Barrierefrei auf 300 Metern Höhe

Die Auszubildenden an der Ringelbachschule in Reutlingen sind besondere Jugendliche. Sie alle haben körperliche Einschränkungen. Frei wollen sie sich trotzdem fühlen - und wo geht das besser, als in der Luft.

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  • Passt wie angegossen: "Biosphärenpilot" Werner Schrägle setzt Sebastian den Helm mit dem Headset auf. Foto: A. Eckert 1/4
    Passt wie angegossen: "Biosphärenpilot" Werner Schrägle setzt Sebastian den Helm mit dem Headset auf. Foto: A. Eckert
  • Die Gruppe winkt den Fliegern zu. 2/4
    Die Gruppe winkt den Fliegern zu.
  • Der Tragschrauber hebt ab. 3/4
    Der Tragschrauber hebt ab.
  • Kleine Einweisung vor dem Flug. 4/4
    Kleine Einweisung vor dem Flug.
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Werner Schrägle klatscht in die Hände. "Jetzt lassen wir die Kuh fliegen." Sebastian ist der erste, der sich gemeldet hat. In wenigen Minuten werden die beiden gemeinsam in die Luft gehen.

Die Hände in den Taschen, läuft Sebastian leicht humpelnd zum Co-pilotensitz des Tragschraubers. "Fliegen wie ein Ahornsamen" steht in schwarzer Schrift vorne an der Nase auf dem in Silber glänzenden Rumpf. Als er Platz genommen hat, setzt ihm Werner Schrägle den Helm auf. "Passt wie angegossen." Der 18-Jährige lächelt. Um ihn herum stehen seine Mitschüler und ihre Begleiter von der Ringelbachschule in Reutlingen. Sebastian macht dort seine Ausbildung zum Metallfeinbearbeiter.

Es ist eine besondere Schule, denn alle Jugendliche, die dort eine Ausbildung machen, haben körperliche Einschränkungen. Trotzdem wollen sie ein selbstbestimmtes Leben führen. Die Schule hilft ihnen dabei. Im Rahmen ihrer Ausbildung sind sie zu einem besonderen Ereignis auf den Flugplatz bei Hayingen gekommen. Sie dürfen mit dem "Biosphärenpiloten" abheben, wie sich Werner Schrägle selbst nennt. Unterstützt wird die Aktion vom Verein "behindert-barrierefrei" im Rahmen der Inklusion Tour 2012. Werner Schrägle wirft den Motor an. Der Propeller brummt, langsam holpert das 250 Kilo leichte Gefährt über die Wiese zur Startbahn. Jetzt beschleunigt der erfahrene Pilot den 100 PS starken Tragschrauber. Der Rotor beginnt sich zu drehen, nach wenigen Metern heben sich die drei Reifen vom Boden. Sebastian fliegt. Der Wind, der schon am Boden aus allen Richtungen kräftig geblasen hatte, pfeift ihm jetzt lautstark links und rechts am Kopf vorbei, nur das Gesicht ist durch eine Windschutzscheibe geschützt. Dann hört er die Stimme von Werner Schrägle über das Headset. "Alles ok?" Das ist es. Mehr als das. 300 Meter unter ihm sieht er seine Mitschüler. Sie winken ihm zu. Er winkt zurück. Mit 120 Kilometern pro Stunde fliegen die beiden über sie hinweg. "Das ist phantastisch", freut sich Sebastian. Ab und zu geht ein leichter Ruck durch das Fluggefährt, es gibt reichlich Wind. "Windböen machen dem Tragschrauber nichts aus", beruhigt Schrägle, der mühelos mit dem Steuerknüppel die Flugroute ausgleicht. Sebastian stört sich nicht daran, er fühlt sich sicher und genießt jeden Augenblick.

Nach 15 Minuten setzt der Tragschrauber wieder zur Landung an. Werner Schrägle geht vom Gas, der Rotor dreht sich weiter und lässt den Tragschrauber sanft nach untengleiten. Augenblicke später setzt das Gefährt auf der Graspiste auf und rollt aus. Die 21-jährige Saskia wartet schon. Sebastian nimmt den Helm ab. "Wow." Er steigt aus und läuft unbeschwert auf die anderen zu. Die sind neugierig. Sie wollen von ihm wissen, wie es war, dort oben. Begeistert berichtet er. Ob er noch einmal fliegen möchte? "Jederzeit wieder." Der 18-Jährige grinst. Werner Schrägle kann das Lob nicht mehr hören. Er ist schon wieder in der Luft. Über Headset vernimmt Saskia seine Stimme: "Alles ok?"

Info Mehr im Internet unter www.biosphaeren-flug.de und www.behindert-barrierefrei.de.

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