Erfahrungsaustausch. Gemeinsamkeiten werden deutlich, so ist auch hier der Pfarrer für mehrere Ge-meinden zuständig. Der Platz der Ahnen - der Friedhof oberhalb des Dorfes - war ein ganz besonderer Programmpunkt für die deutschen Besucher. "Von Anfang an wurden die Donauschwaben hier begra-ben", erklärte Pfarrer László Szöc. Noch heute seien die Symbole der Vergangenheit sichtbar. Im alten Teil des Friedhofes gebe es ausschließlich Grabsteine mit deutschen Namen. Im neueren Teil des Friedhofes werde die Magyarisierung in der neueren Zeit deutlich. Eine Zäsur für den Ort stellte die Vertreibung der Deutschen im Jahr 1946 dar. Erst 1960 konnten sie als Besucher zurückkehren.

Ein besonderes Kleinod der Ortsgeschichte ist der Weinkeller von Adam Teigler: Seit gut 25 Jahren sammelt der 79-Jährige alles aus dem alten Máriahalom - von alten Möbeln, über Trachten bis hin zu Porzellan und Bildern. Der Donauschwabe nahm die Gäste mit auf eine Zeitreise. Mit dem hauseigenen Wein und Pálinka - wie man den Schnaps in Ungarn nennt - wurde die auf die Freundschaft angestoßen.

Zum Mittag war die Gruppe zu Gast bei der deutschen Selbstverwaltung im Kulturhaus. "Wir versuchen, dass wir die deutsche Identität erhalten können", berichtete Edith Kurinyecz. So wird im örtlichen Kindergarten die deutsche Sprache mit Liedern und Gedichten gepflegt. "Leider ist keine Schule mehr da", bedauerte sie. Nach einem zünftigen Mittagessen mit Pörkölt - Gulasch - besuchte die Gruppe die kommunalen Einrichtungen des Ortes, wie Kindergarten, Bürgervereinsräume, Jugendhaus und Gemeindeverwaltung, den Sitz des Notars und des Bürgermeisters - Zeit für einen Erfahrungsaustausch. Für kurze Zeit nahmen die Gäste aus Trochtelfingen den Sitzungssaal in "Besitz". Einmal im Monat - manchmal mehr - werde hier getagt, berichtete Bürgermeister Murczin Kálmán, der ehrenamtlich tätig ist.

Der Besuch der Trochtelfinger Abordnung findet zu einer Zeit des kommunalpolitischen Umbruchs in Máriahalom statt. Nach Unstimmigkeiten im Gemeinderat hat der Bürgermeister letzte Woche sein Amt zur Verfügung gestellt. Im Oktober soll neu gewählt werden. Zudem verliert Máriahalom seine Eigenständigkeit. Danach fällt die Verwaltung wieder an die Nachbargemeinde Dág, wie bereits vor 1990. Einen Bürgermeister werde es zwar auch in Zukunft geben, aber mit deutlich eingeschränkten Befugnissen.

Nach dem kommunalen Streifzug gab es Kaffee und Kuchen im neuen Gemeindehaus des Ortes. Im vergangenen Jahr konnte die Gemeinde mit Fördermitteln und Hilfe des Bürgervereins ein altes Haus, das ein Mal als Garage diente, sanieren. Der Verein möchte hier in Zukunft eine Begegnungsstätte etablieren und Ausstellungen organisieren, die vor allem altes traditionelles Handwerk zeigt und durch Kurse weitervermittelt, berichtet der Bürgermeister, der zugleich der Vereinschef ist. Zur Feier des Tages wurde der Trochtelfinger Amtskollege zum Ehrenmitglied ernannt.

Am Abend standen dann im Kulturhaus Begegnungen und der persönliche Austausch im Vordergrund. Viele Ältere sprechen noch deutsch. Dass die Sprache auch weiter gepflegt wird, zeigten die Darbietungen der Máriahalomer Kinder aus dem Kindergarten und Schüler. Sie trugen deutsche Gedichte und Lieder vor. Der Chor - bestehend aus Deutschen und Ungarn - sang alte deutsche Volkslieder aus dem eigenen Gesangbuch wie "In Kirwa steht a Haus" oder "Meine Heimat". Der Besuch stimmte mit ein.

Die deutschen Gäste bedankten sich am Abend mit einer Spende für das neue Gemeindehaus bei Ihren Gastgebern. Man habe sich sehr wohlgefühlt und gesehen, dass sich Máriahalom in den letzten zehn Jahren positiv entwickelt habe. So könne man heute Abend sagen "Wir sind Máriahalomer", rief Bisinger. Bürgermeister Kálmán bedankte sich. Auch er hoffe, dass die Freundschaft noch lange bestehen bleibe. Mit der Spende soll der Ofen im neuen Gemeindehaus finanziert werden.

Die Partnerschaft, die im nächsten Jahr zehn Jahre besteht, sei "ein Jahrzehnt gelebte Freundschaft", unterstrich Bisinger. Neue Freundschaften seien in dieser Zeit entstanden, Freundschaften zwischen Menschen, nicht nur zwischen den Kommunen. Nächstes Jahr wolle man das Jubiläum gemeinsam auf der Alb feiern. "Packen Sie heute schon ihre Sachen und kommen Sie", lud er ein. Auch der Chor dürfe nicht fehlen.

Die alte donauschwäbische Tradition auch im Zukunft zu bewahren, werde schwierig, erklärt Edith Kurinyecz von der deutschen Minderheitenselbstverwaltung. Auch in Máriahalom habe man mit Abwanderung zu kämpfen. Besonders die deutsche Minderheit, die noch die Sprache beherrscht, werde immer weniger. Was das für die Pflege der Partnerschaft bedeutet, könne man heute noch nicht abschätzen, so der Bürgermeister. Trotzdem seien solche gegenseitigen Besuche wichtig, um die Beziehungen zu pflegen. Im nächsten Jahr soll in Trochtelfingen das zehnjährige Jubiläum der Partnerschaft gemeinsam gefeiert werden.

Der Weg der Schwaben nach Máriahalom

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